Man könnte ja meinen: Endlich, endlich haben sie den richtigen gewählt. Mich, mich und mich, so egozentrisch wie’s nur der Matrix Mr. Smith kann. Die Time Person of the Year ist dieses Jahr You. Wurde ja in zwischen auch ausgiebigst breitgetreten.
Aber drinnen steckt leider nicht viel mehr als alberne Lobhudelei mit aufwendigem Bildmaterial. Es wurden einfach die gängigen (”Web 2.0″) Internetservices abgeklappert und anhand jeweils einem User ein bisschen was drüber geschrieben. Megan Gill hat nämlich 708 Facebookfreunde und von ihrem richtigen trennte sie sich, indem sie ihren Beziehungsstatus auf “Single” umstellte. Andere performen ihr ganzes Leben Youtubegerecht und Tila Tequila ist die “Madonna von Myspace”. Richtig überraschend ist der Text eigentlich nur kurz, wenn es um Harriet Klausner geht. Sie hat beinah 13.000 Amazon Bücherkritiken geschrieben und schafft das, indem sie 5 Bücher am Tag liest, wobei sie sich darüber wundert, dass einige Menschen eine Woche für ein Buch brauchen. Und dann gibt’s noch ihn, den Wikipedianisten der 90.000 Artikel bearbeitet und 2.000 bis 3.000 selbst erstellt hat. Unglaublich die Leute.
An anderer Stelle im Heft wird auch mal kurz auf die Technik geschaut, allerdings ein bisschen zu kurz meiner Meinung nach. Schließlich ist sie es, die das alles ermöglicht. Die Menschen, also You, gab’s nämlich auch vorher schon…
Und an noch kürzerer Stelle, wurde die Lobhudelei mal etwas eingedämmt und drüber nachgedacht, was wäre, wenn der 11. September fünf Jahre später passiert wäre, in einer Zeit in der die Bilder tatsächlich mit einem Gerät geschossen und versendet werden können und diese Prozedur unendlich kürzer (und damit viel öfter wiederholbar) ist, als dass ein World Trade Center Turm nach einem Flugzeugeinschlag dem Einsturz widersteht. Solche Bilder gab es bisher nämlich nicht mal richtig im Kino.
27.12.2006 (0)
Ich hab am Mittwoch Helge Schneider bei Harald Schmidt verpasst und überhaupt hab ich von den ganzen Dezember Schmidtausgaben vielleicht 2 oder so gesehen, viel zu wenig. Gestern hab ich die Sendung aber gesehen und war froh darüber, denn nun gibt’s ja erstmal wieder die obligatorischen Festtagspausen.
Allerdings fand ich’s gestern äußerst schlecht. Aus 30 min Harald Schmidt wurden nur 10 und den Rest der Zeit durfte man sich ein Interview anschauen - Schmidt als Journalist und Olli Dittrich als Franz Beckenbauer als Gast. Irgendwie tat mir beim zusehen schon das Publikum leid - man reist extra an um Schmidt zu sehn und wird dann mit 20 min Konserve abgetan.
Im nachhinein hatte ich den Eindruck, es war wieder eins dieser Satiredinger. Ein Interview als Jahresrückblick - aber im Gegensatz zu allen anderen TV-Versuchen, bei Schmidt zum Unterschied ohne den kleinsten Versuch der Sensation, ohne Witz und erst recht ohne Höhepunkte. Das sah die FAZ aber irgendwie anders.
Nachdem ich das nun gelesen hab, finde ich Olli Dittrich noch blöder.
22.12.2006 (0)
Es gibt verschiedene Vorschläge über die man abstimmen kann. Ich hab mich entschieden. Platz 3 ist dieses, meine Kanzlerin in Freude. Platz 2 ist dieses, wie sie den Herren den Weg zeigt. Und auf Platz 1 steht bei mir folgendes:

(via)
20.12.2006 (0)
Dieses Buch ist wirklich gut. Da ich, wenn ich überhaupt komplette Bücher lese, dazu neige eher keine Romane zu lesen, finde ich eigentlich jeden gelesenen Roman gut, da er andererseits schon aussortiert worden wäre.
Aber dieser hat die spezielle Komponente des besonderen Autors, die beim Lesen die ganze Zeit nicht aus dem Blick fällt. Denn es ist William Cohen, der ehemalige amerikanische Verteidigungsminister (der vor Rummsfeld), der diesen Roman über einen amerikanischen Aussenminister schreibt, der sich heldenhaft und mit viel körperlichem Einsatz zwischen die politischen Fronten des Weltgeschehens wirft um gleich den ganz grossen Krieg zu verhindern.
