Großartig, Verlegenheit beinah idealtypisch

Verlegenheit bestimmt die Momente, in denen wir gleichzeitig zwei Verhaltenserwartungen entsprechen müssen aber nur eine bedienen können, wodurch die andere automatisch enttäuscht wird. Ein kleines, alltägliches Kurzzeitdilemma.

Ein Beispiel dafür: Republikanische Parteitagsgänger werden gefragt, wie die Schwangerschaft von Sarah Palins Tochter “family issue” sein kann, die Partei aber gleichzeitig bemüht ist, diese privaten Entscheidung, sei es Homoehe, Abtreibung oder (unehelicher) Nachwuchs von Minderjährigen politisch zu regeln. Das passt ja offensichtlich nicht zusammen.

Hier ein paar sehr verlegene Republikaner und ihr Problem mit dem Wort “Choice” in der Daily Show. (ab 15 Min. ungefähr)

Update: kommt doch schon ein paar Minuten eher - 11 oder so. Muss man mal ausprobieren - die Werbung macht es ein bisschen schwer.

Olympia öff’rechtl. Berichterstattung

Olympia ist für mich immer ein Riesenspaß. Ich begeistere mich für Sportarten die ich sonst nie sehe und auch jetzt nicht verstehe und genieße meine Ferienlangeweile mit 15h täglicher Dauerbeschallung.

Diese Vorzüge des Olympiaaugusts lassen sich jedoch nur voll auskosten, wenn ich die Berichterstattung von ARD und ZDF so häufig wie möglich meide. Allenfalls die ZDF Berichterstattung auf deren Doku- und Infokanal trägt von öffentlich-rechtlicher Seite noch zu meiner Olympiaheiterkeit bei.

Eigentlich ist das Fass der Unerträglichkeit bzgl. öff’rechtl. Sportberichterstattung schon längst übergelaufen, doch vorhin schlug der größte Tropfen maßloser Frechheit in die Pfütze rund ums Fass. J.B. Kerner hatte Michael Johnson zu Gast und fragte ihn allen Ernstes, wie es sein kann, dass gerade der schnellste Läufer (er) einer 4 x 400 m Staffel nicht gedopt haben kann, wo doch die anderen drei gedopt haben. Die nächste Frage ging in ähnliche Richtung. Er frage, wie Johnson es bewerte, dass irgendein in Doping involvierter Artz oder Trainer (ich hab’s vergessen, so wichtig ist es auch nicht) sinngemäß meinte “unter 45 sek. kann man 400 m nicht ohne Doping laufen”.

Michael Johnson empfand diese Fragen als “stupid” und sagte das Kerner auch, woraufhin er journalistisch-methodisch angestachelt natürlich an dem Thema dran blieb.

Johnson hatte meiner Meinung nach völlig Recht, als er meinte, wer solche Aussagen wie die des Arzt/Trainers treffe aber selbst nicht zur Riege der Läufer gehört, sondern ein medizinischer oder journalistischer Fremdbeobachter ist, sei nicht ganz bei Sinnen. Tatsächlich, woher sollte man wissen was möglich ist und was nicht, bevor es passiert?

Und wessen Aufgabe ist es überhaupt, Doping nachzuweisen. Eine journalistische kann es nicht sein. Journalisten können Dopingnetzwerke, Geldströme oder Drogenlabore ausfindig machen und medial darstellen. Den einzelnen Sportler sollten sie jedoch in Frieden lassen, vor allem wenn sie nichts weiter in der Hand haben als Vermutungen und Unterstellungen. Ganz besonders dann, wenn sie nicht stichhaltig sind, sondern auf abenteuerlichen Privatlogiken beruhen.

Kerners Anmache gegenüber Johnson ist vor allem dadurch schlimm, dass sie in einem quasi Im-Auftrag-des-Deutschen-Volkes Modus daherkommt. Wenn ich könnte, würde ich mich bei Michael Johnson und allen anderen ZDF/ARD Opfern persönlich für meine GEZ-Beihilfe für dieses Affentheater entschuldigen.

