Irren ist weltlich

Also, Luhmann sagt, damit die Welt funktioniert wie sie es tut oder tun soll oder immer tat und deswegen weiter tun soll - braucht es nur den Fall das

fast alle unterstellen, daß fast alle zustimmen, (… bzw. …) fast alle unterstellen, daß fast alle unterstellen, daß fast alle zustimmen

bei dem wie’s läuft. Man denkt sich die Welt einfach so zurecht, wie man sie gern hätte und hofft das niemand widerspricht wenn man seine Maximen praktiziert.

Allerdings beschreibt Luhmann die Welt losgelöst von den Dingen, als Beobachtung von Beobachtung. Wir können die Welt nicht selbst beobachten, sondern sind auf die Beobachtungen angewiesen, die wir machen während wir zuschauen wie die Welt dargestellt wird. Und eigentlich kommt in unserem Gehirn gerade mal ein bisschen mehr an als ein kleines Zucken.

Nun kann man allen anderen zuschauen, wie sie die Welt beobachten, als was sie die Welt hinstellen, wie sie sie erfahren und verarbeiten (zumindest die Produkte davon). Wie aber kann man sich selbst beim Welt beobachten beobachten? - Gar nicht.

Deswegen ist der

Beobachter selbst (…) in dieser Operation (…) der ausgeschloßene Dritte.

Man nimmt an der Welt, der man so vieles unterstellt, gar nicht teil wie diejenigen die man beobachtet und denen man quasi unterstellt. Und das trifft für alle zu. Jeder hat seine eigene kleine Welt in der alle stattfinden ausser man selbst.

Deswegen braucht man sich gar nicht wundern, wenn man sich mal irrt.

3 Kommentare zu “Irren ist weltlich”

  1. la deutsche vita Says:

    Ich glaube Du hast nicht ganz recht. Auch in Luhmanns Welt kann man einfach so die Welt beobachten. Beobachten heißt nur, eine Unterscheidung treffen, z.B. zwischen Stadt und Land, zwischen reich und arm, zwischen Oberschicht und Unterschicht oder zwischen gut und böse. Dann hat man, je nach Unterscheidung, einen ganz bestimmten Zugang zur Welt, an den dann bestimmte zukünftige Beobachtungen gut anknüpfen können, also Sinn machen, und andere weniger gut, also eher Nonsens sind. Und der Beobachter erster Ordnung kann sich zwar selbst nur schwer beim Beobachten zusehen, aber er kann trotzdem ein Bild von sich selbst in der beobachteten Welt unterbringen.

    Trotzdem geht Luhmann aber davon aus, dass Gesellschaft, also Interaktion oder Kommunikation, vor allem auf Beobachtungen zweiter Ordnung beruht, also der Beobachtung von Beobachtern, der wechselseitigen Erwartung. Das ist eben der Unterschied, ob man alleine an einer Ampel steht, auf grün wartet, und dann losgeht, oder ob einem ein anderer Mensch in einer Tür entgegenkommt, beide sich gegenseitig den Vortritt lassen, dann gleichzeitig losgehen, dann wieder stoppen, dann sich wieder höflich den Vortritt lassen, usw. Im ersten Fall wird direkt beobachtet, im zweiten wird neben der direkten Beobachtung (”Da ist die Tür) auch indirekt beobachtet (”Lässt er mir den Vortritt? Geht er jetzt los?”). Letzteres ist in einer Gesellschaft ganz normal. Für Soziologen ist es aber auch das eigentlich interessante, denn nur durch Interaktion, durch wechselseitige Verhaltenserwartungen, entstehen Normen, Regeln, Institutionen, die dann wiederum determinieren, wer zuerst durch die Tür gehen darf (Ladies first, Den Älteren Vortritt lassen). Und was hat das mit Irren zu tun? Irren ist normal. Immer dann, wenn die eigene Konstruktion der Welt nicht von der Mehrheit der anderen geteilt wird.

    Übrigens beschreibt Luhmann nicht die Welt losgelöst von den Dingen, sondern die Gesellschaft. Welt ist alles. Weltgesellschaft dagegen nur Kommunikation. Ich glaube zwar nicht, dass es für eine gute Gesellschaftstheorie zwingend ist, vom Individuum, vom Akteur zu abstrahieren und nur anschlussfähige Kommunikation als Gesellschaft zu bezeichnen, aber es spricht bei einem breiten Kommunikationsbegriff, der auch anschlussfähiges Handeln einschließt, auch nichts dagegen.

  2. amazeman Says:

    jo - du hast recht. ich hab welt und gesellschaft vermanscht… so haarklein durchdacht hab ich es beim schreiben auch nicht - ich hatte heut nur zufällig den einen text zur “Weltgesellschaft” aus Gesellschaft der Gesellschaft und “Institutionen” aus Rechtssoziologie in der hand und wollte sie verbinden.
    einerseits die unbewusste erwartung gleicher unterstellungen und andererseits die unterschiedlichen aufassungen der gesellschaft - das fand ich witzig.

    das Irren meinte ich dann nur in bezug auf unberechtigte vorurteile, unerwarteter widerstand usw. was man eben so kennt aus dem alltag.

    beim nächsten mal werd ich die begriffe nochmal abklopfen bevor ich auf speichern klicke!

    danke für die irritationen :-)

  3. la deutsche vita Says:

    jaja, irren ist weltlich. passiert mir auch dauernd ;-)

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