Eine einfache Rechnung

Für das persönliche Studium generale hält das ZDF seit Jahren ihr Nachtstudio parat - darin wird beinah alles thematisiert. Statt eines thematischen Pols gibt es dort Volker Panzer, der seine Gäste immer mit Bedacht wählt und so immer unterhaltsame Gespräche bereit hält, egal um was es geht.

Gestern sah ich eine wirklich unterhaltsame Runde. Volker Panzer redete mit: Harald Lesch, der mit seiner Pfeife bestückt, gewohnt geruhsam erzählte, Hans-Arthur Marsiske, der beinah noch geruhsamer über seine Ideen sprach, die er mit soziologischem Hintergrund journalistisch in Büchern verwirklicht und Andreas Eschbach, der als Sci-Fi-Autor auch etliches beizutragen hatte; zum Thema:

Die zweite Erde - Gibt es doch Leben im All?

Nun weiß ich, es gibt inzwischen Astrobiologie und wir haben Planeten gefunden, die selbst Wissenschaftler als “Erde II” bezeichnen - wir können also demnächst aufbrechen.

Was das Gespräch vor allem zeigte war, dass man kaum geerdete Gedanken-Maßstäbe in dieses Themengebiet übertragen kann. Alles ist zu weit weg, verhält sich viel zu anders und außerdem dauert alles viel länger.

Andersherum, kann man vom Nachdenken über das Weltall irdische Gedanken ganz neu erden. Eine der denkwürdigsten Beiträge kam von Hans-Arthur Marsiske (in etwa):

Wenn wir uns überlegen, was wir alles bräuchten und bewerkstelligen müssten, um auf dem Mars leben zu wollen - dann erkennen wir rückwirkend erstmal, was uns die Erde alles einfach so schenkt.

Ja - das stimmt wohl. Und die Idee lässt sich sogar, im Sinne aller BWLer und sonstiger Wirtschaftsrechner exakt nachrechnen.

Al Gore - nie wieder Kandidat

Ich glaube Al Gore hat den Friedensnobelpreiss für diese Haltung bekommen:

“Ich habe nicht vor, wieder ein Kandidat zu sein”, versicherte er neulich erst - und setzte gleich verschmitzt hinzu: “Ich habe noch nicht jene Phase meines Lebens erreicht, wo ich sagen kann, dass ich so etwas nie mehr in Betracht ziehen werde.”

Das Zitat ist von 2006 und letzte Woche hat man in Oslo vielleicht zugetragen bekommen, dass Al Gore diese Phase nun erreicht hat und er nie wieder ‘nächster Präsident‘ wird/werden will.

Wenn sich also jemand, dem durchaus Chancen eingeräumt werden, offen gegen die Versuchungen der Dunklen Seite ausspricht, ist das einen Friedensnobelpreis wert. Das finde ich auch. Herzlichen Glückwunsch Al Gore.

Reise Reise


Eigentlich ganz nett: Werderaner

Werder Bremen (also Borowski, Frings und Diego) ist ja so eine Mannschaft, der man beinah alles gönnt. Dh. alles außer einen 8:1 Sieg gegen die Wahlheimat. Erstaunlich ist, das sich diese Sympathie auch ein paar Fans von dort guten Gewissens entgegen bringen lässt.

Beim einsammeln des Stimmungsberichtes zum verregneten Spiel von gestern bin ich auf diesen netten Thread im Werderforum gestoßen. Nicht viel Platz für Häme im Kreis der Werderaner.

(Bild: Doublesieger2004)

Luhmannverständnis

Es ist zugegebenermaßen nicht einfach Luhmann inhaltlich zu folgen. Vor allem dann nicht, wenn man mehr als nur einen Text braucht um Zusammenhänge zu durchforsten. Eine recht große Hilfe ist mir gerade Detlef Krause mit seinem Luhmann-Lexikon.

Wenn man sich die Amazon Leserkritiken anschaut, merkt man schon, wo der Hund begraben liegt. Eigentlich geht es ganz gut los. Oftmals muss man sich fragen, weshalb die Luhmannversteher ihr Verstandenes noch unverständlicher verpacken, als es Luhmann selbst getan hat. Warum Luhmann so kompliziert geschrieben hat, ist in diesem und vielen anderen Büchern recht plausibel beschrieben und wenn man folgendem Satz vertraut, geht man doch davon aus, dass dieses Buch das Feld ein bisschen aufräumt:

Vereinfachung also, na dann mal los:

Sich selbst oder sich selbst braucht man also für sich selbst… Ahja. Und wie war das nun mit der “darstellungstechnischen Vereinfachung?”:

Aaaah!

Herr Krause hat hier wirklich kein einfaches Buch geschrieben. Unterhaltsam und lehrreich ist es aber allemal. Da man aber so oft “Einführungswerk” oder sonstiges hinzuschreibt, sollte man auf dieses Buch irgendwas wie “Ergänzungsliteratur” oä schreiben, damit keiner auf die Idee kommt, hier tatsächlich ein Eben-Mal-Nachschlagen-Lexikon zu erwerben.

Respekt vor Gabriele Pauli

Gabriele PauliFrau Paulis Zeit in der großen Öffentlichkeit ist nun wohl um. Zumindest hat man ihr die Bühne genommen, auf der sie das letzte halbe Jahr gespielt und sich produziert hat.

Es gab mal eine Zeit, da hat man uns im Kindergarten Bilder von Umweltzerstörung, Tierquälerei usw. gezeigt worauf wir Kinder natürlich alle mit Bestürzung und der Frage reagierten, weshalb die Erwachsenen das zulassen, dulden und eigentlich, und das wurde immer klarer, billigend in Kauf nehmen.

Langsam lernte man dann die Gesetzmäßigkeiten kenne, nach denen alles funktionierte, auch wenn es überhaupt nicht zufriedenstellend funktionierte.

Damals haben wir uns gefragt, warum nicht einfach jemand von denen, die mitreden und entscheiden dürfen, aufsteht und ein ‘Veto’ oder so was einlegt oder ein paar Sachen zumindest mal zum Thema macht.

Und im Grunde ist Gabriele Pauli so eine Person. Ihr Lebenslauf verläuft ziemlich geradlinig, so dass man beinah davon ausgehen kann, dass er letztlich ziemlich weit oben endet. So läuft es ja generell in der Politik und wahrscheinlich besonders in der CSU. 30 Jahre CSU hat sie jetzt hinter sich und bis zur Landrätin hat sie es gebracht.

Und nun setzt sie alles aufs Spiel um ein paar wirklich gute Ideen, eine große Menge Vorschläge und die ein oder anderen direkten Anträge bei einem Parteitag vorzubringen - die aber alles andere als programmkonform bei der CSU sind.

Das ist bemerkenswert. Sie ist eigentlich eine wahre Heldin. Eine die sich in einem Schweinesystem hochgearbeitet hat und nun aufsteht und den Herren (noch sone CSU-Eigenheit) mal ordentlich auf die Nasen haut.

Das verdient Respekt.

Ich hoffe sie hat Recht mit der Annahme, dass es nun Zeit braucht. Das sie den Parteivorsitz nicht erringt war ja klar, in Zukunft wird sie es aber wieder mit ihrer eigenen Landratsebene zu tun haben und dort wird sie nicht von ihr fremden Arschkriechern abgewatscht werde - da bin ich mir ganz sicher. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Und ausserdem wird so auch mal gezeigt, dass man sich in einer Demokratie nie vor Opposition drücken kann. Ganz egal wie gut man alles im Griff hat.

Bild: gabriele-pauli.de