Zurück zu meiner schlechten Meinung zur öff’rechtl. Berichterstattung die vor allem durch die schlechte Laune die dort auf beiden Kanälen herrscht bestimmt wird. Der Kerner-Johnson Fall lässt sich in diesem Rahmen ganz gut einbetten. Denn im Grunde läuft es ungefähr so: Wenn deutsche Sportler (für die öff’rechtl. Medien ist es vor allem ein Mannschaftswettkampf der Nationen statt Sportlerwettstreit) schlechte Leistungen bringen, dominiert die “Ratlosigkeit”, das beständige Wiederholen und eine eigene Olympiade der negativen Superlative das Programm. Wenn erfolgreiche Sportler kommen, drängt man sie zu einem Dopinggeständnis. Über das Verhältnis beider Extreme ist man sich jedoch nicht so ganz im klaren. Sowohl die Bewertung von Doping als auch die Bewertung “negativer” sportlichen Leistungen läuft dabei völlig aus dem Ruder.

Nach der Meinung von ARD und ZDF, könnte man mit Doping zum Frühstück am Nachmittag den Marathon in 2 Stunden laufen und ein 17er Platz in einer beliebigen Schwimmweltrangliste ist quasi mittelalterlich-provinziell. Und mehr Themen gibt’s eigentlich bei ARD/ZDF auch nicht…

Was mich noch alles nervt:

  1. Das ständige Anlabern der Athleten im Ausnahmezustand kurz hinterm Ziel. Klar lassen sich medial untherapierte Schwimmer dann zu negativen Statements bzgl. des eigenen Verbandes hinreisen. Damit ist jedoch allen tatsächlich beteiligten, vor allem dem Schwimmer, nur geschadet.
  2. Das ständige zappen zwischen den “Highlights” der Entscheidungen. Anstatt komplette Wettkämpfe zu zeigen, wie es bspw. Eurosport ganz wunderbar praktiziert, bekommt man alles in Häppchen. Einzelne Tischtennis- und Beachvolleyballsätze, eine Runde Fechten, 10 min Boxen, Schießen wird ignoriert, usw. Fussballhalbzeiten stellen bislang das Maximum an Konstanz dar.
  3. Die viele Moderation, teuer und zeitraubend, ist unterschwellig nervig. Sie kommt in einem schönen Kostüm daher, tolle Studios, tolle Locations, aber irgendwie nutzt ARD/ZDF diese Gelegenheit immer, um aus den Olympischen Spielen in Peking, den “Weltkriegsersatzevent” in China zu machen. Bei Eurosport fiebert man mit allen Athleten mit. Die Kommentatoren haben Lieblingssportler aus versch. Ländern, auf die sie sich freuen und von denen sie erzählen - aber bei ARD/ZDF dominiert einfach die Nationalität. In vielen Sportstätten sind extra deutsche Kameras installiert, damit bloß nicht das ausgewogene Bild der Veranstalter übernommen werden muss.

Mich nervt das alles total. Und es ist teuer.

Mitmach- und Meinungsfernsehen

Manchmal wünschte ich mir im Fernsehen einfach mitmachen zu können. Gestern gab es eine interessante Runde bei Maischberger, auf die im Vorfeld das ganze deutsche Internet hingewiesen hat. Bodo Schäfer, Heiner Geißler und Sascha Lobo (+ noch zwei weiter) redeten über Rente.

Lobo und Geißler sind, wenn auch mit unterschiedlichen Perspektiven, Realisten, die sicher keine Schwierigkeit gehabt hätten auf einen Nenner zu kommen. Gegensätzlich dazu stand Bodo Schäfer mit seiner Privatisierungs- und Selbstverantwortungsmeinung, die er, und das war das eigentliche Problem der Sendung, viel zu professionell anbringen konnte. Es ist nicht schwer, das aktuelle Rentensystem zu kritisieren und Leute wie Bodo Schäfer sind einfach zu professionell, als das sie vor solch einer Sendung nicht tagelange Vorbereitung betreiben würden um dann während solcher Sendungen “Erstens, Zweitens, Drittens”-Listen runterzubeten und “meinen Berechnungen zu Folge” zu sagen.

