Wahlbeobachtungen - Vertrauen/Versprechen

Deutsche Wahlkämpfe machen keinen Spaß. Sie lenken die Politiker vom Tagesgeschäft ab und führen beim Wähler zu langweiliger Nerverei in Fußgängerzonen und Briefkästen. In Wahlkampfzeiten sind die Straßenzüge mit nichts sagenden Politikerköpfen zugepflastert (oder schlimmer) und überall finden vereinzelt kleine Veranstaltungen in Gemeinderäumen statt, in denen Sachexperten und Sympathieträger erzählen, weshalb die Welt gerade schlecht ist und es sich lohnt ihre Partei zu wählen. An guten Tagen sind Marktplätze voll. Vorne hört man dann anständig zu was erzählt wird und hinten pfeift man rum.

Amerikanische Wahlkampfzeiten sind dagegen ein riesen Spaß. Fußgängerzonen werden mit allen möglichen Kram behangen (oder bemalt) und es gibt Spielerein für die ganze Familie. Alle sind dabei. Wenn jemand zu einer Veranstaltung läd, ist es der Kandidat selbst der kommt und von Zehntausenden erwartet wird. Und wer nicht dabei sein kann, wird so eingestimmt.

In Amerika spielt allein die Person, der Kandidat für ein politisches Amt, eine Rolle. Seine Herkunft, seine Vorhaben, Visionen und Ideen sind entscheidend. Programm und Parteizugehörigkeit stehen hinten an. In Deutschland ist diese Art des Personenkults historisch verdorben. In Amerika ist er das politische Nonplusultra. Es motiviert die Wähler, trotz ihrer Enttäuschungen und dem allgegenwärtigen Misstrauen der Politik gegenüber, Beziehungen und Vertrauen zu Politikern aufzubauen, und so das Hier und Jetzt der Politik nicht nur erträglich zu machen - sondern aktiv mitzugestalten und so zu ermöglichen. Zu beobachten ist außerdem, dass je schlechter die allgemeine Lage eingeschätzt wird, die Wahlkampfpartizipation umso höher in der Bevölkerung zu beobachten ist. (In Deutschland ist es, bis es mal richtig knallt, genau entgegengesetzt zu beobachten. Politische Enttäuschung wirkt sich als Politikverdrossenheit aus.)

Ein entscheidender Unterschied zwischen Deutschland und Amerika ist, dass in Deutschland Parteien und in Amerika Personen gewählt werden. (Nachlesen)

Entscheidend ist aber auch, auf was der Schwerpunkt des Wahlkampfes gelegt wird. Soll es um Emotionen, persönliches Vertrauen und Anteilnahme oder um Fakten, Programme und Versprechen gehen? Wie wichtig ist ein detailliertes Programm, dass in all seinen Fakten, Themen und Aspekten dem Wähler zum Vergleich mit anderen Parteiprogrammen anregen und seine Wahlentscheidung herleiten soll?

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Wahlbeobachtungen - Person/Partei

Wahljahre sind Ausnahmezeiten, nicht nur in Amerika. Vor allem in Deutschland kennt man das Problem, dass in Wahlkampfzeiten beinah jedes politische Engagement und Personal auf die Zeit nach der Wahl ausgerichtet wird und die Tagespolitik dadurch auf der Strecke bleibt. Dass gerade dann, wenn Politik dem Wähler gegenüber als besonders wichtig dargestellt wird, (entscheidende) Politik selbst kaum mehr stattfindet, ist ein Paradox, dass als Symptom eher auf allgemein menschliche Schwächen verweist, als auf Probleme der Politik zurückzuführen ist. Eine der langfristigen, und damit von der Politik umbeherrschbaren, Nebenfolgen ist eine allgemeine Politikverdrossenheit in zwei Etappen. Zuerst ist man von der Partei, der man am nächsten steht, enttäuscht, danach verdammt man allmählich das gesamte politische System.

