Seit einer halben Stunde lärmen sie rum. Als ich mal gucken wollte, wie weit
sie gekommen sind und wie lange es noch dauern würde, fuhr Kollege #2 mit
seinem Cruiser gerade der Länge nach unter der Wäsche der Omi durch - vor
ihren Augen.
Frischer Rasen für den Frühling
Internet is for breaking news!
Ohne weitere Worte zur geilsten Meldung des Tages –>
Soziologenangst
Beinah 4 Stunden Hörsaal stecken heute Abend in meinen Beinen. Hörsaal bedeutete (das ist bestimmt sehr Fachabhängig) für uns Seminar-Soziologen mal wieder ein bisschen Grundstudiumsatmosphäre. Viele Gesichter, darunter kaum bekannte, keine Bewegungsfreiheit, freie Sitze in der Mitte und bevölkerte Treppen. (Und, aber das verbuche ich als Sonderfall, keine Klimaanlage.)
Postitiv ist jedoch, dass man mal mitbekommt wie die unbekannten Kommilitonen so ticken. Gerade heute war dies sehr interessant, da es für einige um die existentielle Frage: Was mach ich bloss mit meinem Studium? ging.
Festzuhalten bleiben vor allem zwei Punkte, die mich doch sehr überrascht haben. Erstens, Studenten der Soziologie finden es problematisch, dass es für sie keine Berufsbilder gibt auf die sie sich direkt bewerben können (da folgen dann die oft zitierten Anmerkungen bzgl. der echten Professionen ala Ärtze, Juristen usw.) Zweitens, Studenten der Soziologie und Politikwissenschaften haben Angst, dass ihr mühsam erarbeitetes Wissen zwischen den harten Mühlsteinen der Realität zerrieben wird.
Dazu will ich mir mal zwei Anmerkungen festhalten.
1. Die Angst durch die Wofür-Studiere-Ich-eigentlich-Problematik lässt sich aushebeln in dem man die Frage einfach umdreht. Der Vorteil des Medizin-, Jura-, Lehramtsstudiums ist, dass es dafür vorgefertigte Berufspositionen gibt. Der mitgelieferte Nachteil ist, dass die anderen Berufsbilder für die Absolventen dieser Studiengänge verschlossen sind. Zudem kommt man, wenn man den Fokus etwas öffnet zu einem ganz anderen Bild (das angehende Soziologen eigentlich kennen sollten), dem sich die Frage anschliesst: Wie wird man eigentlich Berater, Verwalter, Manager, Politiker, Beamter, usw? Aus der Berufsperspektive erkennt man so doch recht schnell, dass die meisten der Berufe keinen vorgefertigten Studiengang für Rekrutierungen zur Verfügung haben. Und dann kommt man zu der Frage: Welches Studium eignet sich eigentlich am besten um in eine unbestimmte, offene Zukunft zu gehen? Doch wohl die Soziologie! Wenn mans richtig macht und nicht an verkorksten Unis landet, hat man nach 10 Semestern ein Betriebssystem im Kopf auf dem fast alle Programme der Gesellschaft laufen können. (Spezifische Qualifikationen fehlen natürlich - das Argument hält diesen Umstand aber aus.)
2. Die Angst, nach dem Studium nicht soziologisch tätig zu sein und das angesprochene Betriebssystem langsam wieder zu löschen ist berechtigt, aber auch kein großes Problem. Man kann, muss es aber nicht so homozentrisch besehen wie der Rest der Welt, die glaubt, dass man alles glauben muss, was einem die Alltagssemantik vorgaugelt. Klar liegen die Verlockungen nahe, aber man kann doch sein eigenes Verhalten mitreflektieren. Wenn man einmal richtig Soziologie studiert hat, erkennt man die Drehbücher hinter den Theaterstücken der Welt doch automatisch. Wer trotzdem zum selbstherrlichen Darsteller mutiert, dem ist eben nicht zu helfen. (Der Platz für Soziologen ist sowieso begrenzt.)
