Diese Überschrifft hätte beinah “Paris - Stadt der Miefe” gehiessen. Aber man soll den ersten Eindruck ja nicht überbewerten. Ausserdem bemerkt man schnell, so ab dem fünften Eindruck, dass es zwar überall in Paris riecht - nicht immer jedoch so, als hätte man König Ludwigs toilettenfreie Tradition fortgesetzt. Innerhalb von 3 Tagen in Paris kann man Gerüche wie Pisse auf der Strasse, Weihnachtsmarkt in der U-Bahn oder Zitrusfrische in Treppenhäusern erhaschen - kein Wunder, dass Grenouille hier Gefallen gefunden hat und auch kein Wunder, dass er schnell zwischen gutem und schlechtem Geruch unterscheiden konnte.
Alles in allem ist Paris eine grossartige Stadt. Man merkt, dass man sich eher im Süden Europas aufhält. Die Häuser sind verschnörkelt, die Kirchen sind alt und riesig, die Strassen sind Jahrhunderte alt und eine der größten Attraktionen ist, dass alles noch steht und zwar prächtig, renoviert/restauriert und immer ein bisschen aktiv präsentiert, besonders nachts. (Das mit besonderer Erwähnung, da es ja durchaus Gegenden in Italien oder Spanien gibt, die weltberühmt sind, aber in den nächsten Jahren wohl einstürzen werden.)
Was man in Paris auf jeden Fall tun sollte, ist eine Tagesbustour mit dem l’open tour Paris Service. Der bringt einen überall hin und bietet die übliche Ein- und Aussteigemöglichkeit, um alles im eigenen Takt zu erkunden. 4 Linien bringen einen in 4 Stunden, wenn man nicht aussteigt, durch die ganze Stadt. Wenn man sich die Hauptattraktionen ansieht und dafür aussteigt, ist der Tag schnell rum.
Was man keinesfalls unterschätzen sollte - im Sinne von: ist alt, ausführlich dokumentiert, ‘machen wir einen kurzen Stopp’ sind Eiffelturm und Louvre. Der Eiffelturm ist nun beinah 120 Jahre alt (er hat gerade Geburtstag, wenn man vom Grundstein ausgeht), ist aber immer noch, besonders wenn man bei seinen Reisen durch die Welt gebäudefixiert wie ich ist, ein einzigartiges, riesiges, graziöses (grazil und groß) bauliches Meisterwerk, das von Paris zu Recht und perfekt in Szene gesetzt wird! Wenn man hoch fährt und abwärts, ab da wo die Treppen beginnen (57m Höhe), läuft, bekommt man sicherlich den besten Eindruck von diesem Jahrhundertwerk, das beinah über der Stadt schwebt.
Beim Louvre genau das gleiche. Hier überzeugt die Größe, nachdem man so oft enttäuscht ist, wenn man in ein Museum gegangen ist. Das New Yorker MoMA ist bisher das einzige, das ich richtig toll fand, weil man nach 4h immer noch nicht durch ist und sich nicht langweilt. Beim Louvre ist es so, wie alle sagen - ohne Jahreskarte bekommt man allenfalls einen kleinen Eindruck.
Was bei dieser Größe besonders positiv auffällt ist, dass afrikanische, ozeanische, alt-amerikanische, usw. Kunst ebenfalls seinen Stellenwert bekommt und dort auf 2 Fluren grösser ist, als alle Kunstmuseumsflächen 30km um Bielefeld zusammengenommen. Bei der Mona Lisa ist es im übrigen besonders nett vorbeizuschauen, allein um sich die Leute anzusehen, die um die halbe Welt fliegen, um sich einmal mit ihr fotografieren zu lassen - besonders lustig sind die Amerikaner, sie stehen permanent mit dem Rücken zu ihr - während die Asiaten zwar ihr zugewandt sind, aber sie anscheinend nur via ihrer Kameradisplays sehen (wollen). ;-)
Paris ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wenn man da ist, muss man auch eine Seine-Rundfahrt in der Dämmerung machen. Und falls man aus Jena anreist, sollte man wissen, dass die Brücke vorm Eiffelturm die Jena-Brücke ist!
Und den Autoverkehr? Einfach ignorieren und so tun, als gäbe es ihn nicht - dann kommt man über jede Straße (siehe Ulrich Wickert im dokumentierten Selbstversuch)! Das gleiche gilt für Ludwigs Schloss in Versailles - einfach ignorieren.
