hr2 - der Tag über Oskar Lafontain

Eigentlich höre ich die ganzen öffentlich-rechtlichen Radio Sendungen ganz gern als podcast - "hr2 - der Tag" will ich da mal besonders erwähnen. Aber manchmal…

Die Sendung anlässlich Oskar Lafontains Geburtstag war zu 90% nur Müll. Wieso eine Sendung über Persönlichkeitsstörung, Charisma, Pipi Langstrumpf und Sesamstrassen-"Müll"? Warum nicht einfach eine über Oskar Lafontain, so wies im Titel der Sendung steht? Eine Sendung über den Menschen, seine politische Karriere, Ansichten und Meinung - anstatt über "Warum finden ihn alle doof?", "Ist er vielleicht … ?", "Welche psychologischen Probleme hat er?" oder "Hat er die SPD verraten?" Manchmal hat die Redaktion von hr2 der Tag wirklich einen an der Klatsche. Die Sendung zum gescheiterten EU-Vertrag von Lissabon ist damals ähnlich blind an allen wichtigen Punkten des Themas vorbeigeflogen.

Kein Wunder das politische Debatten nur noch aus Phrasen und politische Analysen nur noch aus "Na er hat halt Charisma!" bestehen.

Letzte Zuckung / erste Regung

Erste Regungen - letzte Zuckungen. ;-) Und dazu solche Statements. Wie aus dem Soziologielehrbuch!

Dazu wird es demnächst einen ausführlichen Sozialtheoristen-Beitrag von mir geben… Wohl der erste in dem die Politik mal gut wegkommt, situationsbedingt.

Batman - kurze persönl. Filmkritik + allg. Filmkritikkritik

Ich war die Tage, wie so viele Internetschreiber, ebenfalls im Kino und habe den neuen Batmanfilm gesehen. Viel zu schreiben gibt es kaum, es gibt ganz wunderbare Kritiken zum Film (hier, hier, hier oder hier - und zur Ergänzung hier) - da muss von mir aus nichts ergänzt werden. Ich kann meine Kritik in einem Vergleich zusammenfassen. Der Film ist bombastisch und perfekt aber eben auch kühl und zu abgeklärt kalkuliert - wie die Pekinger Olympiaeröffnungsfeier.

Soweit zum Film. Beim Lesen all der wunderbar ausführlichen und durchdachten Kritik zum Film fielen mir wieder ein paar Punkte auf, die ich oft nicht ganz nachvollziehen kann - und die unabhängig vom einzelnen Film immer wieder auftauchen.

Da ist zum einen der ewige Vergleich zwischen Film und Buch, im Batmanfall des Comics. Gerade heute, in einer Zeit in der jeder selbst künstlerisch aktiv ist und man immer darauf beharrt, dass man Werke mit eigenem Wert schafft, und sei es noch so gemashuped, wird genau dieser Anspruch auf eigenständige, künstlerische Werthaltigkeit den Kinofilmen bzw. ihren Machern abgesprochen. Ich finde ja auch, dass der Dark Knight etwas zu realistisch ist. Wenn Batman schon verreist sollte er nicht nach Hong Kong fliegen sondern nach Metropolis oder sonst wo hin, dennoch finde ich es überzogen, zu verlangen, dass wie bei “300″ einzelne Bilder des Comics nachmodeliert werden sollen. Ist es eben ein menschlicher Batman mit einem Auto, dass tatsächlich kaputt geht… In 20 Jahren kommt eine neue Batmanreihe.

Der nächste Kritikpunkt, der immer wieder auftaucht, ist der zu den deutschen Synchronfassungen. Joker, schmatzend und mit gebrochener Stimme, dass wollen immer so viele im original. Die Kritik, dass deutsche Fassungen minderwertig sind trifft, denke ich, wenn überhaupt nur in der Hälfte der Fälle zu - nämlich bei den Frauen. Bei den Männern steht bei mir aber ausser Frage, dass ich lieber Manfred Lehmann als Bruce Willis und lieber Christian Brückner statt Robert De Niro im original höre. Nicolas Cage, John Travolta, Alac Baldwin sind deutsch synchronisiert nicht zu toppen. Vielleicht hat ja mal jemand den neuen Akte-X-Film im Kino gesehen, in dem Mulder nicht von Benjamin Völz synchronisiert wird - langweilig wie das original.