Die Heldenhaftigkeit wird verlangt, da ansonsten nichts funktioniert wie man es “dem System” unterstellt. In dieser Geschichte ist China zu groß um regiert zu werden, Russland ist zu verwirrt um überhaupt personenunabhängige Strukturen zu etablieren, im amerikanischen Washington wird der Präsident durch seine Berater entmündigt und die Geheimdienste kennen nur sich selbst.
Nur der von aussen ins politische System hineingeschlitterte Aussenminister ist in der Lage, die Sachlagen vernünftig zu beobachten und gemäß seines Handlungsspielraums zu kontrollieren. Am Ende ist es eigentlich nur Glück, dass die Welt nocheinmal davon kommt…
Einen Roman (…), der sich mit den Belastungen und Spannungen heutiger Weltpolitik auseinander setzt…
…wollte er schreiben. Aber wenn die Welt so ist, wie sie in dieser Geschichte steht, kann man nur hoffen, dass nicht wirklich irgendwann einmal die ganze Welthistorie davon abhängt, ob sich zwei Menschen in entscheidenden Positionen (auf der selben Seite stehend) mögen oder ob ein Mobiltelefonakku hällt oder nicht.
Insgesammt zum untehaltsamen Lesen von mir empfohlen ;-)
18.12.2006 (0)
Aber er spricht vom “Wir”:
„Wir wollen ja auch Meister werden, wir wissen nur noch nicht in welchem Jahrhundert.“
(Bielefelds Trainer Thomas von Heesen)
hier
17.12.2006 (0)
Ich war letzte Woche in der Zeitung. Und muss ausserdem mal erwähnen: Die Sparkasse, drüber gejammert und aufgeregt, weiss was sie mit ihrem Geld zu tun hat. Sie steckt es in ihre Stiftung und diese fördert mit riesigen Geldbatzen uns Schwimmer, die Handballer, die Museen, die Künstler und sie stiftet einen Wissenschaftspreis in Gedenken an Niklas Luhmann. Durch die Sparkassenstiftung gibt’s in Bielefeld sogar echte Bären. Keine 30 Gehminuten und ohne Eintrittspreis von hier wo ich grad sitze.
Nuju - auf dem Bild: Das Team, die Racker, Herr Vogt von der Sparkasse Bielefeld und ich. Vergrössert ist’s eins der Originale
17.12.2006 (0)
Ich hatte mir im August einen Ipod geholt. Und ausser den kleinen Anfangsschwierigkeiten hatte ich mit ihm immer meinen Spass. Nur irgendwann fing er an zwischendurch einfach auszugehen. Bzw. schaltete er sich nicht aus, sondern blieb wie ein Windows PC einfach hängen, was man ja nun so gar nicht von einem Apple Produkt erwartet. Ich hab das dann ne Weile hingenommen, bis ich mich Ende November doch entschied, ihn mal zurück in den Laden zu bringen, damit er mal durchgechecked wird. Heut (nach 3 Wochen…) bekam ich ihn nun wieder. Auf der Reperaturquittung stand “Funktionstest ok. kein Fehler gefunden.” Dennoch bekam ich einen niegel-nagel neuen Ipod. Und das, ohne dass der Elektronikmarktangestellte davon wusste.
Apple scheint so viele von den prä-facelift Ipod Nanos rumliegen zu haben. Die verschenken sie einfach…
17.12.2006 (0)
“Fanmeile” ist nun das Wort des Jahres 2006. Das find ich gut! Aber die anderen Worte des Jahres, es sind ja jeweils 10, sind auch nicht schlecht. “Problembär” und “Kliensmänner” sind auch ganz passend, “Rechtschreibfrieden” hab ich allerdings auf dieser Liste das erste Mal gelesen. Eine insgesammt sehr gelungene Wortschöpfung ist aber meiner Meinung auch das “Prekariat”, denn bei dem ganzen Unterschichtengelaber - bei dem der eine beschreiben, der andere werten und der dritte erklären will - kommen Worte wie Prekariat genau richtig.