Besonders merkwürdig ist an dieser Stelle auch die Theorie-Praxis-Differenz, die immer mitschwingt und einigen vorgaugelt, sie könnten in der Praxis die Theorie hoch halten. Genau besehen kennt die Soziologie keine Praxis. Praxis sind immer die anderen. Nur die Beobachtung der Praxis (auch der eigenen (zugegeben Paradox)) ist Soziologie. Die Grenze ist, für mich, eigentlich eine der fundamentalsten die die Soziologie beschreiben. Das bedeutet aber gerade kein Entweder-Oder. Ohne Praxen keine Soziologie, ohne Soziologie noch komischere Praxen
Insgesamt sind mir die studierenden Soziologen doch etwas zu zaghaft im Umgang mit ihrer Wissenschaft. Sie beobachtet alle Praxen darin, wie sie die Weltherrschaft an sich reissen wollen und mißachten das eigene Potential. Vielleicht sollte man in den nächsten Veranstaltungen dieser Art zusätzlich thematisieren und klären, warum und wie die ‘Stellensuche’ der ‘Initiativbewerbung’ untergeordnet werden sollte/müßte.
(Bild: Pink Dispatcher)
Noch besser als Kandinsky..?
Stellen wir uns mal eine Welt vor, in der es nicht problematisch ist, dass alle psychischen Vorgänge der sozialen Welt verborgen bleiben. Bzw. stellen wir uns eine Welt vor, in der der Umstand, dass Phänomene der Psyche einfach nicht in die soziale Welt der Kommunikation vordringen können nicht als Problem, sondern als normale Tatsache erkannt wird. Stellen wir uns also eine Welt vor, in der wir alle dem Autismus ausgeliefert sind.
Ich habe meinen musischen Autismus schon vor langem akzeptiert und antworte auf die Fragen ala: Wieso hörste Tokio Hotel, Britney Spears, Rammstein und Peter Gabriel hinternander? Nur noch mit offensichtlichen Quatschantworten oder gar nicht. Bei solchen Fragen wird die Differenz zwischen Erleben (Musik hören) und Handeln (über Musik reden) unterschätzt und die Überwindungsleistung ders. dem Antwortendem auferlegt.
Neuerdings habe ich festgestellt, dass meine Augen auf gleiche Weise an mein Gehirn gekoppelt (also auch auf gleiche Weise von der Restgesell. entkoppelt) sind.

Daher soll hier die Erklärung folgen: Dieses Bild von Alfred Gockel, das ich vor Wochen auf der Suche nach Kandinskys gefunden habe, ist besitmmt das grossartigste Gemälde, dass meine Augen jemals sahen. Und zwar, weil es so schön bunt ist…
(Quelle d. Bildes: AllPosters.com)
Zwei tolle Reportagen
Ich habe Freitag durch Zufall zwei ganz außergewöhnliche Reportagen im Fernsehen gesehen. Bei so was handelt es sich ja immer um ein bisschen Glück, ich habs geschafft bei beiden nur wenig vom Anfang zu verpassen. Die erste handelte von Chris und Timbo - Mensch und Elefant, die eine Beziehung führen, wie es Elefanten und Menschen für gewöhnlich mit ihresgleichen tun. In der zweiten Reportage ging es um den Lehrer Rafe Esquith und seine Schulklasse.
In beiden Reportagen geht es um die Lebensverläufe von Amerikanern, die ständig dem Milieu amerikanischer Vorstädte ausgeliefert sind. Im ersten Fall von Chris, dem Elefantenmann, spielt das als graue Vorzeiterinnerung eine Rolle im zweiten Fall unternimmt der Lehrer Rafe Esquith menschenunmögliches um die Migrantenkinder seiner Los Angeles Vorstadtgrundschule vor Biographien wie der vom jungen Chris zu bewahren.
Jetzt zwei Tage später denke ich immernoch (nicht nur weil ich hier darüber schreibe) über beide Herren nach. Im Grunde führen sie das Leben, wie es gepredigt wird. Geld ist für sie nur Mittel zum Zweck, neben anderen. Das Ego erstreckt sich über die nächsten Menschen und sie kennen Gewalt nur (noch) als fremdartiges , unerklärliches und kurzsichtiges Verhalten. Sie leben nicht in einer globalisierten, unfassbaren Welt sondern verwirklichen sich in ihrem Umfeld, das direkt auf sie zurückwirkt. Man kann die Besonderheiten der beiden gar nicht in Worte fassen, erst recht nicht in so wenige…
Kann ich also empfehlen. Die erste Reportage entspannt und die zweite begeistert. (Is aber leider Fernsehen, kann man also nicht verlinken und überhaupt - obwohl die zweite Reportage auf Arte lief ist sie nicht im Arte+7 Fundus.)
(Bild frech vom NDR geklaut)



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