Beim Betrachten der Vorwahlen in Amerika, den jubelnden, begeisterten Menschen und der großen Reden der Politiker vor zehntausenden Menschen scheint man den Eindruck zu gewinnen, dass es diese Art der Politikverdrossenheit nicht gibt. Allem Augenschein nach liegt es an der starken Personenzentrierung, die die Parteien entlastet und Politik zu einer Verkettung epochaler Phänomene werden lässt, anstatt im Einheitsbrei aus Wahlversprechen der Parteien und Enttäuschung der Wähler aufzugehen.
Im Folgenden nun detailierte Beobachtungen der Parteien-Personen-Differenzierung bezogen auf Politik am Bsp. der amerikanischen und deutschen Wahlkämpfe. Die Beobachtung schließt vieles kategorisch aus, das zumindestens erwähnenswert ist, hier aber dennoch nicht erwähnt wird. Zur Ergänzung empfehle ich: Die Grobstruktur der USA nachzulesen. Das Grundgefüge der USA birgt einige Überraschungen in sich, die zu Wissen das Verständnis, auch des folgenden Textes, erleichtert.

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Dieter Bohlen und Denny Crane

Denny CraneDieter Bohlen ist hinglänglich bekannt. Vorweg noch ein paar Worte zu Denny Crane, dem Spaßmacher aus Boston, der schon mal ein eigenes Raumschiff hatte.

Er ist ein in die Jahre gekommener Anwalt in Boston bei “Crane, Pool & Schmidt“, der liebenswerten und erfolgreichen Anwaltskanzlei, die’s jede Woche bei Vox zu sehen gibt. (Zur Zeit grade Staffelpause) Denny Crane, der Legendäre, der nie einen Fall verloren hat, ist inzwischen alt und hat BSE, glaubt er. Und er passt sein Verhalten dementsprechend an. Langfristige Planung und Affektkontrolle ist für ihn Vergangenheit. Er lebt alles im Hier und Jetzt aus, was dazu führt, dass er schonmal ohne Hosen durchs Gericht rennt, wenn ihm die Richterin gefällt oder im Büro scharf auf Enten schiesst. Demokratische Positionen versteht er schon lange nicht mehr. Er ist Republikaner durch und durch.

Nun geschah es, dass Denny Crane zu einem farbigen Jobbewerber sagte: “Schön, sie klingen gar nicht wie ein Schwarzer!” Was natürlich bei allen Beteiligten, ausser ihm, für Bestürzung sorgte und schnell die mediale Runde machte. Um diese rassistische Äußerung wieder grade zu biegen, gab Shirley Schmidt (für ihn einzige Respektsperson und Freundin, ebenfalls Kanzleiseniorpartner und Juristenlegende) eine Pressekonferenz und meinte sinngemäß: Diese Äusserung ist nicht der Rassismus von Denny Crane sondern der der Gesellschaft. Als Anwaltskanzlei muss man den gesellschaftlichen Strömungen Rechnung tragen und sie eben explizieren.

Und genau das kann man auch über Dieter Bohlen sagen, wenn er die Jugen bei DSDS abwatscht. Das es seine Meinung ist, ist nicht das Problem. Sondern eher, dass es anschlußfähig ist. Zumindest im Prinzip. Denn eigentlich ist nicht mal das das eigentliche Problem, zumindest nicht meiner Meinung nach. Das er manchmal über die Stränge schlägt kommt eben vor, das wird unter der Varianz verbucht (deren Ereignisbereich besonders gern medial ausgeschlachtet wird).

Das Dieter Bohlen den Unverbesserlichen und Arroganten (manchmal auch Hilflosen - zugegeben) die Meinung sagt, ist doch eigentlich gar kein Problem. Nur weil es stattfindet, Aufmerksamkeit erregt und dadurch leicht handhabbar ist, wird es offen kritisiert. An eigentlichen Problemen, geht diese Art des vermeintlichen Jugendschutzes doch weit vorbei. Alles nur Geheuchel von Gutmenschen und Weltverbesserern. (Dieser Link nur mal exemplarisch als erster bei Google: Dieter Bohlen Kritik)

Bei Dieter Bohlen weiß man, er sagt das was er sagen will. Bei seinen Kritikern spielen jedoch oft die manipulativen, lobbyverzehrten und um Anhängerschaft heischenden Meinungsbildungsprozesse eine Rolle. Vor allem wenn die Aussagen aus kirchlicher und politischer Richtung kommen.