Sein Konzept, “Geld für sich arbeiten zu lassen”, ist als Perspektive für 82 Mio. Menschen so primitiv, das man es ihm mit Links hätte um die Ohren hauen können. Man hätte ihn draufhinweisen können, dass die DAX Bewegung des letzten Jahrzehnts horizontal verlief, dass Banken mit Geld nicht umgehen können, vor allem nicht, wenn es “Arbeiten soll”, dass gerade die organisierten Pensionsfonds erheblich zu der aktuellen Bankenkriese beitrugen, …

Das hier war sicherlich ein Witz, schließlich hat Lobo (wie auch Schäfer) ein Buch geschrieben, das nicht allzuweit vom Thema entfernt ist, dennoch wurde mir zu wenig die andere Meinung kleingeredet. Lobos Hinweis, dass man mit einer 14.000 Euro Uhr keine Aussagen über Menschen mit 1000 Euro Monatseinkommen treffen darf, war richtig und gut platziert - aber eben auch ein (auf die Sendung bezogen) unsachlicher Kommentar, der die Meinungsfronten wahrscheinlich eher verhärtete.

Auch Geißler hat weniger auf sachlicher Ebene gegen Schäfer angebracht, sondern sich lieber in “Lassen sie mich doch mal ausreden”, “Jetzt bin ich aber dran” - Spielereien von Schäfer verwickeln lassen.

Es braucht eindeutig mehr Aufmischpotential auf sachlicher Ebene. Ohne das ich diese Forderung als Vorwurf den Beteiligten der gestrigen Sendung hinstellen möchte, wünschte ich mir, im TV würden mal wieder echte Meinungen aufeinanderprallen. Anstatt die eigene Meinung zu vertreten, sollte man erstmal die anderen Meinungen kennen und kritisieren können. Die Frage nach der eigenen Meinung wird dann noch früh genug gestellt.

Zwei tolle Reportagen

Ich habe Freitag durch Zufall zwei ganz außergewöhnliche Reportagen im Fernsehen gesehen. Bei so was handelt es sich ja immer um ein bisschen Glück, ich habs geschafft bei beiden nur wenig vom Anfang zu verpassen. Die erste handelte von Chris und Timbo - Mensch und Elefant, die eine Beziehung führen, wie es Elefanten und Menschen für gewöhnlich mit ihresgleichen tun. In der zweiten Reportage ging es um den Lehrer Rafe Esquith und seine Schulklasse.

In beiden Reportagen geht es um die Lebensverläufe von Amerikanern, die ständig dem Milieu amerikanischer Vorstädte ausgeliefert sind. Im ersten Fall von Chris, dem Elefantenmann, spielt das als graue Vorzeiterinnerung eine Rolle im zweiten Fall unternimmt der Lehrer Rafe Esquith menschenunmögliches um die Migrantenkinder seiner Los Angeles Vorstadtgrundschule vor Biographien wie der vom jungen Chris zu bewahren.

Jetzt zwei Tage später denke ich immernoch (nicht nur weil ich hier darüber schreibe) über beide Herren nach. Im Grunde führen sie das Leben, wie es gepredigt wird. Geld ist für sie nur Mittel zum Zweck, neben anderen. Das Ego erstreckt sich über die nächsten Menschen und sie kennen Gewalt nur (noch) als fremdartiges , unerklärliches und kurzsichtiges Verhalten. Sie leben nicht in einer globalisierten, unfassbaren Welt sondern verwirklichen sich in ihrem Umfeld, das direkt auf sie zurückwirkt. Man kann die Besonderheiten der beiden gar nicht in Worte fassen, erst recht nicht in so wenige…

Kann ich also empfehlen. Die erste Reportage entspannt und die zweite begeistert. (Is aber leider Fernsehen, kann man also nicht verlinken und überhaupt - obwohl die zweite Reportage auf Arte lief ist sie nicht im Arte+7 Fundus.)

(Bild frech vom NDR geklaut)

Wortreich intellektuell

Ich bin auch intellektuell!Fernsehen zu gucken wird ja zunehmend schwieriger, dennoch steht es, zumindest bei mir, immer noch weit oben auf der Liste wenn es gilt sich kurzzeitig oder auch mal länger selbstgewählt der Welt auszuliefern. Falls es nicht passt, wird eben um- oder abgeschaltet - es ist & bleibt ja alles relativ (oder soziologisch und damit in dem Falle korrekter: kontingent).

