Fw: Es ist, wie es ist

Dieser Text ist ganz hervorragend. Es gibt anscheinend mehrere Zugänge zur Soziologie als nur den soziologischen, den einzigen den ich bisher kennen gelernt habe. Daher hier eine Leseempfehlung - für den verlinkten Beitrag und den Rest der Seite.

Ungleiches unter Gleichen

Die große weite Welt soll Eins werden. In den letzten hunderten von Jahren wurde auch einiges getan damit das alles klappt. Die ganze Kleinteilerei wurde aufgehoben. Die Differenzierung der Welt in viele gleiche Segmente gibt es nicht mehr, dafür die Aufteilung der Welt in unterschiedliche Aufgabenbereiche - und viele davon global. Luhmann und andere nennen dies funktionale Differenzierung.

Es wird dabei beschrieben das viele (und zunehmend mehr) Einzelsysteme spezialisierte Formen annehmen und ihre Wirkungsweise über die ganze Welt spannen. Angefangen hat das mit dem Handel. Dann kam der Sport, die Bildung und mit ihr die Wissenschaft und ein paar weitere. In jeweils allen Bereichen weltweit die selben, enggefassten, akzeptierten Standarts.

Seit es so ist, dass wissenschaftlicher Fortschritt (egal wo auf der Welt) wirtschaftlich umgesetzt werden kann (auch global) und weiteren Wissensfortschritt forciert blüht die Welt praktisch (nicht überall aber mehr als jeher).

Das Problem: Eins unserer wichtigsten Funktionssysteme spielt in diesem fröhlichen Miteinander nicht mit, weil es das (nocht) nicht kann - die Politik. Sie agiert nicht global, sie henkt am Nationalstaat und das 196 mal auf der Welt.

Luhmann meint das sei so da die Welt zu unterschiedlich ist - politische Entscheidungen müssten jeweils nationalen Bedingungen angepasst werden. Ein weiterer Punkt: Politik muss sich legitimieren bevor sie loslegt. Wissenschaftler und Manager oder Sportler müssen das nicht. Sie nehmen teil indem sie sich an Standards orientieren. Der Wissenschaftler weiss: wahr ist was (für viele) plausibel ist; der Manager lernt und weiss was Geld bringt; der Sportler trainiert und ist erfolgreich und dabei. Der Politiker jedoch möchte Entscheiden, darf das aber nicht (einfach so).

Die Demokratie fesselt die Politik also an den Nationalstaat und sein mit der Legitimation beauftragtes Volk und kann dadurch nicht im Weltweiten Konzert des Fortschritts mitspielen. Ein echtes Problem, vor allem für die Politiker, da sie so tun müssen als könnten sie es doch damit sie überhaupt noch legitimiert werden.

Irren ist weltlich

Also, Luhmann sagt, damit die Welt funktioniert wie sie es tut oder tun soll oder immer tat und deswegen weiter tun soll - braucht es nur den Fall das

fast alle unterstellen, daß fast alle zustimmen, (… bzw. …) fast alle unterstellen, daß fast alle unterstellen, daß fast alle zustimmen

bei dem wie’s läuft. Man denkt sich die Welt einfach so zurecht, wie man sie gern hätte und hofft das niemand widerspricht wenn man seine Maximen praktiziert.

Allerdings beschreibt Luhmann die Welt losgelöst von den Dingen, als Beobachtung von Beobachtung. Wir können die Welt nicht selbst beobachten, sondern sind auf die Beobachtungen angewiesen, die wir machen während wir zuschauen wie die Welt dargestellt wird. Und eigentlich kommt in unserem Gehirn gerade mal ein bisschen mehr an als ein kleines Zucken.

Nun kann man allen anderen zuschauen, wie sie die Welt beobachten, als was sie die Welt hinstellen, wie sie sie erfahren und verarbeiten (zumindest die Produkte davon). Wie aber kann man sich selbst beim Welt beobachten beobachten? - Gar nicht.

Deswegen ist der

Beobachter selbst (…) in dieser Operation (…) der ausgeschloßene Dritte.

Man nimmt an der Welt, der man so vieles unterstellt, gar nicht teil wie diejenigen die man beobachtet und denen man quasi unterstellt. Und das trifft für alle zu. Jeder hat seine eigene kleine Welt in der alle stattfinden ausser man selbst.

Deswegen braucht man sich gar nicht wundern, wenn man sich mal irrt.

Mal Herrn Luhmann verstehen…

geld(folgender Text ist nur zum protzen und für Nichtsoziologen weder interessant noch hilfreich)

…ist gar nicht so schwierig. Folgender Satz aus “Die Gesellschaft der Gesellschaft” ist schön, sachlich und simpel:

Die Welt ist ein unermeßliches Potential für Überraschungen (…) die Systeme benötigt (…) um ausgewählten Irritationen den Sinn von Informationen zu geben.

Die Welt ist - Die Welt ist das Potential für Überraschungen, sie birgt es nicht. Ein feiner Unterschied. Die Welt steckt nicht hinter oder um diesen Überraschungen, sie selbst zeigt sich uns durch diese Überraschungen.