Legitimer Kindesmissbrauch

Wenn 17 - 23 jährige im RTL Mittagsprogramm zwischen 12 und 15 Uhr (also “Punkt 12″ und “Oliver Geissen Show”) meinen:

“Ich habe keinen Schulabschluß, mit der Ausbildung, dass muss ich mal sehen - jetzt geht das ja erstmal nicht mit dem Kind”,

dann ist das legitimierter Kindesmissbrauch. Und er kommt dort täglich vor. Nun, man kann nicht sagen, in welcher Form die Darstellung dort, die Themen- und Personenwahl, für irgend etwas repräsentativ ist oder in welcher Weise dort Realität auf Inszenierung trifft. Aber die Argumentation ist in sich plausibel und wird auf Gehör und Nachahmung stoßen. Sie wird verstanden, wie sie verstanden werden will.

Erschwerend ist, dass die Erklärung, weshalb diese Argumentation dennoch falsch ist, ablenkt und entmündigt ein gewissen Grad an Intelligenz erfordert, der einfach nicht mehr aufzufinden zu sein scheint.

Die Mädels lassen sich intrinsisch motiviert entmündigen. Sie können sich nicht vorstellen, dass sie gerade weil sie ihrem Wunsch nach Kindern nachgehen, die Gesellschaft umkremplen können. Statt dessen akzeptieren sie genau das Gegenteil.

Daher: den Kindermissbrauch begehen nicht die jungen Mütter, sondern die, die ihnen andauernd Rabenmuttertum vorwerfen, wenn sie sich (nicht trotz, sondern durchaus mit dem Kind) dennoch selbstverwirklichen wollen.

Es gibt so viele latente Entmündigungsmechanismen in Deutschland, die müssten alle mal aufgelistet werden.

Politik als Pop

Tarek Al-Wazir ist ja cool!

Es gibt gute Gründe, politische Partein abzuschaffen. Man kann es so, aus Sicht des aufgeklärten Publikums, begründen oder auch aus Sicht der Politiker selbst, deren Abgeklärtheit scheinbar zwangsläufig durch die Tätigkeit hervorgerufen wird.

Eine dieser persönlichen Perspektiven wurde uns letzte Woche im Seminar aus erster Hand dargeboten.

Das Parlament ist aller seiner Funktionen beraubt. Kontrolle der Regierung, Repräsentation eines Volkes, für alle bindende Entscheidung in transparenter Form - all dies gibt es nur noch in Erinnerung.

Wenn man Leute wie Tarek Al-Wazir im Fernsehen reden sieht, ist es ärgerlich, das er andauernd auf eine Partei referien muss, anstatt einfach nur für sich und seine Ansichten zu werben.

Das ist eine Plage. Parteien sind struktureller Mist.

Wenn schon amerikanische Vorbilder, dann wenigstens in allen Konsequenzen. Persönlich statt Parteilich. Politik mit Popfasade, dafür mit zurechenbaren, beobachtbaren, adressierbaren Fundament.

Respekt vor Gabriele Pauli

Gabriele PauliFrau Paulis Zeit in der großen Öffentlichkeit ist nun wohl um. Zumindest hat man ihr die Bühne genommen, auf der sie das letzte halbe Jahr gespielt und sich produziert hat.

Es gab mal eine Zeit, da hat man uns im Kindergarten Bilder von Umweltzerstörung, Tierquälerei usw. gezeigt worauf wir Kinder natürlich alle mit Bestürzung und der Frage reagierten, weshalb die Erwachsenen das zulassen, dulden und eigentlich, und das wurde immer klarer, billigend in Kauf nehmen.