Dritter und mir wichtigster Punkt bezieht sich auf das Vergessen der Musik. Filme leben in meinen Ohren zu 80% von der Musik, der Rest geht für Dialoge und Sounds drauf. Manchmal, wie bei “Batman Begins” ist sie so gut und so passend, dass sie im neuen Batman komplett wiederverwendet wird. Nicht nur einzelne Motive, wie man es in Serien kennt, sondern die komplette Komposition. Ich habe jedenfalls keine neuen Töne im neuen Batman gehört, es wurde nur alles neu zusammengeschnitten. Hans Zimmer schafft eben immer Werke die über den jeweiligen Film hinausreichen und die von den meisten Filmkennern einfach überhört werden. (Im Grunde, bezeugen sie damit Hans Zimmers Anspruch, dass gute Musik im Unbewußten verschwinden und das bewußte Dialog verfolgen, usw. unterstützen soll. Aber es schadet oft nicht doch mal bewußter hinzuhören. Spezieller Tipp: Aus Batman Begins - “Molossus” - sollte man ruhig mal ohne Film hören! Oder bewußt mit Film - es ist die Szene in der Batman die vergiftete Rachel in seinem Batmobil in seine Höhle fährt. Und zum Vergleich könnte man die Szene dann mal ohne die Musik anschauen…)

Letzter aber besonders nerviger Punkt, wenn Filme eingeschätzt werden kommt vor, wenn das Kino mit dem Hörsaal verwechselt wird. Bei Batman erwarte ich keinen Tiefgang sondern will sein Auto, sein Motorad und sein Umhang in Aktion sehen. Wenn der Joker dazwischen deutsche, klassische Philosophie bemüht ist das zwar schön, aber auch nicht zwingend erforderlich. Wenn ich den ganzen Tag wertschöpfenden, bildenden oder sonstigem Alltagskram nachgegangen bin, brauche ich abends im Kino keine Momente, mit denen ich rechtfertigen kann, dass ich auch jetzt was für meine Bildung, die Menschlichkeit und die Moral getan habe. So lässt sich “24″ und Michael Bay geniesen und bei Batman sollte es ebenfalls so sein. Das uns der Regisseur moralisch bevormunden will und ab und zu zu offensichtlich Gutmenscherei verbaut, sollte man einfach ignorieren. Tötet und foltert Batman eben nicht. Pustekuchen.
Weshalb allerdings diese Echolot-Mobilephone-Technik als so böse und ethisch fragwürdig im Film platziert wurde habe ich nicht verstanden. Es ist schließlich natürliche “Bat-tech”, die sich Batman eben nachgebaut hat, er ist ja schliesslich nur eine Möchtegernfledermaus mit Ohren, die bisher funktionslos an ihm herumschlapperten.

Und zu guter Letzt. Batman bekommt von mir 4 von 5 Sternchen. Den einen Abzug kassiert er durch zu viel Autorenkalkül. Vielleicht sollte sich Michael Bay mal der Sache annehmen. Dann können die Autoren und Tricktechniker die Bilder komponieren wie jetzt auch, trotzdem schmeisst Michael Bay in den entscheidenden Momenten dann seine Autos einfach auf die Strasse und hofft, dass die ein oder andere Kamera ein gutes Bild eingefangen hat - das wäre die richtige Mischung.

Da kam ihm wohl Batman in die Quere

001

Wer wählt Obama

Das amerikanische System von innerparteilichen Vorwahlen hat den großen Vorteil, dass man vor den richtigen Wahlen nicht auf Statistikmüll zurückgreifen muss, um mit Zahlen argumentieren zu können. Auch wenn die Vorwahlen teilweise nicht so durchgeführt werden, dass man sich der Repräsentivität sicher sein kann - wir können in ihnen mehr finden als in bloßen Hochrechnungen von Vermutungen.

