Man, Arminia!

In unserer aktuellen Fakultätszeitung wird ein Professor mit “Nichts!” auf die Frage hin zitiert, was man in Bielefeld denn auf jeden Fall gesehen haben sollte. Die weitere Begründung seines “Nichts!” liest sich ganz schlüssig, meint er doch, gerade dass sei so entspannend an Bielefeld, man muss nichts hinterher jagen und wenn man Bielefeld verlässt, hat man mit Sicherheit nichts verpasst.

Ich persönlich finde ja, man sollte zumindest mal im Stadion vorbei geschaut haben. Wenn Arminia spielt, weiß man nie was man bei Abwesenheit verpasst. Mal ist alles ziemlicher Scheiss. Mal läuft es dann doch ganz rund. Und manchmal, ist es grausam. Glücklicherweise fand das heutige Debakel nicht in Bielefeld statt. mit 8 Gegentreffern verloren… Man! Und ich dachte, mit Ernst Middendorp stellt sich tatsächlich ein kleiner Höhenwind ein. Aber alles was die letzten Monate so gut lief, rächt sich aktuell.

Ich habe es die letzten Sportschaun über gemerkt; es macht mehr Spass sich über Dortmunds Niederlagen zu freuen, als auf Arminia-Siege zu hoffen. Dortmund, und das soll hier sinnloserweise auch noch erwähnt werden, ist in meinen Augen die FDP der Bundesliga. Sie können nichts, halten sich aber für ganz groß, waren es jedoch allenfalls früher einmal. Wer solch einen Etat verbrät und dann nichts auf die Reihe bekommt, dem lache ich beim Absturz hinterher. Vor allem ist es völlig unverständlich, wie ein Trainer, der es tatsächlich schaffte den HSV beinah in die 2. Liga zu führen, dort seelenruhig einen Negativrekord nach dem anderen aufstellen darf, ohne das man ihn von seinem hohen Roß stürzt.

Wenn es Werder, Schalke und die Bayern nicht gäbe, wäre ich völlig desinteressiert am Fussball - zuviel Scheiß.

Selbstreferenz..?


Jo, so aufschlußreich steht’s in Detlef Krauses Luhmann-Lexikon… :-)

Fw: Es ist, wie es ist

Dieser Text ist ganz hervorragend. Es gibt anscheinend mehrere Zugänge zur Soziologie als nur den soziologischen, den einzigen den ich bisher kennen gelernt habe. Daher hier eine Leseempfehlung - für den verlinkten Beitrag und den Rest der Seite.

Ho, ho, ho


Und das, wo doch grad die Sonne nochmal rauskommt…

Paris im Fazit

Eiffelturm Diese Überschrifft hätte beinah “Paris - Stadt der Miefe” gehiessen. Aber man soll den ersten Eindruck ja nicht überbewerten. Ausserdem bemerkt man schnell, so ab dem fünften Eindruck, dass es zwar überall in Paris riecht - nicht immer jedoch so, als hätte man König Ludwigs toilettenfreie Tradition fortgesetzt. Innerhalb von 3 Tagen in Paris kann man Gerüche wie Pisse auf der Strasse, Weihnachtsmarkt in der U-Bahn oder Zitrusfrische in Treppenhäusern erhaschen - kein Wunder, dass Grenouille hier Gefallen gefunden hat und auch kein Wunder, dass er schnell zwischen gutem und schlechtem Geruch unterscheiden konnte.

Pariser Strassenzug bei Stadtrundfahrt Alles in allem ist Paris eine grossartige Stadt. Man merkt, dass man sich eher im Süden Europas aufhält. Die Häuser sind verschnörkelt, die Kirchen sind alt und riesig, die Strassen sind Jahrhunderte alt und eine der größten Attraktionen ist, dass alles noch steht und zwar prächtig, renoviert/restauriert und immer ein bisschen aktiv präsentiert, besonders nachts. (Das mit besonderer Erwähnung, da es ja durchaus Gegenden in Italien oder Spanien gibt, die weltberühmt sind, aber in den nächsten Jahren wohl einstürzen werden.)