In meiner heutigen Verdauungsstunde errangen Gregor Gysi und Friedrich Merz meine Aufmerksamkeit, beide sassen gemeinsam auf einem Podium und flankierten den mir bis heute unbekannten Manfred Lütz, der sein Buch: Gott, eine kleine Geschichte des Größten vorstellte. Es scheint ja so üblich zu sein, dass man sich bei prominenten Buchveröffentlichungen Vertreter aus absichtlich unterschiedlichen Lagern holt, damit diese ein bisschen laudieren. Vielleicht macht man es, damit, wenn auch nicht im Stil einer Debatte, zumindest augenscheinlich auf Kontroversen hingewiesen werden, was ja letztendlich interessant ist und anregt, vor allem, wenn zwei so gestandene Politiker diese Funktion übernehmen.

Bevor es aber dazu kam Gysi und Merz zum Thema Gott zu hören, hatte das Wort der Autor. Er legte sogleich los und schon einer der ersten Sätze stimmte mich nachdenklich. Mitgeschrieben habe ich nicht, daher berufe ich mich mal auf andere Quellen:

Der Theologe, Psychotherapeut und Arzt Manfred Lütz geht in seinem Werk der Frage nach der Existenz Gottes nach. Diese Frage interessiere “entweder alle – oder keinen”, so Lütz.

Entweder alle oder keinen? Er schrieb ein ganzes Buch zum Thema und dann ist das eine seiner Thesen..? Es gibt ja Funktionssysteme, ohne die kommt das Individuum der modernen Gesellschaft nicht aus. Dazu zählen u.a. Wirtschaft, Gesundheit, Politik - ohne, wenn auch nur passive und abschätzige Beteiligung, ist man aufgeschmissen. Nicht zu diesem Notwendigkeitsreigen gehören jedoch z.B. Sport und Religion. Ob der Nachbar ins Fitnessstudio oder in die Kirche geht, ist doch egal, oder nicht? Jesus-Bibel, Fitness-Bibel ist aus dieser Perspektive doch das gleiche. “Alle oder keiner” ist unpassend blöd.

Seine nächste These, die später von Gysi aufgegriffen wurde, war: “Atheisten haben einfach nur einen anderen Gott.” Dem Transzendentalen sollen sie sich seiner Meinung nach anscheinend nicht verschliessen können. Vielleicht meinte er mit atheistisch unchristlich, wer weiss… Egal, was soll diese These? Sich unbeantwortete Fragen zu stellen, deren (mögliche) Antworten man nicht nachrechnen kann, die damit also immer beobachterabhängig bleiben, ist bereits religiöses Tun..? Naja, vielleicht war es anders gemeint.

So richtig durchblicken konnte ich nämlich nicht. Lütz schleuderte nur so mit psychologischer und philosophischer Semantik um sich, bei der man gleich merkte: Wenn Kant, Nitzsche oder sonst einer der lange Toten Denker zu behandeln waren erstarrte er vor Ehrfurcht und Respekt, denn er auch ständig bekundete, so dass ihm das Hinterfragen nicht möglich war. Nunja, er meinte, (und ich beziehe das jetzt direkt auf das rein-rezitative Geschwurfel) er habe das Buch im Urlaub geschrieben, hatte nur seinen Kopf und keine Literatur dabei (was so alles möglich ist unter dem Label der Wissenschaft…), da fällt das Stellen von Fragen natürlich schwer, wenn man Gedanken vom Kaliber der deutschen Philosophie ernsthaft diskutieren möchte, sie aber nur als Erinnerung im Kopf hat.

Ich war, um hier ein Fazit zu ziehen, angewiedert, hätte beinah jedem Satz widersprochen und fand es beinah erlösend als Gysi seine Einschätzung vortrug. Merz ist vorher eher, die intellektuelle Herausvorderung ergreifend, auf Lützers performatives- und inhatliches Niveau eingestiegen.