Obamas reiche Wähler

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Obama die wohlhabernden Wähler der Demokraten so sehr auf seine Seite zieht. Das er bei denen mit hoher Formalbildung abräumt bestätigt schon eher die vorgefasste Vermutun.

Und so wie es aussieht, scheint Amerika das gleiche Problem zu haben wie Deutschland. Umso älter die Leute umso weniger hat der (gesellschaftliche) Fortschritt eine Chance. Alte Menschen vom Lande wählen anscheindend grundsätzlich und überall konservative Kräfte.

Link (via)

Ein einsamer, deutscher Held

“Demokratie” meint irgendwas rund um den Begriff Volksherrschaft. “Herrschaft” ist als Begriff etwas überkandidelt, aber es verändert den Sinn der Übersetzung nicht.

Aufgeschlüsselt, und da sind sich viele Soziologen einig (selbst Luhmann und Habermas), funktioniert der Mechanismus so: (1) Das Publikum wählt, (2) die gewählte Politik entscheidet, (3) die entschiedene Politik wird von der Verwaltung durchgesetzt, (4) das Publikum beurteilt Entscheidung und Durchsetzung und wählt erneut Politik, die dann wieder entscheidet, usw. (Alternative zu (3) ist, dass das Volk gegen die Verwaltung direkt handelt per Demonstration, Volksbegehren, ausserparlamentarischer Widerstand, o.ä.)

Das Publikum bekommt in diesem Kreislauf keine zentrale Stellung aber neben Politik und Verwaltung eine gleichrangige.

Die Geschlossenheit dieses Kreises ist notwendig. Und zwar nicht, weil ansonsten das vernünftige Ziel des Humanismus nicht erreicht wird, sondern weil sonst die Komplexität der ganzen unpolitischen Restgesellschaft nicht möglich ist. Irgendjemand (der zur Wirtschaft, Wissenschaft, dem Recht, den Familien, usw die gleiche Distanz hat) muss die Gesetze machen. Ansonsten machen die es nämlich selbst (1) und lehnen, als Kehrseite, allgemeine Gesetze ab (2).

Aktuell finden zwei Angriffe auf diesen demokratieermöglichenden Macht- und Legitimierungskreislauf statt: Der RCDS setzt sich für eine Umverteilung der Stimmrechte ein. Diesen Vorschlag können wir an dieser Stelle wegen Folgenlosigkeit (hoffentlich, man weiss es ja heute alles nicht mehr) verachten. Interessant ist allenfalls noch seine massenmediale Anschlussfähligkeit.

Viel gravierender ist der Versuch, Politik und Verwaltung aus dem Kreislauf zu lösen. Dieses Vorhaben manifestiert sich im EU-Vertrag von Lissabon. Die Mechanismus ist: Das Volk bleibt wo es ist, wählt den Bundestag, welcher dann jedoch kaum noch Kompetenzen hat Gesetze zu erlassen. Die kommen in dem Szenario aus einem Politbüro der EU, das sich gegen Wahlen weitgehend immunisiert.

Aber die Hoffnung, dass alles nicht so kommen wird, ist noch nicht verloren dank Peter Gauweiler. Er klagt mit einer riesigen Klageschrift vor dem Verfassungsgericht, dass damit gleichzeitig über seine eigene Legitimation zu befinden hat.

Mitmach- und Meinungsfernsehen

Manchmal wünschte ich mir im Fernsehen einfach mitmachen zu können. Gestern gab es eine interessante Runde bei Maischberger, auf die im Vorfeld das ganze deutsche Internet hingewiesen hat. Bodo Schäfer, Heiner Geißler und Sascha Lobo (+ noch zwei weiter) redeten über Rente.

Lobo und Geißler sind, wenn auch mit unterschiedlichen Perspektiven, Realisten, die sicher keine Schwierigkeit gehabt hätten auf einen Nenner zu kommen. Gegensätzlich dazu stand Bodo Schäfer mit seiner Privatisierungs- und Selbstverantwortungsmeinung, die er, und das war das eigentliche Problem der Sendung, viel zu professionell anbringen konnte. Es ist nicht schwer, das aktuelle Rentensystem zu kritisieren und Leute wie Bodo Schäfer sind einfach zu professionell, als das sie vor solch einer Sendung nicht tagelange Vorbereitung betreiben würden um dann während solcher Sendungen “Erstens, Zweitens, Drittens”-Listen runterzubeten und “meinen Berechnungen zu Folge” zu sagen.