Champs-Ã�lysées Was man in Paris auf jeden Fall tun sollte, ist eine Tagesbustour mit dem l’open tour Paris Service. Der bringt einen überall hin und bietet die übliche Ein- und Aussteigemöglichkeit, um alles im eigenen Takt zu erkunden. 4 Linien bringen einen in 4 Stunden, wenn man nicht aussteigt, durch die ganze Stadt. Wenn man sich die Hauptattraktionen ansieht und dafür aussteigt, ist der Tag schnell rum.

Eiffelturm Was man keinesfalls unterschätzen sollte - im Sinne von: ist alt, ausführlich dokumentiert, ‘machen wir einen kurzen Stopp’ sind Eiffelturm und Louvre. Der Eiffelturm ist nun beinah 120 Jahre alt (er hat gerade Geburtstag, wenn man vom Grundstein ausgeht), ist aber immer noch, besonders wenn man bei seinen Reisen durch die Welt gebäudefixiert wie ich ist, ein einzigartiges, riesiges, graziöses (grazil und groß) bauliches Meisterwerk, das von Paris zu Recht und perfekt in Szene gesetzt wird! Wenn man hoch fährt und abwärts, ab da wo die Treppen beginnen (57m Höhe), läuft, bekommt man sicherlich den besten Eindruck von diesem Jahrhundertwerk, das beinah über der Stadt schwebt.

Louvre Beim Louvre genau das gleiche. Hier überzeugt die Größe, nachdem man so oft enttäuscht ist, wenn man in ein Museum gegangen ist. Das New Yorker MoMA ist bisher das einzige, das ich richtig toll fand, weil man nach 4h immer noch nicht durch ist und sich nicht langweilt. Beim Louvre ist es so, wie alle sagen - ohne Jahreskarte bekommt man allenfalls einen kleinen Eindruck.
Was bei dieser Größe besonders positiv auffällt ist, dass afrikanische, ozeanische, alt-amerikanische, usw. Kunst ebenfalls seinen Stellenwert bekommt und dort auf 2 Fluren grösser ist, als alle Kunstmuseumsflächen 30km um Bielefeld zusammengenommen. Bei der Mona Lisa ist es im übrigen besonders nett vorbeizuschauen, allein um sich die Leute anzusehen, die um die halbe Welt fliegen, um sich einmal mit ihr fotografieren zu lassen - besonders lustig sind die Amerikaner, sie stehen permanent mit dem Rücken zu ihr - während die Asiaten zwar ihr zugewandt sind, aber sie anscheinend nur via ihrer Kameradisplays sehen (wollen). ;-)

Paris ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wenn man da ist, muss man auch eine Seine-Rundfahrt in der Dämmerung machen. Und falls man aus Jena anreist, sollte man wissen, dass die Brücke vorm Eiffelturm die Jena-Brücke ist!

Und den Autoverkehr? Einfach ignorieren und so tun, als gäbe es ihn nicht - dann kommt man über jede Straße (siehe Ulrich Wickert im dokumentierten Selbstversuch)! Das gleiche gilt für Ludwigs Schloss in Versailles - einfach ignorieren.

100+ Bilder

Offenbarte Tölpelei

pl.jpgEs ist Jahrtausende her, dass Platon die Empfehlung gab, man solle einen Staat von Philosophen lenken lassen. Menschen die alles im Griff haben, alles überschauen, vorurteilsfrei urteilen, mehr als andere wissen - eben prädestiniert sind für die große Aufgabe letzte Instanz zu sein und alles beieinander zu halten.

Als jüngerer Mensch glaubte ich in so einer Welt zu leben, ich schrieb es vor ein paar Wochen schonmal. Es ist doch alles so prächtig, wir hungern nicht, leiden nicht, leben lange und ziemlich zufrieden.

Also kommt man zu der Frage - wie kann es sein, dass es uns so geht und wir dennoch über die schimpfen, die die letzte Instanz ausfüllen. Also: Bernd Ulrich stellt diese Frage, Politiker und Politikverdrossenheit sind gemeint und Politiker finden diese Frage berechtigt. Ich hingegen tendiere eher zu dieser Antwort.

Es gibt keine letzte Instanz die alles regelt. Es ist ein freies Spiel der Kräfte. Die grossen Fragen können meist gar nicht politisch geklärt werden, weil es keine politischen Fragen sind. Einer Oswald Meztgers Lieblingssätze aus dem Artikel:

Wer Politiker verachtet, verkennt ihre wahre Größe.