Potential für Überraschungen - Es wied etwas passieren, aus einem Kontingent von Möglichkeiten, das aber auch anders passieren kann. Das ist das Geheimnis der Welt. Die Vergangenheit kann identifiziert werden, in dem man sich erinnert was war. Die Zukunft ist dagegen kontingent. Und die Gegenwart verknüpft Mögliches und Tatsächliches indem sie uns handeln oder erleben lässt. Beim Handeln verändern wir unsere Umwelt. Beim Erleben verändert die Umwelt uns.

die Systeme benötigt - Systeme suchen sich ihren Sinn und schliessen damit ‘Unsinn’ für sich aus. Ohne diesen Plan (was zu tun ist und was nicht) würde man sich um alles, immer kümmern müssen und wäre nie fertig.

ausgewählten Irritationen - Ereignisse die man für wichtig nimmt, weil sie ins vorher gefasste Sinnschema passen, werden ausgewählt und bearbeitet.

Sinn von Information - Um ausgewählte Irritation aus der Masse umherschwirrender Irritationen verstehbar zu machen, werden sie in Informationen umgemodelt. Die kann man dann mitteilen und sie sind auf einem gewissen Level von vielen gleich interpretierbar.

Praxisbeispiel: Ein Junge geht verträumt durch die Strassen und findet (Erleben) einen Fünfeuroschein. Er freut sich über sein unverhofftes Glück (Irritation). Er denkt sich aber insgeheim auch: ‘hätten aber ruhig auch 10 Euro sein können’ (unermeßliches Potential). Mit dem Geld macht er nun einen ungeplanten Abstecher (Handeln) in den Supermarkt (System) um das Geld (Sinn von Informationen (quasi)) in Süßigkeiten zu tauschen.

(bild: schnurrbart)

Die Professoren Kläuse aus den Städten mit dem B

klaus & klausGestern war es in der 3 Sat Kulturzeit mal wieder so weit. Soziologieprofessoren waren gefragt. Nachdem die Wahl meistens auf Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (links) von meiner Uni in Bielefeld fällt wenn ein Soziologe gefragt ist - der sich dann auch immer recht gern zu dem ein oder anderen Thema äussert, war gestern der Bremer Soziologe Prof. Dr. Klaus Boehnke von der dortigen IUB dran. Thema waren die fahnenschwenkenden Deutschen zu denen er sich äusserte (Video in der Sidebar).

Herr Hurrelmann ist häufig nur ein Poser - doch Herr Böhnke hat mich enttäuscht… Er wurde wurde gefragt was er denn gegen das deutsche Verhalten habe:

Also ich würde garnicht mal das Argument bemühen das Deutschland ein schwieriges Vaterland ist, dem man sich nicht wirklich mit der Nationalfahne irgendwie präsentieren sollte.
Was mir als wichtiger erscheint ist, das diese nationale Symbolik ja etwas aus meiner Sicht völlig altmodisches ist. Nation und Pratriotismus und Schwarz, Rot, Gold ist etwas das kommt aus dem 19. Jahrhundert und hier wird einfach so getan als würde es taugen für das 21. Jahrhundert und in diesem Sinne wird Rückbesinnung verlangt. und das kann eigentlich nicht stimmen - wir können uns nicht auf etwas Rückbesinnen das im 19. Jahrhundert hervorgebracht wurde.

Die Sachlage ist aber tatsächlich so: Diese Brücke zwischen dem Patriotismus des 19. Jahrhunderts und der aktuellen Stimmungslage in Deutschland gibt es garnicht. Denn das wir zur Zeit alle Schwarz-Rot-Gold tragen liegt allein daran das es die Farben unserer Nationalmannschaft sind - die wir grade vollkommen begründet unterstützen. In Zeiten ohne WM vergräbt sich jede Bundesligastadt in ihren Vereinsfarben - in Zeiten einer WM, vor allem da sie gerade hier stattfindet, hüllen wir uns überall in Deutschland in die Farben die uns als einzige verbinden. Der einzige Grund warum wir diese Farben rausholen ist ein aktueller Gewinn unserer Mannschaft, und das wir sonst keine Symbole dafür haben.
Es wird auch nicht so getan “als ob” das zeigen unserer Fahne was taugen würde - Sie wird gezeigt weil es ein ehrlicher Ausbruch aktuellen Gefühls ist.

Ganz abgesehen davon - wieso kann man sich nicht auf alte Dinge zurückbesinnen - und was sollte daran nicht stimmen wenn man es tut?
Das alles ist meiner Ansicht nach weder eine “Rückbesinnung” noch wird soetwas auf irgendeine Art “verlangt“. Was zur Zeit stattfindet ist eine ganz besondere, einzigartige und absolut geniesbare Deutsche Aktualität und die einzige Geschichte die uns interessiert ist die WM Historie der letzten hundert Jahre.

…die Soziologie ist doch eine empirische Wissenschaft.

