Was Professoren nicht verstehen

internet für alleAn der Uni hier in Bielefeld und an vielen anderen Unis sicher auch, gibt es einen Studiengang für Studierende ab 50. Vielleicht ist dieser in Bielefeld besonders weit gediehen, da der Rektor hier Deutschlands führender Experte für lebenslanges Lernen ist (bzw. sein soll - ich recherchier das jetzt nicht nach). Zumindest fallen die 50+ Studierenden durch ihre Häufigkeit in manchen Veranstaltungen schon sehr auf.

Dieser Studiengang ist nur altersbeschränkt und soll seinem Anspruch nach wahrscheinlich denjenigen Menschen die Gelegenheit zum Studium geben, die vor der Bildungsexpansion in den 1970ern nicht zum damals auserlesenen Kreis der Studierenden gehörten.

Er ist ein kleiner Teil des Versuches die Bildungskluft in Deutschland zu schließen. Was er aber gleichzeitig auch tut, ist eine ganze neue Kluft aufzuzeigen - nämlich die zwischen Jung und Alt. Die Grenze liegt irgendwo zwischen dem Geburtsjahrgang 1965 und 1975.

Der große Unterschied hüben und drüben dieser Kluft ist der Umgang mit Computer und im speziellen mit dem Internet. Professoren, und ich meine damit alle die ich persönlich erlebt habe, haben kaum Ahnung vom Internet, selbst wenn “neue Medien” unter anderen Schwerpunkten in ihrem Veranstaltungstitel steht. Professoren die sich allein mit “Medien” beschäftigen halten es für revolutionär einen Veranstaltungsplan bereits 3 Wochen vor Veranstaltungsstart ‘online’ zu versenden.

Nach einem, nicht mitgeschriebenem und deshalb nur quasi-zitierten, Ausspruch eines der Professoren von heute:

Ob Youtube oder anderes einmal das Fernsehen ersetzen wird halte ich für fraglich. Das ist mir zum Beispiel alles viel zu klein und putzelich

malte ich mir folgendes Szenario aus: Er sitzt in seinem Büro und ruft mal wieder nach seiner Sekretärin, da er Probleme mit einer Email hat. Das passierte schon mal in meiner Anwesenheit. Doch diesmal hat sie ein wenig Zeit ihm alles zu zeigen und zeigt ihm zusätzlich noch den neusten Youtubeklatsch, den ihr die Sekretärin von nebenan schickte. Er schaut sich das an, findet es aber nicht so lustig und denkt sich ‘son schruz‘. Auf den Gedanken, dort mal die Suchfunktion mit Irgendetwas selbst zu bestücken, darauf kommt er nicht. Ich weiß noch wie ich mir damals, nach meinem ersten Besuch, stundenlang Hans Zimmer Interviews und Schwimmweltrekorde anschaute. Seit dem weiß ich genau wo ich gucken muss. Im Pop-Archiv. So nennt man es und das zu Recht. Klein und putzelich? Egal - Hauptsache das was ich will und suche und zu meiner Zeit.

Einfach nur Kiste an und gucken is nich mehr. Wer das nicht versteht ist nicht doof aber alt! Und es betrifft nicht nur die Professoren sondern auch die Politiker, die von den Zeitungen und natürlich auch die vom Fernsehen. Alle sind alt und haben nicht wirklich Ahnung vom Internet.

(Bild: alvy)

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