Langsam lernte man dann die Gesetzmäßigkeiten kenne, nach denen alles funktionierte, auch wenn es überhaupt nicht zufriedenstellend funktionierte.

Damals haben wir uns gefragt, warum nicht einfach jemand von denen, die mitreden und entscheiden dürfen, aufsteht und ein ‘Veto’ oder so was einlegt oder ein paar Sachen zumindest mal zum Thema macht.

Und im Grunde ist Gabriele Pauli so eine Person. Ihr Lebenslauf verläuft ziemlich geradlinig, so dass man beinah davon ausgehen kann, dass er letztlich ziemlich weit oben endet. So läuft es ja generell in der Politik und wahrscheinlich besonders in der CSU. 30 Jahre CSU hat sie jetzt hinter sich und bis zur Landrätin hat sie es gebracht.

Und nun setzt sie alles aufs Spiel um ein paar wirklich gute Ideen, eine große Menge Vorschläge und die ein oder anderen direkten Anträge bei einem Parteitag vorzubringen - die aber alles andere als programmkonform bei der CSU sind.

Das ist bemerkenswert. Sie ist eigentlich eine wahre Heldin. Eine die sich in einem Schweinesystem hochgearbeitet hat und nun aufsteht und den Herren (noch sone CSU-Eigenheit) mal ordentlich auf die Nasen haut.

Das verdient Respekt.

Ich hoffe sie hat Recht mit der Annahme, dass es nun Zeit braucht. Das sie den Parteivorsitz nicht erringt war ja klar, in Zukunft wird sie es aber wieder mit ihrer eigenen Landratsebene zu tun haben und dort wird sie nicht von ihr fremden Arschkriechern abgewatscht werde - da bin ich mir ganz sicher. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Und ausserdem wird so auch mal gezeigt, dass man sich in einer Demokratie nie vor Opposition drücken kann. Ganz egal wie gut man alles im Griff hat.

Bild: gabriele-pauli.de 

Offenbarte Tölpelei

pl.jpgEs ist Jahrtausende her, dass Platon die Empfehlung gab, man solle einen Staat von Philosophen lenken lassen. Menschen die alles im Griff haben, alles überschauen, vorurteilsfrei urteilen, mehr als andere wissen - eben prädestiniert sind für die große Aufgabe letzte Instanz zu sein und alles beieinander zu halten.

Als jüngerer Mensch glaubte ich in so einer Welt zu leben, ich schrieb es vor ein paar Wochen schonmal. Es ist doch alles so prächtig, wir hungern nicht, leiden nicht, leben lange und ziemlich zufrieden.

Also kommt man zu der Frage - wie kann es sein, dass es uns so geht und wir dennoch über die schimpfen, die die letzte Instanz ausfüllen. Also: Bernd Ulrich stellt diese Frage, Politiker und Politikverdrossenheit sind gemeint und Politiker finden diese Frage berechtigt. Ich hingegen tendiere eher zu dieser Antwort.

Es gibt keine letzte Instanz die alles regelt. Es ist ein freies Spiel der Kräfte. Die grossen Fragen können meist gar nicht politisch geklärt werden, weil es keine politischen Fragen sind. Einer Oswald Meztgers Lieblingssätze aus dem Artikel:

Wer Politiker verachtet, verkennt ihre wahre Größe.

Politiker sind keinesfalls eigenständig entscheidende, unabhänig handelnde, alles beachtende philosophische Staatslenker. Die Politik moderner Staaten ist im Grunde in etwa so angelegt, durch ihre abgeordneten Demokratievollzieher, als Gegenpol bzw. Mitspieler im Kräftespiel zu wirken.
Mittlerweile hat sie ihre Aufgabe aber aus den Augen verloren und pendelt (nur noch) zwischen Volksbegehren und Lobbyarbeit. In Europa überwiegt im grossen und ganzen die Lobbyarbeit, in Amerika ist es noch eher das Volk, das Politik durch viel direktere Zugänge ausgestaltet.

