Wahlbeobachtungen - Humor/Ernsthaftigkeit

Über Personen/Parteien und Vertrauen/Programme ist schon viel gesagt. Fehlt noch eine Wahlkampfbeobachtung, die einen fundamentalen Unterschied zwischen Amerika und Deutschland bezeichnet: Das (Selbst-)Verständnis der Amtskandidaten darüber, ob man als Politiker eine ernsthafte Trivialmaschine mimen oder ein ganzer Mensch sein darf. Dazu aber nur ein Verweis auf eine passende Beschreibung: Der US-Comedy-Wahlkampf 2008 im Fernsehlexikon.

So richtig differenztheoretisch aufziehen liese sich dieses Thema auch gar nicht. In Deutschland gibt es keine lustigen Politiker. Sie war die letzte die zum Mitlachen anregte. Er hat vielleicht Potential, dafür ist aber beinah ausgeschlossen, dass aus ihm je ein echter Spitzenkandidat wird bevor ihn die Parteidisziplin entmenschlicht.

Meine Lieblingsmusik

Das hier gehört nun schon seit ner Weile zu meiner Top 30 Liste, die ich vorrangig höre.

Ich galube, es gibt zu wenig Bands die sich um die ästhetische Gesamtkonzeption ihrer Arbeit Gedanken machen. Oder die anderen gefallen mir einfach nicht so wie das, was bei Angels ans Airwaves herauskommt…

Wahlbeobachtungen - Vertrauen/Versprechen

Deutsche Wahlkämpfe machen keinen Spaß. Sie lenken die Politiker vom Tagesgeschäft ab und führen beim Wähler zu langweiliger Nerverei in Fußgängerzonen und Briefkästen. In Wahlkampfzeiten sind die Straßenzüge mit nichts sagenden Politikerköpfen zugepflastert (oder schlimmer) und überall finden vereinzelt kleine Veranstaltungen in Gemeinderäumen statt, in denen Sachexperten und Sympathieträger erzählen, weshalb die Welt gerade schlecht ist und es sich lohnt ihre Partei zu wählen. An guten Tagen sind Marktplätze voll. Vorne hört man dann anständig zu was erzählt wird und hinten pfeift man rum.

Amerikanische Wahlkampfzeiten sind dagegen ein riesen Spaß. Fußgängerzonen werden mit allen möglichen Kram behangen (oder bemalt) und es gibt Spielerein für die ganze Familie. Alle sind dabei. Wenn jemand zu einer Veranstaltung läd, ist es der Kandidat selbst der kommt und von Zehntausenden erwartet wird. Und wer nicht dabei sein kann, wird so eingestimmt.

In Amerika spielt allein die Person, der Kandidat für ein politisches Amt, eine Rolle. Seine Herkunft, seine Vorhaben, Visionen und Ideen sind entscheidend. Programm und Parteizugehörigkeit stehen hinten an. In Deutschland ist diese Art des Personenkults historisch verdorben. In Amerika ist er das politische Nonplusultra. Es motiviert die Wähler, trotz ihrer Enttäuschungen und dem allgegenwärtigen Misstrauen der Politik gegenüber, Beziehungen und Vertrauen zu Politikern aufzubauen, und so das Hier und Jetzt der Politik nicht nur erträglich zu machen - sondern aktiv mitzugestalten und so zu ermöglichen. Zu beobachten ist außerdem, dass je schlechter die allgemeine Lage eingeschätzt wird, die Wahlkampfpartizipation umso höher in der Bevölkerung zu beobachten ist. (In Deutschland ist es, bis es mal richtig knallt, genau entgegengesetzt zu beobachten. Politische Enttäuschung wirkt sich als Politikverdrossenheit aus.)

Ein entscheidender Unterschied zwischen Deutschland und Amerika ist, dass in Deutschland Parteien und in Amerika Personen gewählt werden. (Nachlesen)

Entscheidend ist aber auch, auf was der Schwerpunkt des Wahlkampfes gelegt wird. Soll es um Emotionen, persönliches Vertrauen und Anteilnahme oder um Fakten, Programme und Versprechen gehen? Wie wichtig ist ein detailliertes Programm, dass in all seinen Fakten, Themen und Aspekten dem Wähler zum Vergleich mit anderen Parteiprogrammen anregen und seine Wahlentscheidung herleiten soll?

