Romane, die die Welt erklären

William CohenIch zitere mal kurz aus einem tollen Roman:

Das Amerika, das ich sehe, ist eine Nation im fortgeschrittenen Stadium des Zerfalls, ein Amerika, das überall wild nach Terroristen schlägt und seine Linie verliert.

Die moralische Kraft des Landes ist ausgehölt. Es ist verbraucht von Drogen, Sex, Vergnügungssucht, Bequemlichkeit.

Klar, das kann jeder schreiben. In diesem Falle kommen die Worte aber von William Cohen, dem ehemaligen amerikanischen (republikanischen) Verteidigungsminister unter (dem demokratische Präsidenten) Bill Clinton. Es ist zwar ein Roman, so dass Cohen diese Worte auch nicht sich sondern einem russischem Schurken zurrechnet, der anstrebt russischer Präsident zu werden, dennoch ist das alles ziemlich interessant zu lesen.

Der allwissende Erzähler begleitet den amerikanischen Verteidigungsminister, seinen chniesischen Kollegen und den zitierten russischen Mafiya Boss. Und anscheinend funktioniert nirgendwo etwas ohne geheime Kanäle, untereinander verheimtliche Wahrheiten und Gespräche off the record.

Das ganze Buch wird eine beinah intrigante Politik praktiziert. Aber ganz ohne das dies explizit so dargestellt wird. Es scheint, so wie geschrieben, ganz normal zu sein. Memo hier, Geldnote dort. Da wird mir ganz komisch zu Mute, da es ja nun gerade nicht von irgendwem geschrieben wurde…

Vielleicht heisst es doch ganz absichtsvoll “Die Verschwörer” statt “Die Verschwörung” wie ich es auf den ersten Blick im Laden laß.

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