Zitat des Tages

Niklas Luhmann sagt:

Die moderne Gesellschaft scheint eine Grenze erreicht zu haben, an der nichts mehr nicht kommunizierbar ist - mit der einen Ausnahme: der Kommunikation von Aufrichtigkeit.
Denn wenn man nicht sagen kann, dass man nicht meint, was man sagt, weil man dann nicht wissen kann, dass andere nicht wissen können, was gemeint ist, wenn man sagt, dass man nicht meint, was man sagt, kann man auch nicht sagen, dass man meint, was man sagt, weil dies dann entweder eine überflüssige und verdächtige Verdopplung ist oder die Negation einer ohnehin inkommunikablen Negation. Dies Paradox der Kommunikation ist nicht zu vermeiden.

aus: Gesellschaft der Gesellschaft, Seite 311

Wolfgang Thierse und die Logik der Politik

thierwo0.jpgMein “Systemtheorieprofessor” zu dem ich seit diesem und wohl alle folgenden Semester gehen werde erzählt mir seit einigen Montagen wie man die Welt noch sehen könnte (wenn man sich viel Mühe gibt). In einer Passage ging es zum Beispiel darum, dass sich nach der Abschaffung des All-in-One Hofes des Mittelalters verschiedene Teilsysteme aus dem Gesamtgesellschaftssystem ausdifferenzierten. Früher war ein “Herr” für Wirtschaft, Moral, Politik, Kunst, Theologie, Wissenschaft, Recht, … verantwortlich. Heute hat alles sein eigenes Teilsystem - das nach seinen eigenen Regeln funktioniert. So dreht sich die Politik immer nur um Macht, die Wirtschaft immer nur um Geld, die Kunst immer nur um sich selbst, die Moral immer nur um Zustimmung, die Wissenschaft immer nur um Erkenntnis, Das Recht immer nur um Recht, … Sie berühren sich untereinander sind aber nicht (mehr) Eins. Was mein “Systemtheorieprofessor” uns sonst noch nahe legt ist: “Wieso so abstrakt, finden sie doch mal ein Beispiel”.
So und nu - da seh ich heut den Herrn Wolfgang Thierse wie er (die heutigen Tagesschauen hindurch, anlässlich der unendlichen Mannesmanngeschichte rund um Joseph Ackermann) sagt:

Das können Menschen nicht verstehen, sie können nicht verstehen das ein Unternehmen gleichzeitig riesige Gewinne macht und tausende entlässt. Das führt zur sozialen Katastrophe in diesem Lande und deswegen brauchen wir die Debatte darüber was eigentlich vernünftige, auch in härteren Wettberwerbszeiten, vernünftige Unternehmensziele sind.

Also er stellt fest - das Volk ist irgendwie zu dumm um zu verstehen, dass sich in der Wirtschaft eben alles immer nur ums Geld dreht und das wir eben Engelchen und Teufelchen akzeptieren müssen wenn wir wollen das unsere Gesellschaft als Ganze Bestand hat.
Aber er fordert - eben nicht das wir uns um Verständnis bemühen sollen, das es des Volkes Aufgabe ist sich zu bilden um selbst zu ergründen wie Wirtschaftsentscheidungen getroffen werden. Nein - nach Thierse sollen die Unternehmen auf einem Niveau agieren das wir alle verstehen - und wenn sie dazu nicht bereit sind muss er (also die Politik) eben Daumenschrauben anlegen, so dass sie gezwungen sind so zu agieren. In gewissem Sinne möchte er durch die Einführung “vernünftiger Unternehmensziele” die Wirtschaft mit der Moral vermengen. Aber der Clou ist: Er fordert und argumentiert mit Moral, die nur die Funktion hat Zustimmung zu Erzeugen was bloße Generierung von Macht bedeudet - womit man beim Schlüssel des Politiksystems wäre. Wie soll es also funktionieren? Wenn sich Thierse selbst schon mit 2 Sätzen wie die Schlange in den Schwanz beist. Thierses Aussage trägt die Logik ‘in sich’ - aber nicht nach außen. Auch wenn wir sie diffus und intuitiv nachvollziehen ist ihre (vorgegaukelt gewollte) Wirkung - die Einwirkung auf das Wirtschaftssystem - gleich Null.