Sein Konzept, “Geld für sich arbeiten zu lassen”, ist als Perspektive für 82 Mio. Menschen so primitiv, das man es ihm mit Links hätte um die Ohren hauen können. Man hätte ihn draufhinweisen können, dass die DAX Bewegung des letzten Jahrzehnts horizontal verlief, dass Banken mit Geld nicht umgehen können, vor allem nicht, wenn es “Arbeiten soll”, dass gerade die organisierten Pensionsfonds erheblich zu der aktuellen Bankenkriese beitrugen, …

Das hier war sicherlich ein Witz, schließlich hat Lobo (wie auch Schäfer) ein Buch geschrieben, das nicht allzuweit vom Thema entfernt ist, dennoch wurde mir zu wenig die andere Meinung kleingeredet. Lobos Hinweis, dass man mit einer 14.000 Euro Uhr keine Aussagen über Menschen mit 1000 Euro Monatseinkommen treffen darf, war richtig und gut platziert - aber eben auch ein (auf die Sendung bezogen) unsachlicher Kommentar, der die Meinungsfronten wahrscheinlich eher verhärtete.

Auch Geißler hat weniger auf sachlicher Ebene gegen Schäfer angebracht, sondern sich lieber in “Lassen sie mich doch mal ausreden”, “Jetzt bin ich aber dran” - Spielereien von Schäfer verwickeln lassen.

Es braucht eindeutig mehr Aufmischpotential auf sachlicher Ebene. Ohne das ich diese Forderung als Vorwurf den Beteiligten der gestrigen Sendung hinstellen möchte, wünschte ich mir, im TV würden mal wieder echte Meinungen aufeinanderprallen. Anstatt die eigene Meinung zu vertreten, sollte man erstmal die anderen Meinungen kennen und kritisieren können. Die Frage nach der eigenen Meinung wird dann noch früh genug gestellt.

Europe TNG

90 min wichtige Anmerkungen, warum sich ein Europa der neuen Generation nicht anders als durch ein bürokratisches Politbüro regieren lassen kann, was es bedeutet und wohin es führt. Vorlesung von Prof. Karl Schachtschneider: Teil 1 von 10 (alle weiteren Teile übers Youtube-Menü).

(via)

Tatsache, im Bundestag.

Hier, er nennt es beim Namen:

Sehr mutig und eigentlich kaum zu glauben, dass er damit wohl recht hat. Wie schlimm es tatsächlich um die Demokratie bestimmt ist, bleibt aber auch hier verborgen. Denn es ist davon auszugehen, dass Die Bundesregierung hier wieder vorgelegt hat und die Fraktionsvorsitzenden ihre Fraktionsmitglieder in die Abstimmung gezwungen haben. (In der CDU ist das sowieso schon Gang und Gäbe, als ob da einer der Normalo-Abgeordneten der Fraktionsführung widerspricht).

Ausserhalb des Bundestages und auf Nachfrage werden wir dann wieder Abspeissungen hören, mit denen die Abgeordneten ihr Gewissen durchspühlen. So wird das nichts, die Parteipolitiker schaufeln sich damit nur ihr eigenes Grab. Und machen die neuen Formen der Mitbestimmung attraktiv. Das ist der Silberstreifen am Horizont.

(via)

Zwei tolle Reportagen

Ich habe Freitag durch Zufall zwei ganz außergewöhnliche Reportagen im Fernsehen gesehen. Bei so was handelt es sich ja immer um ein bisschen Glück, ich habs geschafft bei beiden nur wenig vom Anfang zu verpassen. Die erste handelte von Chris und Timbo - Mensch und Elefant, die eine Beziehung führen, wie es Elefanten und Menschen für gewöhnlich mit ihresgleichen tun. In der zweiten Reportage ging es um den Lehrer Rafe Esquith und seine Schulklasse.

