Obama, the man in the mirror

Es gibt ja (in Deutschland problematischerweise nicht) einen paradoxen Unterschied zwischen Wahlkampf und Tagespolitik, der darauf hinausläuft, das in Wahlkampfreden das gesagt wird, was das Volk verlangt, während in der Tagespolitik Kompromisse eingegangen werden und Abstriche gemacht werden müssen, so dass sich letztendlich keine Sachlage so gebärdet, wie sich das Volk das vorstellt.

Wahlkampfzeiten sind Zeiten in denen dem Volk das Wort gesprochen wird. Und neuerdings, seit der medialen Ausschlachtung von allem was sich bewegt, wird auch noch viel Wert auf das Wie des Wortes gelegt. Das Wort, an das man sich bindet, überzeugt nicht mehr von allein, sondern muss präzise aber deutungsoffen gewählt, schön verpackt und aufrichtig dargeboten werden. Heraus kommen dann Schlachtrufe wie: Yes we can, Change, we can believe in und Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.

Bei diesen Beispielen hat es gut geklappt, doch wie verpackt man es? Gibt es allgemeine Gesetze oder Vorbilder? Man erkennt hier ein Mangel an Bildung deutsche Politiker. Da sie immer erst aufwendig parteipolitisch sozialisiert werden, was ungefähr 30 Jahre dauert, hinken sie ebenso viele Jahre hinterher und haben keine Ahnung davon warum und wie sie politische Botschaften verpacken und darbieten sollen. Sie vertrauen immer noch auf die Worte allein. Es gibt dann Flugblätter, neuerdings Videos (die, auch den Politiker selbst, viel zu peinlich zum verlinken sind) und Infostände in den Einkaufspassagen.

Die amerikanischen Wahlkämpfer haben dem Volke genauer zugesehen und erkannt was es heißt eine gute Symbiose aus Form und Inhalt zu kreieren. Spannungsbögen, Symbole, große Bühnen, Publikum - sie haben alles was es braucht. Und wenn man genau hinsieht, erkennt man auch wo die Gestaltungskunst herkommt.

Und jetzt meine Vermutung: Barack Obama gründet seinen ganzen Wahlkampf, Form und Inhalt, der Vorwahlzeit auf diesen 20 Jahre alten Auftritt von Michael Jackson.