Politiker haben eine wahre Größe, wie sie jeder andere Mensch auch hat. Sie sind mit ihrem autorisiertem Status nur wichtiger, da sie weitreichender entscheiden. Wer auf einem Gebiet gepunktet hat, kann jedoch auf anderen Gebieten schnell zum Tölpel werde. Nach ein, zwei Ausflügen in fremde Gefilde ist es mit der wahren Größe schnell vorbei.

Aber Politiker sind nicht die einzigen, die plötzlich Quatsch machen. Schaue man sich Eva Hermann an. Ausgestattet mit der Möglichkeit unglaublich viele Menschen zu erreichen, nutzt sie ihre Popularität um einen wahrhaftig unglaublichen Fehler zu beghenen, wie man ihn nicht mal im privaten Bereich von vielleicht 10 Menschen duldet. (An die These des cleveren Marketings glaube ich nicht).

Scheint alles nicht so einfach zu sein, wenn man einmal an der Macht ist. Sei sie medial, juristisch, politisch, o.ä..

Besonders schlimm ist aber, dass es zunehmends so kompliziert zu werden scheint, dass man selbst auf seinem eigenen Fachgebiet die Kontrolle verliert und alles den Bach runter geht, wie diese Siemens Untergangsgeschichte zeigt.

Fazit: Bloß nicht an höhere Mächte glauben, die es schon regeln werden. Und niemand hat von amtswegen wahrere Größe.

Schäubles verpasste Chance

Wenn man fragt, was das ganze Theater von Schäuble heute soll, steht die Antwort vielleicht in den Zeitungen von vor 3 Jahren. So stand am 24. Februar 2004 in der FAZ (link) (und man erinnert sich, dass Schäuble drauf und dran war Bundespräsident zu werden):

CSU-Vorsitzender Edmund Stoiber hat sich in der Bundespräsidenten-Debatte klar für den früheren CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble als Unionskandidaten ausgesprochen.

„Der Bundespräsident muß Deutschland auf die großen Veränderungen der kommenden Jahre vorbereiten. Und für diese Aufgabe ist Wolfgang Schäuble unter allen genannten Kandidaten der beste“, sagte Stoiber in einem Interview mit der Illustrierten „Bunte“.

(…) Die Diskussion über die Behinderung des seit einem Attentat gelähmten Schäuble verurteilte der bayerische Ministerpräsident. „Sie ist genauso unwichtig wie die Frage, ob jemand eine Glatze hat oder ob er Brillenträger ist.“

Da kann man mal sehen. Er ist nun nicht Bundespräsident - aber es sind doch diese beiden Dinge die mit ihm verknüpft sind - er will uns für die Terrorzukunft fit machen und scheint das Attentat doch nicht auf die Weise überstanden zu haben, wie er es meint.

Schon als fest stand, das es mit dem Präsidialamt nichts wird, legte er los:

Zitat vom 06. März 2004 in der FAZ (link):

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag Wolfgang Schäuble (CDU) hat nach der Entscheidung über den Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vor einer Beschädigung der politischen Institutionen in Deutschland gewarnt.

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” sagte Schäuble: “Die Debatte hat lange genug gedauert. Wir müssen auch ein bißchen daran denken, daß die wichtigen Institutionen unseres Landes nicht durch ein Übermaß an politischem Wettbewerb beschädigt werden.”

Die Laberei sollte ein Ende haben und echte Taten sollten folgen. In diesem Fall kann man als gemeiner Bürger aber heilfroh sein, dass die Politik der Debatten nie überdrüssig wird. So ein in Eile durchgewunkener Patriot-Act ist da die andere Seite der Medaille.

Eigentlich: Entweder Oder

geis_no0.jpgWenn man Norbert Geis zuhört, wie er die Tötung/Inhaftierung von ‘Gefährdern’ rechtfertigt, ohne eine Definition von Gefährdern liefern zu können - muss man feststellen, dass Aussagen wie seine unglaublich blöd sind. Das ist keine Schmähkritik, sondern eine objektive Feststellung.

