Beck ist sowas von wie Mixa

Da kommt ein Kardinal namens Mixa und meint ungefähr: Was Kinder sollen in den Kindergarten? Aber dann sind doch die Frauen nur noch Gebärmaschinen ohne weiteren Auftrag.

Daraufhin kommentiert das Kurt Beck so vor seiner Partei:

„Eine einsame Frau habe sich als Gesellschaft einen Kater gekauft, der aber jeden Abend unterwegs gewesen sei und sie alleine gelassen hätte. Auf Rat einer Freundin habe sie ihn daraufhin kastrieren lassen. Als sie später der Freundin klagte, der Kater sei weiterhin jeden Abend unterwegs, habe diese ungläubig gefragt: ,Wieso denn, der kann doch gar nicht mehr?’ Darauf habe die Frau gesagt: ,Das nicht, aber er berät jetzt.’ Beck erntete lautes Gelächter und großen Applaus der mehreren hundert Zuhörer.

Schon ein bisschen witzig, aber soll er wirklich Bundeskanzler werden? Wer weiss, vielleicht hatte er mal einen Kater der Mixa hiess und konnte sich der Assoziation nicht widersetzen. Aber eigentlich klingt der Witz auch eher wie einer gegen Berater, aber da traut er sich bestimmt nicht den Witz in der Öffentlichkeit zu machen.

Begriffsgeschichte

rassismus - klassismusDie Türken. Echte kenne ich nicht, nur die Deutschtürken, Türken in Deutschland, Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund oder wie auch immer. Wenn man sie (ich beschränke mich auf unter 30 jährige, männliche) auf der Strasse sieht, liegt einem die Frage wirklich fern, warum sie einen Paragraphen in ihre Gesetze aufgenommen haben, der die “Beleidigung des Türkentums” unter Strafe stellt.

Auf der individuellen Ebene ist es ja akzeptabel, dass jeder, der möchte, seinen auf coolness basierenden Begriff von Ehre als Frisur trägt und sich nicht weiter fragt was die Welt darüber denkt. Das sich aber ein Land darauf einigt, es in ein allgemeines und nicht nur symbolisches Gesetzt zu giessen, ist wirklich nicht zeitgemäs.

Die internationale Empörung war selbstverständlich (und ist es heute erst recht) und nach den jüngsten Vorfällen kam auch innerhalb der Türkei zunehmend Protest auf. Auf der Strasse und unter den Intellektuellen, zu denen ja auch der aktuelle Literatur Nobelpreisträger gehört.

Aber solange sich nichts ändert, gehört es weiterhin zu den Verboten, den Völkermord an den Armeniern im damaligen Osmanische Reich (heute Türkei) zu erwähnen.

Grund genug für das Time Magazin mal wieder einen (zumindest medialen) Coup zu landen und einen kleinen Teil zur Aufklärung beizutragen. In der aktuellen Ausgabe gibt es eine DVD mit historischer Dokumentation. Im Heft eingeleitet mit dem Zitat von Hitler vom August 1939:

Who, after all, speaks today of the annihilation of the Armenians?

Es war damals schon vergessen und soll heute weiterhin vergessen werden. Obwohl dieses das historische Ereignis war, das den Begriff Genozid in die Geschichtsschreibung einführte.

Der Genozidbegriff erschöpft sich aber nicht im Rassismus. Peter Sloterdijk schreibt in ‘Zorn und Zeit’ über die “Kulaken” (ukrainische, wohlhabende Bauern) die unter Stalins Herrschaft in der quasikommunistischen Sowjetunion, aufgrund unterschiedlicher Klassenzugehörigkeit, ermordet wurden:

Sie bilden noch immer das größte Genozidopferkollektiv der Menscheitsgeschichte - zugleich eine Gruppe von Opfern, die sich gegen das Vergessen des ihnen angetanenen Unrechts am wenigstens wehren kann.

Der Wikipediaartikel zu Kulaken ist recht kurz, informiert aber darüber, dass es sich um 10 Millionen bis 15 Millionen Opfer gehandelt haben muss. Im Buch wird folgendermaßen resümiert:

Noch hat das Publikum nicht zur Kenntnis genommen, wieweit der Klassismus vor dem Rassismus rangiert, was die Freisetzung genozidaler Energien im 20. Jahrhundert anging.

Mit dem Rassismusbegriff erhält man einen Zugang zum vergangenen Jahrhundert, mit “Klassismus” kann man doch aber rein gar nichts anfangen. Irgendwie haut das mit der Geschichtsschreibung nicht richtig hin.

Biogas

Biogas - Ich hab keine Ahnung davon, wird irgendwie aus Getreide gewonnen und kann wie Erdgas verwendet werden - kann in Europa realistisch in der Masse produziert werden, dass die gesamten russischen Gasimporte ersetzt werden können. Sagen sie grade bei Frontal 21.