Politiker sind keinesfalls eigenständig entscheidende, unabhänig handelnde, alles beachtende philosophische Staatslenker. Die Politik moderner Staaten ist im Grunde in etwa so angelegt, durch ihre abgeordneten Demokratievollzieher, als Gegenpol bzw. Mitspieler im Kräftespiel zu wirken.
Mittlerweile hat sie ihre Aufgabe aber aus den Augen verloren und pendelt (nur noch) zwischen Volksbegehren und Lobbyarbeit. In Europa überwiegt im grossen und ganzen die Lobbyarbeit, in Amerika ist es noch eher das Volk, das Politik durch viel direktere Zugänge ausgestaltet.

Politiker haben eine wahre Größe, wie sie jeder andere Mensch auch hat. Sie sind mit ihrem autorisiertem Status nur wichtiger, da sie weitreichender entscheiden. Wer auf einem Gebiet gepunktet hat, kann jedoch auf anderen Gebieten schnell zum Tölpel werde. Nach ein, zwei Ausflügen in fremde Gefilde ist es mit der wahren Größe schnell vorbei.

Aber Politiker sind nicht die einzigen, die plötzlich Quatsch machen. Schaue man sich Eva Hermann an. Ausgestattet mit der Möglichkeit unglaublich viele Menschen zu erreichen, nutzt sie ihre Popularität um einen wahrhaftig unglaublichen Fehler zu beghenen, wie man ihn nicht mal im privaten Bereich von vielleicht 10 Menschen duldet. (An die These des cleveren Marketings glaube ich nicht).

Scheint alles nicht so einfach zu sein, wenn man einmal an der Macht ist. Sei sie medial, juristisch, politisch, o.ä..

Besonders schlimm ist aber, dass es zunehmends so kompliziert zu werden scheint, dass man selbst auf seinem eigenen Fachgebiet die Kontrolle verliert und alles den Bach runter geht, wie diese Siemens Untergangsgeschichte zeigt.

Fazit: Bloß nicht an höhere Mächte glauben, die es schon regeln werden. Und niemand hat von amtswegen wahrere Größe.

Luther und Semper

Letzte Woche sind wir etwas den Spuren Luthers gefolgt. Erst nach Eisenach, bekanntlich die erste Übersetzungsstätte der lateinischen Bibel.

Eisenach mit Wartburg

Und dann zu zwei weiteren Stationen in Torgau und Dresden. Wittenberg lag zwar auf dem Weg, aber das schauen wir uns vielleicht später mal an.

Erste evangelisch geweihte Kirche überhaupt (Schlo� Hartenfels in Torgau)

Im Torgauer Schloß Hartenfels hat er den ersten evangelischen Kirchenneubau geweiht. In der Kirche findet sich dann eine nette Widmungstafel, auf der man dem Fürsten dankt, dass er nicht immer auf “jenen (den Papst)” hört.

Herr SemperNun steht Luther vor der Frauenkirche und behütet seine Gemeinde.

Ein weiterer Fakt aus Dresden: Semper hat seine Oper nie fertig gesehen, da er als angeblicher Bösewicht der 1848er Revolution lieber nach Italien flüchtete, als sich in Dresden finden und festnehmen zu lassen. Den Bau hat er aus Italien geleitet - stelle man sich das mal vor, damals als es nur reitende Boten gab. Als Denkmal kehrte er zurück und blickt nun auf die Elbe.

Eigentlich fehlen nun noch einige Worte zu Pöppelmann, immerhin hat er die schönsten Sachen gebaut…

Krumm und Schief in Dresden

Synagoge DresdenUFA Palast Dresden

Vielleicht versucht man sich so gegen die alten Prachtbauten durchzusetzen… Wobei der Synagoge (links) die Himmelsrichtungen zu Grunde liegen, die der Strassenverlauf am Fundament nicht hergibt, daher die “Ostung” nach oben ;-) Das Kino macht dagegen echt was her, auch wenns total sinnlos so hinkelsteinmäßig aussieht.

Dresden


Wartburg


Die stürmen wir jetzt!