Olympia Doping und überhaupt

Olympia ist nun rum und so ganz möchte ich mich auch nicht einem dieser unsäglichen Themen verschließen, dass einem die letzten Wochen aufgedrängt wurde: das magisch-mystische Doping.

Bleibe ich mal nur beim Schwimmen. ARD/ZDF wurden ja nicht müde zu betonen, das jeglicher Goldsieg nur mit Sekpsis aufzunehmen ist. Es hätte ja gedopt werden können. Was genau hinter dem Doping steckt wurde dann aber nicht erklärt, es wurde schlicht als abstrackte Größe in den Raum geworfen. Doping könnte man jedoch auch erstmal wertfrei als Leistungsmerkmal aufgreifen um es überhaupt einsortieren zu können.

Ich stelle mir die leistungsbezogene Merkmalskonstelation, die gute Schwimmer hervorbringt, ungefähr so vor - nach Wichtigkeit sortiert:

  1. Körperbau - Der Körperbau eines Schwimmers ist nach meiner Ansicht von größter Bedeutung. Es ist wie bei den meisten Ballsportarten - es gibt ein Gardemaß, dass beim Schwimmen nicht allein die Körpergröße betrifft, sondern das sich auch auf das Armlänge/Körpergrösse-Verhätnis bezieht, auf die Fussgrösse, Handgrösse, Kopfform. Das alles ist wichtig, da die Hydrodynamik eine nicht ganz so simple Sache ist, wie der Luftwiederstand, der allenfalls ab 50km/h eine Rolle im Sport zu spielen scheint.
  2. Mentale Einstellung - Schwimmen an sich ist nicht gerade eine der spannendsten Angelegenheiten. Irgendwann hat man keine Lust mehr seine Brille vom Dunst zu befreien, die Ohren sind eh unter Wasser, Wasser in Mund und Nase - da besteht nicht viel Kontakt zur Umwelt wenn man wie die Olympioniken 5h am Tag im Wasser ist, das könnte ziemlich vereinsamen… Sich da durchzubeisen ist also nicht nur körperlich anstrengend.
  3. Trainingsintensität - Phelps und der Rest der Gang vertrainiert pro Tag 8000 kcal pro Person. Die sind also nicht bloß trainiert im herkömmlichen Sinne, deren Körper funktioniert völlig anders.
  4. Material - Wenn es viel ausmachen würde in einem Komplettanzug wie Ian Thorpe zu schwimmen, würde Phelps das sicher auch machen. Macht er aber nicht, also geh ich davon aus, dass es sich bei “künstlicher Haifischhaut” letzlich doch nur um einen Gag handelt. Rasieren scheint zu reichen.
  5. Doping - an fünfter und letzter Stelle kommt meiner Meinung nach das Doping. Es ist aufwendig, kompliziert bringt psychisches Ungleichgewicht, da man sich der Sache (ausser in Jamaica) nie sicher sein kann… Es ist eine komplizierte Sache, bei der man am Anfang nicht weiss, was letztlich passieren wird. Wer hat schon eine Doping-Forschungsabteilung?

Und überhaupt: Doping allein anhand der Konzentrationen von Substanzen irgendwo im menschlichen Körper nachzuweisen ist mir viel zu kurz gegriffen und hat auch unfaires Potential. Die Liste der Dopingsubstanzen ist so lang, dass man, wenn man mal eine Gesellschaft testen würde, die Hälfte gedopt wäre. Zuviel Kaffee, Sprays und Salben am morgen und man ist gedopt. In einigen Fällen, wenn es beispielsweise nicht um den Nachweis verbotener Substanzen sondern um Grenzwertüberscheitungen natürlicher Substanzen geht, sollte man auch auf Motiv ermitteln, anstatt einfach nur 5% zu viel Testosteron nachzuweisen.

Doping/Nicht-Doping scheint eh eine willkürliche Grenze zu sein. Die Argumente mit Gesundheit und so greifen alle nur halb. 8000 kcal pro Tag sind sicherlich ungesünder als 5 Tassen Kaffe, eine Schmerztablette oder eine Creme zur schnelleren Heilung von Hautabschürfungen… Aber solange man niemanden erklärt was ein Begriff bedeutet, siegt die Tonalität in der er vortetragen wird.

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