Und das alles inkl. einer Nullsummenrechnung bei Erzeugung und Verbrauch von CO2 - da der Rohstoff zeitnah wächst. Mit Atomkraftwerken kann man kein Auto betreiben, damit aber schon - und was nicht sonst noch alles…

Schalke gesponsert vom Bauernverband ;-)

Merkelbild des Jahres

Es gibt verschiedene Vorschläge über die man abstimmen kann. Ich hab mich entschieden. Platz 3 ist dieses, meine Kanzlerin in Freude. Platz 2 ist dieses, wie sie den Herren den Weg zeigt. Und auf Platz 1 steht bei mir folgendes:

Merkel

(via)

Ein gutes Buch

cohen 004 Dieses Buch ist wirklich gut. Da ich, wenn ich überhaupt komplette Bücher lese, dazu neige eher keine Romane zu lesen, finde ich eigentlich jeden gelesenen Roman gut, da er andererseits schon aussortiert worden wäre.

Aber dieser hat die spezielle Komponente des besonderen Autors, die beim Lesen die ganze Zeit nicht aus dem Blick fällt. Denn es ist William Cohen, der ehemalige amerikanische Verteidigungsminister (der vor Rummsfeld), der diesen Roman über einen amerikanischen Aussenminister schreibt, der sich heldenhaft und mit viel körperlichem Einsatz zwischen die politischen Fronten des Weltgeschehens wirft um gleich den ganz grossen Krieg zu verhindern.

Die Heldenhaftigkeit wird verlangt, da ansonsten nichts funktioniert wie man es “dem System” unterstellt. In dieser Geschichte ist China zu groß um regiert zu werden, Russland ist zu verwirrt um überhaupt personenunabhängige Strukturen zu etablieren, im amerikanischen Washington wird der Präsident durch seine Berater entmündigt und die Geheimdienste kennen nur sich selbst.

Nur der von aussen ins politische System hineingeschlitterte Aussenminister ist in der Lage, die Sachlagen vernünftig zu beobachten und gemäß seines Handlungsspielraums zu kontrollieren. Am Ende ist es eigentlich nur Glück, dass die Welt nocheinmal davon kommt…

Einen Roman (…), der sich mit den Belastungen und Spannungen heutiger Weltpolitik auseinander setzt…

…wollte er schreiben. Aber wenn die Welt so ist, wie sie in dieser Geschichte steht, kann man nur hoffen, dass nicht wirklich irgendwann einmal die ganze Welthistorie davon abhängt, ob sich zwei Menschen in entscheidenden Positionen (auf der selben Seite stehend) mögen oder ob ein Mobiltelefonakku hällt oder nicht.

Insgesammt zum untehaltsamen Lesen von mir empfohlen ;-)

Ungleiches unter Gleichen

Die große weite Welt soll Eins werden. In den letzten hunderten von Jahren wurde auch einiges getan damit das alles klappt. Die ganze Kleinteilerei wurde aufgehoben. Die Differenzierung der Welt in viele gleiche Segmente gibt es nicht mehr, dafür die Aufteilung der Welt in unterschiedliche Aufgabenbereiche - und viele davon global. Luhmann und andere nennen dies funktionale Differenzierung.

Es wird dabei beschrieben das viele (und zunehmend mehr) Einzelsysteme spezialisierte Formen annehmen und ihre Wirkungsweise über die ganze Welt spannen. Angefangen hat das mit dem Handel. Dann kam der Sport, die Bildung und mit ihr die Wissenschaft und ein paar weitere. In jeweils allen Bereichen weltweit die selben, enggefassten, akzeptierten Standarts.

Seit es so ist, dass wissenschaftlicher Fortschritt (egal wo auf der Welt) wirtschaftlich umgesetzt werden kann (auch global) und weiteren Wissensfortschritt forciert blüht die Welt praktisch (nicht überall aber mehr als jeher).

Das Problem: Eins unserer wichtigsten Funktionssysteme spielt in diesem fröhlichen Miteinander nicht mit, weil es das (nocht) nicht kann - die Politik. Sie agiert nicht global, sie henkt am Nationalstaat und das 196 mal auf der Welt.

Luhmann meint das sei so da die Welt zu unterschiedlich ist - politische Entscheidungen müssten jeweils nationalen Bedingungen angepasst werden. Ein weiterer Punkt: Politik muss sich legitimieren bevor sie loslegt. Wissenschaftler und Manager oder Sportler müssen das nicht. Sie nehmen teil indem sie sich an Standards orientieren. Der Wissenschaftler weiss: wahr ist was (für viele) plausibel ist; der Manager lernt und weiss was Geld bringt; der Sportler trainiert und ist erfolgreich und dabei. Der Politiker jedoch möchte Entscheiden, darf das aber nicht (einfach so).

