Batman - kurze persönl. Filmkritik + allg. Filmkritikkritik

Ich war die Tage, wie so viele Internetschreiber, ebenfalls im Kino und habe den neuen Batmanfilm gesehen. Viel zu schreiben gibt es kaum, es gibt ganz wunderbare Kritiken zum Film (hier, hier, hier oder hier - und zur Ergänzung hier) - da muss von mir aus nichts ergänzt werden. Ich kann meine Kritik in einem Vergleich zusammenfassen. Der Film ist bombastisch und perfekt aber eben auch kühl und zu abgeklärt kalkuliert - wie die Pekinger Olympiaeröffnungsfeier.

Soweit zum Film. Beim Lesen all der wunderbar ausführlichen und durchdachten Kritik zum Film fielen mir wieder ein paar Punkte auf, die ich oft nicht ganz nachvollziehen kann - und die unabhängig vom einzelnen Film immer wieder auftauchen.

Da ist zum einen der ewige Vergleich zwischen Film und Buch, im Batmanfall des Comics. Gerade heute, in einer Zeit in der jeder selbst künstlerisch aktiv ist und man immer darauf beharrt, dass man Werke mit eigenem Wert schafft, und sei es noch so gemashuped, wird genau dieser Anspruch auf eigenständige, künstlerische Werthaltigkeit den Kinofilmen bzw. ihren Machern abgesprochen. Ich finde ja auch, dass der Dark Knight etwas zu realistisch ist. Wenn Batman schon verreist sollte er nicht nach Hong Kong fliegen sondern nach Metropolis oder sonst wo hin, dennoch finde ich es überzogen, zu verlangen, dass wie bei “300″ einzelne Bilder des Comics nachmodeliert werden sollen. Ist es eben ein menschlicher Batman mit einem Auto, dass tatsächlich kaputt geht… In 20 Jahren kommt eine neue Batmanreihe.

Der nächste Kritikpunkt, der immer wieder auftaucht, ist der zu den deutschen Synchronfassungen. Joker, schmatzend und mit gebrochener Stimme, dass wollen immer so viele im original. Die Kritik, dass deutsche Fassungen minderwertig sind trifft, denke ich, wenn überhaupt nur in der Hälfte der Fälle zu - nämlich bei den Frauen. Bei den Männern steht bei mir aber ausser Frage, dass ich lieber Manfred Lehmann als Bruce Willis und lieber Christian Brückner statt Robert De Niro im original höre. Nicolas Cage, John Travolta, Alac Baldwin sind deutsch synchronisiert nicht zu toppen. Vielleicht hat ja mal jemand den neuen Akte-X-Film im Kino gesehen, in dem Mulder nicht von Benjamin Völz synchronisiert wird - langweilig wie das original.

Dritter und mir wichtigster Punkt bezieht sich auf das Vergessen der Musik. Filme leben in meinen Ohren zu 80% von der Musik, der Rest geht für Dialoge und Sounds drauf. Manchmal, wie bei “Batman Begins” ist sie so gut und so passend, dass sie im neuen Batman komplett wiederverwendet wird. Nicht nur einzelne Motive, wie man es in Serien kennt, sondern die komplette Komposition. Ich habe jedenfalls keine neuen Töne im neuen Batman gehört, es wurde nur alles neu zusammengeschnitten. Hans Zimmer schafft eben immer Werke die über den jeweiligen Film hinausreichen und die von den meisten Filmkennern einfach überhört werden. (Im Grunde, bezeugen sie damit Hans Zimmers Anspruch, dass gute Musik im Unbewußten verschwinden und das bewußte Dialog verfolgen, usw. unterstützen soll. Aber es schadet oft nicht doch mal bewußter hinzuhören. Spezieller Tipp: Aus Batman Begins - “Molossus” - sollte man ruhig mal ohne Film hören! Oder bewußt mit Film - es ist die Szene in der Batman die vergiftete Rachel in seinem Batmobil in seine Höhle fährt. Und zum Vergleich könnte man die Szene dann mal ohne die Musik anschauen…)

Letzter aber besonders nerviger Punkt, wenn Filme eingeschätzt werden kommt vor, wenn das Kino mit dem Hörsaal verwechselt wird. Bei Batman erwarte ich keinen Tiefgang sondern will sein Auto, sein Motorad und sein Umhang in Aktion sehen. Wenn der Joker dazwischen deutsche, klassische Philosophie bemüht ist das zwar schön, aber auch nicht zwingend erforderlich. Wenn ich den ganzen Tag wertschöpfenden, bildenden oder sonstigem Alltagskram nachgegangen bin, brauche ich abends im Kino keine Momente, mit denen ich rechtfertigen kann, dass ich auch jetzt was für meine Bildung, die Menschlichkeit und die Moral getan habe. So lässt sich “24″ und Michael Bay geniesen und bei Batman sollte es ebenfalls so sein. Das uns der Regisseur moralisch bevormunden will und ab und zu zu offensichtlich Gutmenscherei verbaut, sollte man einfach ignorieren. Tötet und foltert Batman eben nicht. Pustekuchen.
Weshalb allerdings diese Echolot-Mobilephone-Technik als so böse und ethisch fragwürdig im Film platziert wurde habe ich nicht verstanden. Es ist schließlich natürliche “Bat-tech”, die sich Batman eben nachgebaut hat, er ist ja schliesslich nur eine Möchtegernfledermaus mit Ohren, die bisher funktionslos an ihm herumschlapperten.

Und zu guter Letzt. Batman bekommt von mir 4 von 5 Sternchen. Den einen Abzug kassiert er durch zu viel Autorenkalkül. Vielleicht sollte sich Michael Bay mal der Sache annehmen. Dann können die Autoren und Tricktechniker die Bilder komponieren wie jetzt auch, trotzdem schmeisst Michael Bay in den entscheidenden Momenten dann seine Autos einfach auf die Strasse und hofft, dass die ein oder andere Kamera ein gutes Bild eingefangen hat - das wäre die richtige Mischung.

Wahre Helden sterben nicht

BatmanSie leben immer weiter. Nach dem letzten Superman vom vergangen Jahr, denn ich erst vor Tagen gesehen hatte und als ganz gelungen empfand - kommt nun (bald) auch Batman wieder. Er hat zwar nun keine lange Pause hinter sich aber ich dachte irgendwie Batman gehen die Schauspieler aus.

Anscheinend bedarf es nur einen echtem Fan (Christopher Nolan, der Regisseur) um Batman am Leben zu erhalten. 2008 gibt es Batman nun als “schwarzen Ritter” - wobei “Batman” gar nicht mehr im Filmtitel steht. Vielleicht gab es keinen Titelzusatz mehr, er hat ja alles schon gemacht. Er hielt die Welt in Atem, begann, kam zurück, war zu zweit - er tat nicht nur alles, sondern auch alles für immer - so ist er diesmal einfach ein Dark Knight.

Bei seiner Rückkehr 2008 gibt’s wieder einen Joker. Und im übrigen, alle wieder dabei: Heathe Ledger, Michael Caine, Gary Oldman, Morgan Freeman und Hans Zimmer mit James Newton Howard im musikalischem Doppelpack. (Sofern diese Angaben 15 Monate vor Start des Filmes stimmen).

Aber da es noch so lange hin ist, freu ich mich erst mal auf Transformers. Michael Bay, Spielberg und Steve Jablonsky für die Musik. Es kommt immer auf die Mischung an. Sonst warte ich ja immer gerne auf die Würze von Jerry Bruckheimer, aber wie es aussieht lohnt es sich nicht dies im Kino zu tun. Dafür kommt er fünf mal die Woche im Fernsehen.