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Meine Lieblingsuhr


Wahlbeobachtungen - Person/Partei

Wahljahre sind Ausnahmezeiten, nicht nur in Amerika. Vor allem in Deutschland kennt man das Problem, dass in Wahlkampfzeiten beinah jedes politische Engagement und Personal auf die Zeit nach der Wahl ausgerichtet wird und die Tagespolitik dadurch auf der Strecke bleibt. Dass gerade dann, wenn Politik dem Wähler gegenüber als besonders wichtig dargestellt wird, (entscheidende) Politik selbst kaum mehr stattfindet, ist ein Paradox, dass als Symptom eher auf allgemein menschliche Schwächen verweist, als auf Probleme der Politik zurückzuführen ist. Eine der langfristigen, und damit von der Politik umbeherrschbaren, Nebenfolgen ist eine allgemeine Politikverdrossenheit in zwei Etappen. Zuerst ist man von der Partei, der man am nächsten steht, enttäuscht, danach verdammt man allmählich das gesamte politische System.

Beim Betrachten der Vorwahlen in Amerika, den jubelnden, begeisterten Menschen und der großen Reden der Politiker vor zehntausenden Menschen scheint man den Eindruck zu gewinnen, dass es diese Art der Politikverdrossenheit nicht gibt. Allem Augenschein nach liegt es an der starken Personenzentrierung, die die Parteien entlastet und Politik zu einer Verkettung epochaler Phänomene werden lässt, anstatt im Einheitsbrei aus Wahlversprechen der Parteien und Enttäuschung der Wähler aufzugehen.
Im Folgenden nun detailierte Beobachtungen der Parteien-Personen-Differenzierung bezogen auf Politik am Bsp. der amerikanischen und deutschen Wahlkämpfe. Die Beobachtung schließt vieles kategorisch aus, das zumindestens erwähnenswert ist, hier aber dennoch nicht erwähnt wird. Zur Ergänzung empfehle ich: Die Grobstruktur der USA nachzulesen. Das Grundgefüge der USA birgt einige Überraschungen in sich, die zu Wissen das Verständnis, auch des folgenden Textes, erleichtert.

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Praktische Theorien

“Nichts ist praktischer als eine gute Theorie” - Klingt als Spruch ganz toll. Tangiert mich und alle anderen fähigen Soziologen in Bielefeld aber nicht. Eine gut umfasste und durchdefinierte Gegenständlichkeit führt nicht automatisch zu einer (praktischen) Theorie, die diese Gegenständlichkeit, womöglich noch dieser Gegenständlichkeit selbst, so aufzeigt, dass damit irgendwer - wir oder sie - etwas anfängen können.

Die Soziologie ist keine Lehre, weder von Betrieben noch von Wirtschaft, sondern eine eigenständige und respektlose Perspektivsuche. Im Zentrum steht nicht der Gegenstand sondern die Beobachtung. Daher leitet sich auch jegliche Theorie über einen sozialen Gegenstand (von Interaktion bis Gesellschaft) als ein Auswuchs einer Theorie des Beobachtens ab. Und bleibt pure Beobachtung. Jegliche Initiative, die darauf basiert, ist keine Soziologie mehr, sondern gehört zum Gegenstand, ist nicht Erkenntnishandlung auf Basis der Beobachtung sondern Auswuchs des ursprünglichen Gegenstandes der beobachtet wurde und weiter beobachtet wird.

Die Soziolgie kennt keine Ideale, nur dargelegte, hergeleitete oder beobachtete Vergleichsmöglichkeiten (plural!). Sie versteht sich als vernünftige Abkehr von der Vernunft (Detlef Krause) oder als Abklärung der Aufklärung (Luhmann, Stefan Lange).

Interessant wird es nächstes Semester in Bielefeld, wenn es ein Seminar zu “Organisation und Genozid” (in dem Falle den Holocaust) geben wird. Die Gegenständlichkeit, die ohne moralische Nebensätze beinah nicht kommunizierbar ist, aus soziologischer Perspektive betrachtet. Jenseits jeglicher Semantik (wie “Mensch”, “Täter”, “Opfer”, “Nationalität”) oder historischer Singularitätsvermutung ist da soziologischer, und damit für alle die wollen, Erkenntnisgewinn zu erwarten, der dann in mehr oder weniger auftherapierter Form auf Anschlußsuche geht.