In beiden Reportagen geht es um die Lebensverläufe von Amerikanern, die ständig dem Milieu amerikanischer Vorstädte ausgeliefert sind. Im ersten Fall von Chris, dem Elefantenmann, spielt das als graue Vorzeiterinnerung eine Rolle im zweiten Fall unternimmt der Lehrer Rafe Esquith menschenunmögliches um die Migrantenkinder seiner Los Angeles Vorstadtgrundschule vor Biographien wie der vom jungen Chris zu bewahren.

Jetzt zwei Tage später denke ich immernoch (nicht nur weil ich hier darüber schreibe) über beide Herren nach. Im Grunde führen sie das Leben, wie es gepredigt wird. Geld ist für sie nur Mittel zum Zweck, neben anderen. Das Ego erstreckt sich über die nächsten Menschen und sie kennen Gewalt nur (noch) als fremdartiges , unerklärliches und kurzsichtiges Verhalten. Sie leben nicht in einer globalisierten, unfassbaren Welt sondern verwirklichen sich in ihrem Umfeld, das direkt auf sie zurückwirkt. Man kann die Besonderheiten der beiden gar nicht in Worte fassen, erst recht nicht in so wenige…

Kann ich also empfehlen. Die erste Reportage entspannt und die zweite begeistert. (Is aber leider Fernsehen, kann man also nicht verlinken und überhaupt - obwohl die zweite Reportage auf Arte lief ist sie nicht im Arte+7 Fundus.)

(Bild frech vom NDR geklaut)

Wortreich intellektuell

Ich bin auch intellektuell!Fernsehen zu gucken wird ja zunehmend schwieriger, dennoch steht es, zumindest bei mir, immer noch weit oben auf der Liste wenn es gilt sich kurzzeitig oder auch mal länger selbstgewählt der Welt auszuliefern. Falls es nicht passt, wird eben um- oder abgeschaltet - es ist & bleibt ja alles relativ (oder soziologisch und damit in dem Falle korrekter: kontingent).

In meiner heutigen Verdauungsstunde errangen Gregor Gysi und Friedrich Merz meine Aufmerksamkeit, beide sassen gemeinsam auf einem Podium und flankierten den mir bis heute unbekannten Manfred Lütz, der sein Buch: Gott, eine kleine Geschichte des Größten vorstellte. Es scheint ja so üblich zu sein, dass man sich bei prominenten Buchveröffentlichungen Vertreter aus absichtlich unterschiedlichen Lagern holt, damit diese ein bisschen laudieren. Vielleicht macht man es, damit, wenn auch nicht im Stil einer Debatte, zumindest augenscheinlich auf Kontroversen hingewiesen werden, was ja letztendlich interessant ist und anregt, vor allem, wenn zwei so gestandene Politiker diese Funktion übernehmen.

Bevor es aber dazu kam Gysi und Merz zum Thema Gott zu hören, hatte das Wort der Autor. Er legte sogleich los und schon einer der ersten Sätze stimmte mich nachdenklich. Mitgeschrieben habe ich nicht, daher berufe ich mich mal auf andere Quellen:

Der Theologe, Psychotherapeut und Arzt Manfred Lütz geht in seinem Werk der Frage nach der Existenz Gottes nach. Diese Frage interessiere “entweder alle – oder keinen”, so Lütz.

Entweder alle oder keinen? Er schrieb ein ganzes Buch zum Thema und dann ist das eine seiner Thesen..? Es gibt ja Funktionssysteme, ohne die kommt das Individuum der modernen Gesellschaft nicht aus. Dazu zählen u.a. Wirtschaft, Gesundheit, Politik - ohne, wenn auch nur passive und abschätzige Beteiligung, ist man aufgeschmissen. Nicht zu diesem Notwendigkeitsreigen gehören jedoch z.B. Sport und Religion. Ob der Nachbar ins Fitnessstudio oder in die Kirche geht, ist doch egal, oder nicht? Jesus-Bibel, Fitness-Bibel ist aus dieser Perspektive doch das gleiche. “Alle oder keiner” ist unpassend blöd.