Da mir “Entweder alle - oder niemand” immer noch übel im Magen liegt hier noch ein Zitat (mit Hervorhebung von mir) eines wirklich klugen und tief im Internet versteckten Schreibers:

Wir sollten ein für alle mal Schluß machen mit organisierten und theologisierten Religionen. Wir wissen ja, daß unser Wissen immer nur Teilwissen ist und bleiben wird. Deshalb brauchen wir nicht ins Transzendente Nichtwissenkönnen auszuweichen. Soll jeder, wenn es um die Unendlichkeiten, die denkbar aber nicht zu veranschaulichen sind, glauben, was er will. Über Glauben zu reden, sollte heiliges Tabu werden, weil Reden hier nur Streit oder Unsinn an den Tag bringt. Wir sollten uns ruhig und gelassen auf das besinnen, was wir wirklich können und verantworten können, endlich akzeptieren, daß wir hier auf unserem Planeten alleine sind, niemand kann uns helfen, auch kein Gott und keine Götter, wenn wir es nicht selber tun. Wir sollten unsere Schularbeiten machen und das Leben hier vernünftig und für alle erträglich organisieren. Was dem im Wege steht, sollten wir abschaffen und, zur künftigen Abschreckung, in die Museen verbannen. Unsere Ressourcen hierfür sind durchaus ausreichend. Packen wir es an.

Abschliessend hier aber noch ein kleines Video des Verlages. Meine Vorwurfsgrundlage schimmert ein bisschen durch.

Unerträglicher Pocher

“Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Jugend - ein (noch) seltenes Paar” auf Phoenix - ist Grad mein Nachmittagsprogramm…

Pocher ist so ein Quatschkopf. Jedesmal wenn er dazwischenquatscht lacht sich das öffentlich-rechtliche Vor-Ort-Publikum schlapp. Anscheinend hören sie nicht richtig zu oder sie begrüßen einfach jegliche Gelegenheit nicht über das eigentliche Thema reden zu müssen…

Jetzt hat sich grad CCC Constanze Kurz zu Wort gemeldet und alle mit der Info überrascht, dass die Jugend einfach keinen Fernsehen mehr schaut, dennoch das Medienangebot nutzt. Die Moderatorin hörte sowas gerade zum ersten mal und ist 10 Min. später immernoch überrascht.

Dieter Bohlen und Denny Crane

Denny CraneDieter Bohlen ist hinglänglich bekannt. Vorweg noch ein paar Worte zu Denny Crane, dem Spaßmacher aus Boston, der schon mal ein eigenes Raumschiff hatte.

Er ist ein in die Jahre gekommener Anwalt in Boston bei “Crane, Pool & Schmidt“, der liebenswerten und erfolgreichen Anwaltskanzlei, die’s jede Woche bei Vox zu sehen gibt. (Zur Zeit grade Staffelpause) Denny Crane, der Legendäre, der nie einen Fall verloren hat, ist inzwischen alt und hat BSE, glaubt er. Und er passt sein Verhalten dementsprechend an. Langfristige Planung und Affektkontrolle ist für ihn Vergangenheit. Er lebt alles im Hier und Jetzt aus, was dazu führt, dass er schonmal ohne Hosen durchs Gericht rennt, wenn ihm die Richterin gefällt oder im Büro scharf auf Enten schiesst. Demokratische Positionen versteht er schon lange nicht mehr. Er ist Republikaner durch und durch.

Nun geschah es, dass Denny Crane zu einem farbigen Jobbewerber sagte: “Schön, sie klingen gar nicht wie ein Schwarzer!” Was natürlich bei allen Beteiligten, ausser ihm, für Bestürzung sorgte und schnell die mediale Runde machte. Um diese rassistische Äußerung wieder grade zu biegen, gab Shirley Schmidt (für ihn einzige Respektsperson und Freundin, ebenfalls Kanzleiseniorpartner und Juristenlegende) eine Pressekonferenz und meinte sinngemäß: Diese Äusserung ist nicht der Rassismus von Denny Crane sondern der der Gesellschaft. Als Anwaltskanzlei muss man den gesellschaftlichen Strömungen Rechnung tragen und sie eben explizieren.

Und genau das kann man auch über Dieter Bohlen sagen, wenn er die Jugen bei DSDS abwatscht. Das es seine Meinung ist, ist nicht das Problem. Sondern eher, dass es anschlußfähig ist. Zumindest im Prinzip. Denn eigentlich ist nicht mal das das eigentliche Problem, zumindest nicht meiner Meinung nach. Das er manchmal über die Stränge schlägt kommt eben vor, das wird unter der Varianz verbucht (deren Ereignisbereich besonders gern medial ausgeschlachtet wird).

