Informationsgesellschaft? pah!

jj.jpgJournalismus, Blogismus und Twitterismus - bei diesem informationstechnischen Dreiklang wird einem differenzierungstheoretisch beinah warm ums Herz.

  1. Zuerst die grossen Zeitungen: Aufwand für sinnvolle Gestaltung*, informationelle Ausgewogenheit und Komposition.
  2. Dann Weblogs: Mit Initiative gefüllt, nach Autors Belieben.
  3. Und Twitter: Kurze Infos ohne Layout in die Welt gezwitschert.

Schnittmengen gibt es hier nur augenscheinlich. Zeitungen transportieren Information, Weblogs Meinungen, Tweets Notizen, Grüsse, Alberei, Hinweise. In ihren Auswirkungen schweben die Techniken der drei Ebenen in ihren eigenen Sphären (zumindest jetzt noch). Die Gemeinsamkeit ist, dass es sich um Informationstechniken handelt. Vielleicht wurde deshalb ein prägender Geselleschftabegriff hervorgebracht.

In der Wikipedia steht zur Informationsgesellschaft:

Der Begriff Informationsgesellschaft bezeichnet das Leitbild einer auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) basierenden Transformationsgesellschaft und Informationsökonomie. Der Prozess der Durchdringung aller Lebensbereiche mit IKT, durch den sich eine postindustrielle oder postmoderne Informationsgesellschaft bildet, wird als Informatisierung bezeichnet (Nora/Minc 1979). Hierbei wirken die induzierten Veränderungen auf das kollektive Bewusstsein einer Gesellschaft und ihre Werte.

Informationstechniken und -technologien sollen zu einer Informationsgesellschaft führen. Vielleicht kann man das aber auch noch mal differenzieren. Denn so wie’s da steht ist es trügerisch. So als ob in der Informationsgesellschaft alle Welt informierter wäre.

Die Möglichkeit der Benutzung informationstechnischer Systeme führt nämlich zwangsläufig nur zu einem: Mitteilungen. Mitteilung meint aber nur: Kommunikation auf Grund oder mit Bezug auf eine vorhergehende Mitteilung/Kommunikation. Zeitungen recherchieren nicht selbst sondern schreiben nacheinander voneinander oder gleichzeitig von den Presseagenturen ab (relevant ist, was in anderen Zeitungen steht), Weblog verstehen sich als Linkschleudern und Twitter verkommt immer mehr zum Chat.

Je länger eine Informationstechnischer Dienst läuft umso mehr schliesst er den kommunikativen Zirkel (Mitteilungen werden auf Grund von vorhergehenden Mitteilungen getätigt und nicht weil neue Informationen von aussen hinzukommen). Informationen die tatsächlich neu sind finden dann weder Möglichkeiten zum Einsickern noch Anhaltspunkte.

Da es immer einfacher wird sich mitzuteilen müsste man daher von einer Mitteilungsgesellschaft sprechen, die auf informationstechnischen Systemen beruht. Informationsgesellschaft trifft jedoch nicht zu, da neue Informationen überhaupt nicht mehr in “die Gesellschaft” vordringen (Beispiel wissenschaftliche Informationen, politische Informationen).

In der Zukunft werden sich die informationstechnischen Zirkel, die noch ziemlich parallel laufen, gegenseitig integrieren bzw. einen neuen grossen noch exklusiveren Zirkel formieren, der dann, durch seine interne Überreicherung an Information und Mitteilung kaum noch Sensoren für seine Umwelt hat. Hier ein Anzeichen.

* sinnvoll ist hier absolut wertfrei gemeint. Es meint nur, dass aktiv gestaltet wurde.

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