Zur Zeit weht ein Hauch schlechter Stimmung durch die deutsche Bloglandschaft. Es gab eine Konferenz namens re:publica, meiner Meinung nach schon vom Titel her einfach ne gute Sache. Dort drehte sich drei Tage alles um Blogs und den Umgang mit diesen - aus Leser und Schreibersicht. Drei Tage quasi-Klassentreffen einer Möchtegern-Klasse.
Nun gibt es Ins-Internet-Schreiber die dort nicht vor Ort waren - aber die ganze Berichterstattung mitbekamen und sich darüber aufregen ausgeschlossen wurden zu sein. Wovon? Der Blogosphäre.
Beispiel hier (abgesehen von dem erkannten Selbstdarstellungsdefizit):
Scheiße, ich war nicht da, das war es wohl mit der Blogger-Zukunft. Ich war nur eine Randerwähnung in der Frankfurter Neuen Presse. Man nimmt, was man kriegt.
Benachbart schreibt man dann hier:
Die Metadiskussionen sind wichtiger Bestandteil der Identitätsfindung eines Mediums, aber nicht ihr gottverdammter einziger Inhalt.
Professionalisierung und Kommerzialisierung der Blogosphäre sind mir so scheißegal wie Weltmeisterschaften im Stricken mit sechs Nadeln.
Man sieht es schon beim lesen - welchen Sinn hat es die Welt darüber zu informieren, dass einem etwas egal ist? Meiner Ansicht nach keinen - es sei denn man möchte aktiv Trotzen. Aus Aufmerksamkeits- oder sonstigen Gründen.
Dabei ist die Sache doch ganz simpel. Wenn man sich manchmal auch etwas noch so sehr wünscht - es geht nicht in Erfüllung. Teilhabe an der Blogosphäre? Das ist nicht möglich. Es gibt keine Blogosphäre! Nach welchen Gesichtspunkten sollte sie sich darstellen? Alle nutzen ein Medium und gehören daher zusammen? Noch nicht mal aus technischer Sicht ist geklärt ab wann Internetsphäre als Blogosphäre anzusehen ist.
Und überhaupt - was hat Holgers Selbstunterhaltungs- und Ausprobierhomepage mit viel gelesenen Seiten wie eben Spreeblick oder Niggemeier zu tun? Gar nichts! Die Relation zur Website des Leipziger Zoos sind die selben - egal was man gern wahrnehmen möchte.
Die Metapher des Eisberges dessen Spitze man sieht ist total überholt. Die Blogosphäre, wenn man sie mal begrifflich aufgreifen möchte ist der ganze weltweite Ozean (vom Eisberg bis zum tropischen Regentropfen). Und überall schwimmen ein paar Eisberge - also dichtere Konglomerate - herum und ragen aus dem Ozean raus. Man kann sie deutlicher sehen, aber mehr auch nicht. Kein Grund sich aufzuregen das man nicht irgendwo dazugehört.

April 16th, 2007 at 13:18
Darf ich mal nachfragen, warum das mit dem “ausgeschlossen fühlen” trotz meiner ziemlich eindeutigen und sogar an dich persönlich gerichteten Verneinung weiter kolportiert wird? Oder ist mittlerweile egal was gemeint ist und es zählt was man verstanden haben will?
Aber das nur am Rande: Sonst ist dem doch weitgehend zuzustimmen was du schreibst. Ja vice versa ist sogar vieles genau das was ich sage und meine Wehklagen richtete sich genau auf das, dass man mittlerweile gleich macht, was nicht gleich ist.
*grübel
April 16th, 2007 at 21:33
Das mit der “Spitze des Eisberges” war ironisch gemeint und auf die Selbstwahrnehmung einiger Blogger gemünzt.
Dein Artikel stimmt mit meiner Meinung überein.
Dass mit dem ausgeschlossen fühlen, hast du bei mir auch falsch verstanden. Dass der Artikel so die Runde macht, hätte ich vielleicht ahnen können, war aber nicht meine Intension.
Ich will nicht Teil einer Blogosphäre sein (die es nicht gibt). Ich will schreiben, gelesen werden, andere lesen. Wenn ich an dem teilhaben will, was ich da kritisiert habe, würde ich ja auch teilnehmen können. Klar oder?
April 16th, 2007 at 22:05
Jo - danke euch beiden. Das “Ausgeschlossensein” hab ich so für mich heraus gelesen und hier in meinem Text benutzt um auf den Begriff der Blogosphäre zu kommen, den halte ich nämlich für weder explizit noch implizit benutzbar.
Aussagen darüber, dass einem etwas scheissegal ist - verbindet einen damit. Wenn etwas tatsächlich egal wäre würde man es nicht erwähnen, eventuell nicht mal wahrnehmen. So ist das auch wenn man über Dinge wie die re:publica schreibt…
Ich finde es interessant wie die Blogosphäre wahrgenommen wird und welche Selbstbeschreibungen in ihr statt finden. Besonders in solchen Momenten wie zur Zeit, in der durch die re:publica besonders viel interne Nähe und Idendität simuliert wird.