Die Demokratie fesselt die Politik also an den Nationalstaat und sein mit der Legitimation beauftragtes Volk und kann dadurch nicht im Weltweiten Konzert des Fortschritts mitspielen. Ein echtes Problem, vor allem für die Politiker, da sie so tun müssen als könnten sie es doch damit sie überhaupt noch legitimiert werden.

Mysteriöse Politik

Die beiden...Es gab mal eine Zeit, da war die Politik eine Sache für Macher. Da wurde noch im Stillen operiert und geplant und wenn dann die Zeit für eine Durchführung war, wurden die paar Journalisten die anwesend waren informiert um was es ging. Damals waren es noch die Politiker selbst, die die Zeit hatten alles im Hinterstübchen vorzubereiten. Man konnte sie nicht sehen und hörte sie auch nicht, bis es ihr Wunsch war sich zu äussern. (So stell ich mir das zumindest alles vor)

Heute ist es ja bekanntlich ganz anders. Jeder wird beobachtet und abgehört, befragt und durchleuchtet. Friedrich Nowottny erzählt ja immer mal Geschichten von damals - da wird der Unterschied besonders deutlich.

Aber - es scheint dennoch auch heute noch Platz für Intrige und Kumpelei zu geben. Ich halte sie insgesammt nur für eine grosse, im ganzen nicht unbedingt glaubwürdige Story - aber es mal zu lesen ist ganz interessant.

Im groben geht’s darum, dass Schröder und Stoiber sich hätten vorstellen können miteinander die grosse Koalition zu machen. Ich weiss noch wie Beck damals erzählte, dass man CDU und CSU auch mal ausseinader rechnen kann - aber, das dass zu einem ganz anderem Gedankengebäude gehört haben soll … nuju - wer weiß..?

Category 7, was solls..?

SturmFernsehen schaue ich mittlerweile wirklich selten - bis auf ein bissl Jerry Bruckheimer und ZDF Investigation ist nichts mehr dabei was ich gucken muss.

Heute Abend gab’s eine Ausnahme, es hat sich ergeben, dass ich Category 7 - Das Ende der Welt sah. Ein Schruuuuuz. Die Story: Ein Riesenstrum bricht über die Welt her (bzw. mal wieder nur Amerika) und der Trick um ihn zu bekämpfen ist, einen heldenhaften Airforce Pilot in den Sturm und damit in den Tod zu schicken damit er Daten sammelt, die dann zu folgendem Plan führen: Man schaltet in allen Städten den Strom ab, dadurch wird es kühler und der Sturm schwächt sich ab. Und tatsächlich - es hat funktioniert. Zitat am Ende des Films (in etwa):

Wir danken der FEMA, ohne sie wäre der Sturm bis nach London und Helsinki vorgedrungen - und diese beiden Städte können sich glücklich schätzen, das dass Unheil abgewendet wurde.

Eigentlich alles viel zu dämlich. Die Story und die Idee. Das Amerika jetzt auf einmal den Umweltschutz als Problem (oder überhaupt als wahrnehmbar) aktzeptiert ist wieder so eine Sache, über die man sich eher wundern als freuen kann. Al Gore ist ein toller Typ aber er hat dieses Thema auch nicht erfunden, egal wie sehr der Film in den USA eingeschlagen ist, den er machte und der “Eine unbequeme Wahrheit” nennt.

Ich kann mich noch erinnern wie wir in der Grundschule darauf hingewiesen wurden was FCKW ist und was es macht. Und das es 20 Jahre dauert bis dieses Wirken aufhört, wenn man jetzt damit aufhört es zu benutzen.
Diese 20 Jahre sind noch nicht ganz um aber zu 3/4 - und das was uns erzählt wurde und in den bunten Büchern illustriert war, ist heute überall als Realität erkennbar. Es ist offensichtlich zu spät.

Letzte Woche gab’s in unserer Uni einen Vortrag von Greenpeace über die Abholzungsproblematik des Regenwaldes in Brasilien. Diese ganzen Sachen die da vorgetragen wurden, waren doch genau die selben die auch damals vor 15 Jahren erzählt wurden. Kann man davon ausgehen, das dass alles nichts bringt? Ich finde: man kann.

Meine Einstellung hat sich im letzten Jahr zumindest geändert. So sehr sich Greenpeace bemüht, so sehr sich die paar ehrlichen Politiker bemühen - es bringt doch nichts. Aber dadurch das wir letzendlich nur uns selber schaden, sehe ich es neuerdings locker.

So lange die Erde in einem Stück bleibt und schwer genug ist um ihre Atmosphäre zu halten ist alles in Ordnung. Tiere die wir ausrotten kommen wieder wenn Wir weg sind. Regionen die wir Zerstören regenerieren sich wieder wenn Wir weg sind. Und wenn wir uns langsam selbst vernichten ist das eben eine natürliche Tatsache. Kein Grund mehr sich sinnlos darüber aufzuregen!