Seine nächste These, die später von Gysi aufgegriffen wurde, war: “Atheisten haben einfach nur einen anderen Gott.” Dem Transzendentalen sollen sie sich seiner Meinung nach anscheinend nicht verschliessen können. Vielleicht meinte er mit atheistisch unchristlich, wer weiss… Egal, was soll diese These? Sich unbeantwortete Fragen zu stellen, deren (mögliche) Antworten man nicht nachrechnen kann, die damit also immer beobachterabhängig bleiben, ist bereits religiöses Tun..? Naja, vielleicht war es anders gemeint.

So richtig durchblicken konnte ich nämlich nicht. Lütz schleuderte nur so mit psychologischer und philosophischer Semantik um sich, bei der man gleich merkte: Wenn Kant, Nitzsche oder sonst einer der lange Toten Denker zu behandeln waren erstarrte er vor Ehrfurcht und Respekt, denn er auch ständig bekundete, so dass ihm das Hinterfragen nicht möglich war. Nunja, er meinte, (und ich beziehe das jetzt direkt auf das rein-rezitative Geschwurfel) er habe das Buch im Urlaub geschrieben, hatte nur seinen Kopf und keine Literatur dabei (was so alles möglich ist unter dem Label der Wissenschaft…), da fällt das Stellen von Fragen natürlich schwer, wenn man Gedanken vom Kaliber der deutschen Philosophie ernsthaft diskutieren möchte, sie aber nur als Erinnerung im Kopf hat.

Ich war, um hier ein Fazit zu ziehen, angewiedert, hätte beinah jedem Satz widersprochen und fand es beinah erlösend als Gysi seine Einschätzung vortrug. Merz ist vorher eher, die intellektuelle Herausvorderung ergreifend, auf Lützers performatives- und inhatliches Niveau eingestiegen.

Da mir “Entweder alle - oder niemand” immer noch übel im Magen liegt hier noch ein Zitat (mit Hervorhebung von mir) eines wirklich klugen und tief im Internet versteckten Schreibers:

Wir sollten ein für alle mal Schluß machen mit organisierten und theologisierten Religionen. Wir wissen ja, daß unser Wissen immer nur Teilwissen ist und bleiben wird. Deshalb brauchen wir nicht ins Transzendente Nichtwissenkönnen auszuweichen. Soll jeder, wenn es um die Unendlichkeiten, die denkbar aber nicht zu veranschaulichen sind, glauben, was er will. Über Glauben zu reden, sollte heiliges Tabu werden, weil Reden hier nur Streit oder Unsinn an den Tag bringt. Wir sollten uns ruhig und gelassen auf das besinnen, was wir wirklich können und verantworten können, endlich akzeptieren, daß wir hier auf unserem Planeten alleine sind, niemand kann uns helfen, auch kein Gott und keine Götter, wenn wir es nicht selber tun. Wir sollten unsere Schularbeiten machen und das Leben hier vernünftig und für alle erträglich organisieren. Was dem im Wege steht, sollten wir abschaffen und, zur künftigen Abschreckung, in die Museen verbannen. Unsere Ressourcen hierfür sind durchaus ausreichend. Packen wir es an.

Abschliessend hier aber noch ein kleines Video des Verlages. Meine Vorwurfsgrundlage schimmert ein bisschen durch.

Unerträglicher Pocher

“Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Jugend - ein (noch) seltenes Paar” auf Phoenix - ist Grad mein Nachmittagsprogramm…

Pocher ist so ein Quatschkopf. Jedesmal wenn er dazwischenquatscht lacht sich das öffentlich-rechtliche Vor-Ort-Publikum schlapp. Anscheinend hören sie nicht richtig zu oder sie begrüßen einfach jegliche Gelegenheit nicht über das eigentliche Thema reden zu müssen…

Jetzt hat sich grad CCC Constanze Kurz zu Wort gemeldet und alle mit der Info überrascht, dass die Jugend einfach keinen Fernsehen mehr schaut, dennoch das Medienangebot nutzt. Die Moderatorin hörte sowas gerade zum ersten mal und ist 10 Min. später immernoch überrascht.