Er sagt weiter:

Frage: Aber haben die Terroristen auf der anderen Seite nicht schon gewonnen, wenn sich der Rechtsstaat so deformiert?

Antwort: Das würde ich nicht sehen. Es geht, ähm es geht. Wir brauchen die Sicherheit um die Freiheit zu haben. Und wenn unsere Sicherheit angegriffen wird, wird damit im nächsten Schritt auch unsere Freiheit angegriffen. Die Sicherheit und die Freiheit sind die selbe Medaille und deswegen halte ich davon nichts zu sagen: Indem wir unsere Sicherheit versuchen noch sicherer zu machen, als wir sie haben, würden wir damit unsere Freiheit beschädigen, davon halte ich nichts.

Das der letzte Satz nur Humbug ist, liegt doch auf der Hand. Wenn Sicherheit und Freiheit tatsächlich zwei Seiten einer Medaille wären, muss man sie zwangsläufig gegeneinander aufwiegen. Jeh mehr Sicherheit desto weniger Freiheit bzw. umgekehrt.

Die Freiheit des Gefährders gehört zur Freiheit dazu. Solange man nicht sagen kann, wer ein Gefährder ist, ist jeder und niemand eine Gefahr, kann eingesperrt und getötet werden.

Terrorismus ist nicht der Strassenverkehr, in dem man Gefährder ausmachen kann indem man Geschwindigkeiten und die Ablaufdaten von TÜV Plaketten vergleicht.

Terrorismus lässt sich nicht verhindern - solange einem Freiheit wichtig bzw. gleichwichtig erscheint. Erst Sicherheit, dann Freiheit - sich das einzugestehen ist doch kein Problem. Wenn man es vernünftig begründet, versteht es vielleicht auch die erforderliche Mehrheit. Falls sie es nicht versteht, ist man demokratisch abgemeldet und kann über seine Freiheit-Sicherheit-Medaille zuhause mit seinen Liebsten philosophieren und braucht nicht alle zu veralbern.

Ich bin der Meinung, es wäre vernünftig die aktuelle Debatte einfach abzubrechen, bis tatsächlich ein Terroranschlag stattfindet.

Juncker - Held der 2. Reihe

jcj.jpgPolitik ist die Tätigkeit bei der die Strippen gezogen werden an denen beinah alles hängt. Und da sich die Strippen eher im verborgenen am besten ziehen lassen, bin ich davon ausgegangen, dass es diesen typischen, politischen Strippenzieher Charakter gar nicht mehr gibt - weil ja inzwischen alles so leidvoll schnell geworden ist. Keine geheimen Gespräche, alle drei Stunden ist alles neu usw. Man kennt die Annahmen über die heutige Zeit.

Aber einen scheint es noch zu geben. Jean Claude Juncker den luxemburgischen Regierungschef. Man kann es sich in etwa so vorstellen: Man sucht sich ein ziemlich kleines Land (um geboren zu werden), genau genommen das zweitkleinste von Europa lässt sich von den 470.000 Einwohnern zum Chef wählen und etabliert sich so in der EU. Dort agiert man dann 12 Jahre und mehr und stellt beinah alles im ‘Alleingang’ auf die Beine was Europa ausmacht, während die anderen Herrscher kommen und gehen. Etwas überspitzt ausgedrückt - aber Juncker ist vielleicht der einzige echte Europapraktiker unter den Politikern.

Wenn er doch nur den Rückhalt eines großen, mächtigeren Landes hätte - einen Streit wie den mit den Polen hätte es nie gegeben. Merkel hat es zwar anscheinend tatsächlich gut gelöst - einfach die Worte im Text verschoben, so dass es schöner aussieht aber auch beinah nichts anderes bedeutet - aber Juncker hätte man doch niemals getraut solche Vorwürfe zu machen, wie sie aus Polen gegen Deutschland kamen. Juncker hätte das alles im Vorfeld deeskaliert und im Griff gehabt. Glaub ich. Wer ihn, wenn auch nur zur Profilierung, anpöpelt müsste doch ein echtes schlechtes Gewissen bekommen.