Das Dieter Bohlen den Unverbesserlichen und Arroganten (manchmal auch Hilflosen - zugegeben) die Meinung sagt, ist doch eigentlich gar kein Problem. Nur weil es stattfindet, Aufmerksamkeit erregt und dadurch leicht handhabbar ist, wird es offen kritisiert. An eigentlichen Problemen, geht diese Art des vermeintlichen Jugendschutzes doch weit vorbei. Alles nur Geheuchel von Gutmenschen und Weltverbesserern. (Dieser Link nur mal exemplarisch als erster bei Google: Dieter Bohlen Kritik)

Bei Dieter Bohlen weiß man, er sagt das was er sagen will. Bei seinen Kritikern spielen jedoch oft die manipulativen, lobbyverzehrten und um Anhängerschaft heischenden Meinungsbildungsprozesse eine Rolle. Vor allem wenn die Aussagen aus kirchlicher und politischer Richtung kommen.

Eine einfache Rechnung

Für das persönliche Studium generale hält das ZDF seit Jahren ihr Nachtstudio parat - darin wird beinah alles thematisiert. Statt eines thematischen Pols gibt es dort Volker Panzer, der seine Gäste immer mit Bedacht wählt und so immer unterhaltsame Gespräche bereit hält, egal um was es geht.

Gestern sah ich eine wirklich unterhaltsame Runde. Volker Panzer redete mit: Harald Lesch, der mit seiner Pfeife bestückt, gewohnt geruhsam erzählte, Hans-Arthur Marsiske, der beinah noch geruhsamer über seine Ideen sprach, die er mit soziologischem Hintergrund journalistisch in Büchern verwirklicht und Andreas Eschbach, der als Sci-Fi-Autor auch etliches beizutragen hatte; zum Thema:

Die zweite Erde - Gibt es doch Leben im All?

Nun weiß ich, es gibt inzwischen Astrobiologie und wir haben Planeten gefunden, die selbst Wissenschaftler als “Erde II” bezeichnen - wir können also demnächst aufbrechen.

Was das Gespräch vor allem zeigte war, dass man kaum geerdete Gedanken-Maßstäbe in dieses Themengebiet übertragen kann. Alles ist zu weit weg, verhält sich viel zu anders und außerdem dauert alles viel länger.

Andersherum, kann man vom Nachdenken über das Weltall irdische Gedanken ganz neu erden. Eine der denkwürdigsten Beiträge kam von Hans-Arthur Marsiske (in etwa):

Wenn wir uns überlegen, was wir alles bräuchten und bewerkstelligen müssten, um auf dem Mars leben zu wollen - dann erkennen wir rückwirkend erstmal, was uns die Erde alles einfach so schenkt.

Ja - das stimmt wohl. Und die Idee lässt sich sogar, im Sinne aller BWLer und sonstiger Wirtschaftsrechner exakt nachrechnen.

WM im Fernsehen

Delling & NetzerSooo - nachdem die WM jetzt schon länger als eine Woche läuft und man keine Probleme mit der Devise: Alle Spiele, alle Tore hatte, kann man ja mal differenzieren welcher Sender es nun am besten kann…

Mein Platz 1 - Die ARD mit Gerhard Delling und Günter Netzer. Die sind echt lustig, haben extrem viel Ahnung und können vor allem nicht nur einzelne Spiele besprechen sondern auch einen ganzen WM Tag füllen ohne das Langeweile aufkommt. Dazu sitzt die Neuigkeiten suchende Monika Lierhaus in nem echt schicken Panoramastudio in Berlin.

Mein Platz 2 - Das ZDF. Obwohl ich Johannes B. Kerner und seine Weichspühlerart so an sich garnicht mag - ist es doch recht unterhaltsam wenn das ZDF den WM Tag präsentiert. Der Hit ist die ZDFarena im Sony Center das sich ja schon oft bewehrt hat - aber noch nie so prächtig ausgestattet wurde wie zu dieser WM. Das zu sehen ist wirklich nicht schlecht. Und Jürgen Klopp und Urs Meier sind unterhaltsame Experten - nebendem das immer mal Franz Beckenbauer selbst oder Pele da mit auftauchen.