Das wir allein durch unsere Ernährung schon wieder eine kürzere Lebenserwartung haben als die vorhergehende Generation, ist doch auch so eine Tatsache die niemanden stört, nicht mal die Natur.

Romane, die die Welt erklären

William CohenIch zitere mal kurz aus einem tollen Roman:

Das Amerika, das ich sehe, ist eine Nation im fortgeschrittenen Stadium des Zerfalls, ein Amerika, das überall wild nach Terroristen schlägt und seine Linie verliert.

Die moralische Kraft des Landes ist ausgehölt. Es ist verbraucht von Drogen, Sex, Vergnügungssucht, Bequemlichkeit.

Klar, das kann jeder schreiben. In diesem Falle kommen die Worte aber von William Cohen, dem ehemaligen amerikanischen (republikanischen) Verteidigungsminister unter (dem demokratische Präsidenten) Bill Clinton. Es ist zwar ein Roman, so dass Cohen diese Worte auch nicht sich sondern einem russischem Schurken zurrechnet, der anstrebt russischer Präsident zu werden, dennoch ist das alles ziemlich interessant zu lesen.

Der allwissende Erzähler begleitet den amerikanischen Verteidigungsminister, seinen chniesischen Kollegen und den zitierten russischen Mafiya Boss. Und anscheinend funktioniert nirgendwo etwas ohne geheime Kanäle, untereinander verheimtliche Wahrheiten und Gespräche off the record.

Das ganze Buch wird eine beinah intrigante Politik praktiziert. Aber ganz ohne das dies explizit so dargestellt wird. Es scheint, so wie geschrieben, ganz normal zu sein. Memo hier, Geldnote dort. Da wird mir ganz komisch zu Mute, da es ja nun gerade nicht von irgendwem geschrieben wurde…

Vielleicht heisst es doch ganz absichtsvoll “Die Verschwörer” statt “Die Verschwörung” wie ich es auf den ersten Blick im Laden laß.

Labertasche

Rumsfelds Sprüche, wie etwa:

Ich würde nicht sagen, dass die Zukunft notwendigerweise weniger vorhersagbar ist als die Vergangenheit. Ich glaube, die Vergangenheit war ja auch nicht vorhersagbar, als sie begann.

gibt’s beim Spiegel.

Ich will nicht mitbestimmen

reichstagSeit diesem Sommer ist der Bielefelder Hauptbahnhof fertig. Er ist nun ein quasi Nadelöhr, dass die beiden Stadtteile verbindet, die ansonsten durch die Gleise geteilt sind.

Im Bahnhof gibt es nun, wie in jedem anderen auch, mehrere Möglichkeiten fertiges Essen zu kaufen. Einen Bäcker, Mc Donalds und eine kleine Subwaytheke, unscheinbar in der Ecke.

Zuletzt war ich nun mehrmals bei Subway und finde es ziemlich lecker. Aber auch viel nerviger. Für ein belegtes Baguette muss man viel zu viele Entscheidungen treffen. Welches der 5 möglichen Brote, welche der 10 Wurst und Käsesorten, welche der 10 Salatbeilagen, welche der 4 Soßen. Ich bin der Meinung - ganz egal wie viele Möglichkeiten, am Ende kommt eh immer das selbe raus. Wer mit Ham anfängt hört mit HoneyMustard auf.

Ich hab’s bei mir schon häufiger festgestellt. Ich habe keine Lust auf Entscheidungen. Dabei sieht es immer so aus, als wolle man so viel entscheiden; wann die Bahn fährt, Borowski eingewechselt wird, ob Studieren kostenlos bleibt, wie man Preise bei Edeka gestaltet. Man regt sich allerhöchstens kurz auf, mehr Folgen hat es aber nicht. Vor allem kein Engagement.

Jede Entscheidung die man gern mitentscheiden würde, zieht einen elenden Rattenschwanz hinter sich her, den sich keiner aufladen will. Das (im gewissen Sinne) Luxusproblem heute: Es gibt keine Entscheidungen mehr, die so fundamental sind, das sie für sich alleine stehen. Alles hängt zusammen. Jede Entscheidung enthält zehn Nichtentscheidungen, die man vorher abgewogen haben müßte (was Nörgler natürlich hypothesenproduktiv machen). Man sieht es bei den politischen Entscheidungen.

Naja - wie auch immer. Wer mitreden will, sollte mehr tun als Reden. Das wird immer deutlicher, aber auch immer weniger akzeptiert. Und Subway sollte unerhebliche Entscheidungen selbst treffen.

Lebensferne Politikerlabereien…

…und die Antwort.