Wer spricht denn da?

heute JournalLetzte Woche fiel mir auf, dass mein Fussweg zur Uni genauso lang ist wie das heute Journal im ZDF. Blöd, könnte man annehmen, dass das eine am Abend stattfindet und das andere am Morgen. Aber das sind Gedanken aus einer vergangenen Welt - ich wusste schon beim ersten drüber Nachdenken, dass es das heute Journal auch als Podcast gibt - und hatte dann heute mal danach gesucht.

Es ist löblich, dass die Leute beim Fernsehen so freundlich sind den Ton vom Bild zu trennen, so kann man’s nebenher hören. Im übrigen ganz ohne das einem auffällt das das Bild fehlt.

Nur eines ist mir aufgefallen. Wenn Politiker sprechen - und es kommt sehr häufig vor, dass mehr als 2 Meinungen pro Partei in einem 90 Sekunden Bericht als O-Ton eingebunden sind, dann muss man selbst raten wer spricht, denn es wird ja nur ins Bild eingeblendet.

Da erkennt man erstmal welche Prozeduren dahinter stecken wenn Partein agieren. Die CDU z.b. reagierte gestern auf den SPD-Beck Vorwurf sie seie neoliberal.

Zuerst CDU-Kauder: Der Frust muss bei der SPD gross sein - wir haben alles gemeinsam vereinbart - solche verquollenen Sätze versteht sowieso niemand

Dann CDU-Bosbach: Ich fürchte die SPD will regieren, opponieren und sich dadurch auch noch profilieren

Dann SPD-Nahles: Da blockiert die Union - wir wollen soziale Reformen

Und SPD-Heil: Wir wollen den Erfolg der grossen Koalition - wir arbeiten mit dem Koalitionspartner - Nervenstärke ist gefragt damit wir für das Land was erreichen können

Dieser ganze Stress in Berlin O-Töne einzufangen ist komplett unsinnig. Wenn das Bild erst einmal fehlt merkt man wie überflüssig die O-Töne sind. Die Moderation befindet sich da auf einer ganz anderen Ebene. Das Spiel der Politiker ist natürlich längst durchschaut.

Die Anmoderation des Beitrages gestern (in etwa): Beck hat sorgen - die CDU glänzt durch Taten, im Osten holt die Linke auf, die eigenen Umfragen sind im Keller - Beck reagiert mit Vorwurfshandlung um sich wieder ins Spiel zu bringen.

Da braucht man doch keine Statements der Politiker mehr. Es sei denn man möchte sie noch direkt entblößen.

Diese ganze Masse an Statements sind nur dazu da Bilder zu liefern. Inhaltlich ist da aber bereits alles gelaufen.

Na was fasel ich - weiß doch jeder.

Personelle Überraschung

Als zu meinem Geburtstag vor 2 Jahren Ratzinger zum neuen Papst gewählt wurde war ich leicht bestürzt - denn über ihn wusste ich fast nichts ausser das er ein wirklich schlechtes Image hatte. Er war alt, konservativ und wirkte in allem was ich von ihm wusste weltfern und unbelehrbar.

Doch nun zwei jahre später bin ich vielleicht sein größter heidnischer Fan. Er wirkt auf mich beinah wie ein noch lebender Niklas Luhmann.

Bei Sarkozy war es ähnlich. Nachdem er gewählt wurde kannte ich von ihm nichts ausser seiner Hochdruckstrahl-Statements. Doch als er dann sein Kabinett berief und friedlich fröhlich zum Triumpfbogen zog und davon sprach die französische Nation zu einen war ich angeregt mich nun doch auch über ihn tiefer zu informieren. Bestärkt wurde ich darin noch einmal als ich las, dass er androhte den G8 Gipfel vorzeitig zu verlassen, sofern Bush sich nicht mit auf irgendwas einigt…

Aber… es war alles nur Wahlkampf. Für die Besiegelung der Macht heute… Vielleicht..?