(ein bissl zusammeneditiert von mir am 23. Juni - 15 Uhr)

Für interessierte am ‘Sinn’ von Luhmann

In seinem 1987 veröffentlichten Werk „soziale Systeme“ widmet Niklas Luhmann dem Sinn ein gesamtes Kapitel. Hier die wichtigsten Eckpunkte:Max Weber begann mit dem Sinn im Handeln. Diese Auffassung von Sinn ordnet den Sinn einem Menschen zu der eine Handlung ausführt. Alfred Schütz verfeinerte dies in dem er vom Handlungsentwurf sprach der bereits vor der präsenten Handlung Sinn enthielt. Für Schütz wie Weber war die Sozialwissenschaft daher eine Handlungstheorie. Alles Soziale basierte auf Handlungen und ihrem Sinn. Luhmann übernahm die Ansicht das sich alles Soziale auf den Sinn beziehen läst. Allerdings entkoppelt er Sinn von Handlung und damit vom Bewußtsein des Menschen. weiterlesen »

Soziologie der Blogosphäre

Der Gang durchs Internet machte die letzten Tage wieder einmal besonders viel Freude… Nachdem ich vor 5 Wochen selbst Opfer einer Juristischen Attacke wurde - inkl. Rechtsschreibfehler im Anwaltsschreiben, kopierter statt komponierter Textpassagen und willkürlichem Streitwert (vielleicht schreib ich dazu nochmal ausfürhlich was) kann man solchen Sachen nun tatsächlich mit immer mehr Freude begegnen!
Der aktuelle Fall der grad überall präsent ist betrifft ausgerechnet Transparency International - diesem riesen grossen Wohltätigkeitsdampfer der so friedvolle Flaggen auf der ganzen Welt gehisst hat. Meiner Erinnerung nach gegründet vom Ehemann von Gesine Schwan die ich damals so gern als Bundespräsidentin gesehen hätte…
Nun also hat eine junge Dame einen Blogeintrag über die Personalpolitik von TI geschrieben weil eine Freundin ein Opfer von dortiger (gefühlter) Ungerechtigkeit wurde. Und TI reagierte darauf so verschnupft das dieser Bericht direkt juristisch von ihnen angegriffen wurde. Die Reaktionen dazu waren dann entsprechend.
In meiner Uni Bibliothek stehen 2.000.000 Bücher und beinah 4 Mal so viele Zeitschriften - aber zu diesem Thema gibts weder juristische noch soziologische Informationen - das Internet ist so schnell - keiner kommt hinterher. Und obwohl das alle wissen, versucht die praktizierende Juristerei dies mit dem Schleier aus Drohungen, Täuschungen und Lügen zu überdecken…

Nicht alle Äpfel fallen nach unten

Ich sitz grad ‘daheme’ im wilden Westen und sinniere über den Apfel. Einen Weg zu ihm zu finden ist ja relativ leicht… Also ich studier ja die wunderbare Soziologie, halte mich gesund in dem ich, vielleicht den Apfel nicht selbst, aber regelmäßig Produkte aus Äpfeln esse und lese zur Abwechslung grad Dan Browns Angels & Damons, nachdem ich erheitert den Da Vinci Code gelesen habe…
Also im Angels & Damons, bei dem ich noch nicht so richtig weit bin - aber egal, geht’s um die Verbindung von göttlichem Kreationismus und naturwissenschaftlichen “Erkläraktionismus” und die beiden Sachen werden ziemlich anschaulich auf einen Nenner gebracht… Denn Gott schuf gewissermaßen ‚die Unterscheidung’ als erstes zwischen Ihm und Nicht-Ihm (Uns) und in unserer Welt dann immer weitere – also oben und unten, nah und fern, groß und klein, … Aber bekanntlich schuf er uns nur, aus Spaß oder anderen Gründen, und mischte sich seither nicht wieder ein… Und die Physik erklärt uns nun, noch anschaulicher, dass diese Unterscheidungen alle wieder aufgehoben werden. Was oben ist fällt runter, was sich fern ist zieht sich an, was groß ist einigt sich mit dem Kleinen auf ein Mittelmaß… eigentlich alles nachvollziehbar oder?
Nun fragt man sich aber – wie sieht es aus mit der Verbindung zwischen göttlichem Kreationismus und dem sozialen Werden. Wenn man die Gesetze des sozialen Miteinanders der Natur zugrunde legt – was würde dann mit dem Apfel passieren? Würde er fallen? Wohin? Gäbe es ihn überhaupt?
Wünsche, Moral und Ethik stecken so tief in uns drinnen, dass wir geblendet sind, sie für grundlegend zu halten, dabei ist die einzige Dimension dieser Tiefe die, dass wir sie nie aus uns herausbekommen. Mal abgesehen davon, dass wir diese Dinge nie in den Handlungs-verleimungsprozess einbringen können, von dem wir glauben das er Gesellschaft schaffe, gibt es uns Menschen ‚so ganz und gar’ nicht beim Blick auf das, was wir glauben zu bilden. Die Welt ohne Menschen ist voller Wunder.