Man könnte ja meinen: Endlich, endlich haben sie den richtigen gewählt. Mich, mich und mich, so egozentrisch wie’s nur der Matrix Mr. Smith kann. Die Time Person of the Year ist dieses Jahr You. Wurde ja in zwischen auch ausgiebigst breitgetreten.
Aber drinnen steckt leider nicht viel mehr als alberne Lobhudelei mit aufwendigem Bildmaterial. Es wurden einfach die gängigen (”Web 2.0″) Internetservices abgeklappert und anhand jeweils einem User ein bisschen was drüber geschrieben. Megan Gill hat nämlich 708 Facebookfreunde und von ihrem richtigen trennte sie sich, indem sie ihren Beziehungsstatus auf “Single” umstellte. Andere performen ihr ganzes Leben Youtubegerecht und Tila Tequila ist die “Madonna von Myspace”. Richtig überraschend ist der Text eigentlich nur kurz, wenn es um Harriet Klausner geht. Sie hat beinah 13.000 Amazon Bücherkritiken geschrieben und schafft das, indem sie 5 Bücher am Tag liest, wobei sie sich darüber wundert, dass einige Menschen eine Woche für ein Buch brauchen. Und dann gibt’s noch ihn, den Wikipedianisten der 90.000 Artikel bearbeitet und 2.000 bis 3.000 selbst erstellt hat. Unglaublich die Leute.
An anderer Stelle im Heft wird auch mal kurz auf die Technik geschaut, allerdings ein bisschen zu kurz meiner Meinung nach. Schließlich ist sie es, die das alles ermöglicht. Die Menschen, also You, gab’s nämlich auch vorher schon…
Und an noch kürzerer Stelle, wurde die Lobhudelei mal etwas eingedämmt und drüber nachgedacht, was wäre, wenn der 11. September fünf Jahre später passiert wäre, in einer Zeit in der die Bilder tatsächlich mit einem Gerät geschossen und versendet werden können und diese Prozedur unendlich kürzer (und damit viel öfter wiederholbar) ist, als dass ein World Trade Center Turm nach einem Flugzeugeinschlag dem Einsturz widersteht. Solche Bilder gab es bisher nämlich nicht mal richtig im Kino.
