Homozentrische Bildung und Lebensführung

Es wird eventuell Zeit für die nächste Revolution, orientieren soll sie sich an Galileo und sein nicht hoch genug einschzuschätzendes Werk, der Menscheit erklärt zu haben, dass ihre Erde nicht im Zentrum steht, sondern nur ein kleiner Teil viel größerer Zusammenhänge ist.

Daraus ergab sich nämlich die Erkenntnis, nicht zwangsläufig aber ich stelle es jetzt hier in den Zusammenhang, dass Menschen und Erde sich nicht selbst bedingen. Die “Welt als Untertan”, “Gottesgnadentum”, “Ursünde”, usw; alles das machte aus der Mehrheit der Menschen schicksalsergebene Geschöpfe, die ihr Schicksal von einem Gott gelenkt sahen, der wiederum direkt Stellvertreter vor ihren Nasen platzierte, denen sie nun zwangsläufig ausgeliefert waren.

Irgendwie setzte sich dann aber doch die Erkenntnis durch, dass es die (unabhängige) Sonne ist die den Regen macht und der Regentanz doch nur zum Spass da ist. Oder man begann in Frankreich seinen König zu verklagen. Der Siegeszug der Argumente begann - und damit die Vorherrschaft der ein oder anderen Art von Wahrheit. Die bis heute noch nicht den Begriffsstatus “Rationalität” übertroffen hat. (Wahrheit ist und bleibt abhänig von Sachlage, Umständen und beteiligten Personen und daher kann immer nur “rational” aber selten “wahr” geurteilt werden).

Wie auch immer. Es geht mir darum, dieses alte geozentrische Weltbild mit dem homozentrischen Weltbild in Bezug zu setzen. Denn, wenn man sich die Coaching-, Managment-, und Getting-Things-Done-Literatur anschaut wundert man sich doch stark, welche Paradigmen dem dort behandelten Gegenstand zu Grunde gelegt werden. Man tut ganz so, als ob die ganze Welt nur auf die Handlungen der einzelnen Menschen wartet, die, wenn man sie verbessert, effektiviert und beschleunigt zwangsläufig zu einer besseren, effektiveren und schnelleren Welt führen.

Sehr lustig finde ich z.B. diese Sammlung von Tipps und Hinweisen: http://karrierebibel.de/ - toller Name ;-) “Bibel” - damit wird gleich der Bogen in die Einleitung geschlagen.

Aber wie es aussieht, scheint sich die Revolution noch zu verzögern. Umso mehr Karrierebibeln geschrieben werden desto mehr wird geglaubt, dass Universitäten für Berufe ausbilden, das Schulen für die Zukunft vorbereiten oder berufliches Egagement gut für die eigene Karriere ist.

Aber so ist es nicht. Wir können nicht wissen was richtig ist, jedoch wissen was in unserem Sinne definitiv falsch ist. Besonders können wir nicht wissen, ob die Wirkungen unseres Handelns noch irgendwie uns betreffen.

Um mal bei der Bildungsproblematik zu bleiben: Am besten ist hier, der schon ewig durchs Internet schwirrende Ken Robinson Ted Talks Vortrag. 1 Argument in 15 Min: “We are educating people out of their creativity”. Aber Kreativität, in welcher Form auch immer, ist das einzige was man in der Zukunft braucht. Ein wissensorientierter Bildungspanzer, der über Jahre in 38 Wochenstunden angelegt wurde wird niemanden helfen. Umso mehr direkte Wissensbildung desto härter ist die Mensch-Umwelt-Grenze, und umso stärker auch die Egoperspektive beim Betrachten aller Zustände. Auf Luhmanns Schriften zur Pädagogik Sammlung steht: “Der Erzieher sieht nur das Lernen und nicht das dazu nötige Verlernen oder Umlernen”. Und auch das ist nicht nur inhaltlich gemeint. Wer Wissen lernt kann Lernen verlernen. Man vergleiche mal die Waldkindergärten mit normalen Grundschulen…

Das homozentrische Weltbild, steht in direktem Zusammenhang zur dargestellten Bildungsproblematik - auch wenn das auf den ersten Blick nicht klar ist. Aber solange in Sachen Bildung immer der Kinderkopf Ziel der Anstrengungen ist, braucht man sich doch nicht wundern wenn am Ende der vereinsamte Mensch in der grossen bürokratischen Organisation herauskommt. Personenzentrierte Bildung führt zu einem nicht hinterfragten homozentrischen Weltbild und damit zu Unglücklichsein und Einsamkeit.

Die Welt ist zentrifugal, sie hat kein Zentrum und schleudert dafür immer gerade das besonders aus dem Zentrum, was sich selbst für das Zentrum hällt. Die Kirche musste das schon erleben, die Politiker verzweifeln jetzt gerade und als nächstes sind wohl die Wirtschaftler dran. Aber immer betrifft es einzelne Menschen, die nach und nach erkennen, das die Welt homozentrische (und damit ihre) Weltbilder nicht akzepiert.

Bild [auro]

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