15.12.2006 (0)
Die große weite Welt soll Eins werden. In den letzten hunderten von Jahren wurde auch einiges getan damit das alles klappt. Die ganze Kleinteilerei wurde aufgehoben. Die Differenzierung der Welt in viele gleiche Segmente gibt es nicht mehr, dafür die Aufteilung der Welt in unterschiedliche Aufgabenbereiche - und viele davon global. Luhmann und andere nennen dies funktionale Differenzierung.
Es wird dabei beschrieben das viele (und zunehmend mehr) Einzelsysteme spezialisierte Formen annehmen und ihre Wirkungsweise über die ganze Welt spannen. Angefangen hat das mit dem Handel. Dann kam der Sport, die Bildung und mit ihr die Wissenschaft und ein paar weitere. In jeweils allen Bereichen weltweit die selben, enggefassten, akzeptierten Standarts.
Seit es so ist, dass wissenschaftlicher Fortschritt (egal wo auf der Welt) wirtschaftlich umgesetzt werden kann (auch global) und weiteren Wissensfortschritt forciert blüht die Welt praktisch (nicht überall aber mehr als jeher).
Das Problem: Eins unserer wichtigsten Funktionssysteme spielt in diesem fröhlichen Miteinander nicht mit, weil es das (nocht) nicht kann - die Politik. Sie agiert nicht global, sie henkt am Nationalstaat und das 196 mal auf der Welt.
Luhmann meint das sei so da die Welt zu unterschiedlich ist - politische Entscheidungen müssten jeweils nationalen Bedingungen angepasst werden. Ein weiterer Punkt: Politik muss sich legitimieren bevor sie loslegt. Wissenschaftler und Manager oder Sportler müssen das nicht. Sie nehmen teil indem sie sich an Standards orientieren. Der Wissenschaftler weiss: wahr ist was (für viele) plausibel ist; der Manager lernt und weiss was Geld bringt; der Sportler trainiert und ist erfolgreich und dabei. Der Politiker jedoch möchte Entscheiden, darf das aber nicht (einfach so).
Die Demokratie fesselt die Politik also an den Nationalstaat und sein mit der Legitimation beauftragtes Volk und kann dadurch nicht im Weltweiten Konzert des Fortschritts mitspielen. Ein echtes Problem, vor allem für die Politiker, da sie so tun müssen als könnten sie es doch damit sie überhaupt noch legitimiert werden.
11.12.2006 (0)
Jedes Mal, wenn ich meinen Browser öffnene, springen mir exakt 30 brandaktuelle Newsüberschriften entgegen. Eine davon lautet im Moment so: Schwarz-Pharma schenkt jedem Mitarbeiter 10.000 Euro.
Ich weiss nicht mehr wo ich es gelesen hatte aber irgendjemand der sich damit auskannte meinte, die WM 2006 hätte in der deutschen Bevölkerung Glücksmomente ausgelöst, für die man jedem Einzelnen ansonsten hätte 500 Euro schenken müssen.
Bei Schwarz-Pharma bekommt also jeder Angestellte 20 WM Glücksmomente geschenkt, einfach so. Während die Franzosen gerade für ihr ultimatives WM Glück klagen (letzter Beitrag).
08.12.2006 (0)
Vor einiger Zeit wollte ich in meinem ersten Writley-Überschwall schon wieder übers coole Internt und Google los lobhudeln, hab ich mir damals aber verkniffen. Aber nun, nach einigen Wochen der aktiven Nutzung, will ich es doch kundtun: Google ist cool und alles andere nicht.
Wer einmal dieses tolle spreadsheet und docs dingens ausprobiert hat, tritt alles ander in die Tonne oder lässt es gleich Links liegen. Ich frag schon gar nicht mehr nach Word, oder den anderen Kram. Ich suche auch nicht mehr lange nach meinem USB Stick. Und ich mache mir auch keine Gedanken darüber ob ich meine Hausarbeit dort weiter schreibe wo ich sie begonnen habe, oder ob ich sie dort ausdrucke wo ich sie zu Ende schrieb. Das sind quasi alles nur noch Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit.
Der einzige (potentielle) Minuspunkt ist, das mein schöner Text wer-weiss-wo (potentiell) zu finden wäre… Aber solange ich es weder mit geheimen noch (finanziell) wertvollen Sachen zu tun habe, kommt mir das alles sehr recht und belebt mich mit Satisfikation.
(das letzte Wort las ich grad bei Luhmann, sehr schöne Sprache)
03.12.2006 (0)