Mein Platz 3 - RTL. Hm, also irgendwie steig ich nich so richtig ein wenn RTL an den Sonntagen dran ist. Is zwar ganz cool das sie schon 11 Uhr beginnen - aber irgendwie ist es eher Fernsehgarten ohne passendes Feeling. Und neben Günter Jauch ist da auch kaum einer der 13h Sendung füllt. Oliver Geissen ist dann doch eher son Talk Show Mann für Angelegenheiten der Ahnungslosen - eine Spielauswertung mit nem waschechten Fussballbrasilianer liegt ihm überhaupt nicht. Und was bei RTL noch nicht stimmt ist die Spielkommentierung. Die hat heut Florian König gemacht und irgendwie passte das auch nicht, da man ihn ja sonst nur von der Formel 1 kennt die mich überhaupt nicht interessiert. Da gabs doch mal Marcel Reif..?

Aber die WM im deutschen TV ist alles in allem schon sehr in Ordnung!

Kerner - immer dieser Medienmißbrauch

Anlässlich der von mir in meinem letzten Beitrag erwähnten Reportage über die Savant-Phänomene hat sich J.B. Kerner Kim Peek, Rüdiger Gramm und als wissenschaftliche Ergänzung Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth - eben die Menschen die auch in dem Film eine Rolle spielten - in seine Sendung eingeladen…
Aber nein - man erfährt nichts, nichts, nichts - wo sich der Herr doch sonst so gern über die gähnenden Biographien unterhällt - das einzige was stattfand war die Demonstration der Fähigkeiten der Savants die man nun auch in der Reportage schon sah… Der Vater von K. Peek durfte gleich mal garnichts sagen. Dafür hatten die RTL Superstartypen doppelt so viel Gesprächszeit bekommen.
Es ist ja eigentlich immer ne Frechheit das man für sein Geld nichts bekommt. Aber das er diese Frechheit auch noch auf die Art übertreibt und eine gute Möglichkeit wirklich mal was zu erfahren so vernachlässigt, ist dann doch ein bissl viel um es ungesagt in der Welt stehen zu lassen.

Gert würde gern…

Also eigentlich schau ich die 3sat Kulturzeit recht gern - denn sie kommt entweder günsitg am abend oder nochmal spät in der Nacht… Und eigentlich find ich sie mittlerweile cool genug um mich auch mal drauf zu freuen bzw. gezielt hinzuzappen. Manchmal zappe ich aber gleich genauso gezielt weiter… Denn es kommt darauf an wer moderiert. So ganz hab ich den Modus noch nicht durchschaut aber manchmal moderiert ein Österreicher, mal eine Schweizerin und mal ein Deutscher - namens Gert Scobel - und dieser ist unerträglich. Denn er ist so ein alberner Möchtegern-Intellekutelle, wie man sie zwar selten sieht aber von denen einer schon zu viel ist.
Nuju - jedenfalls hab ich eben grad wieder Kulturzeit geschaut, diesmal moderiert von Ernst A. Grandits (zu meiner Erheiterung). Doch plötzlich schneit Herr Scobel ins Bild und macht einen Kommentar in Tagesthemenmanier - und das in seiner Scobeltaktik - also sinnlos komplizierte Worte gewählt, alle Sätze fleißig durchkomponiert und vor allem alles (samt Atemtechnik) auswendig gelernt - also in meinen Augen nur künstlich, nervig, überheblich. Er ist echt ein komischer Typ…

Bild: 3sat.de

BBF statt BBC

Bielefeld - eine Stadt voll Inovation und Neuerungen… hö hö - also ich bin grad durch meine TV Landschaft geschlendert und darf erleben: da wo ich bisher BBC fand wird seit heute Kanal 21 gesendet - das neue "Bielefelder Bürgerfernsehen"…
Der erste Programmpunkt ist eine richtig sinnlose Kopie des x-tra3 Alfons - der statt Antworten Fragen sammelt. Der zweite Programmpunkt ist der "Kulturbeutel" bei dem Shampoo, Seife und Creme als Kabarett, Musik und Theater etikettiert aus dem Waschbeutel fallen. Programmpunkt drei ist ne Bielefelder Fragestunde, -runde fürs Bielefelder Volk… usw.
Sieht bis jetzt ganz lustig und so fröhlich unprofessionell aus - zum Beispiel heisst die Kochsendung "Jam Jam" - da grinst der Anspruch der Provinz.