Die Professoren Kläuse aus den Städten mit dem B

klaus & klausGestern war es in der 3 Sat Kulturzeit mal wieder so weit. Soziologieprofessoren waren gefragt. Nachdem die Wahl meistens auf Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (links) von meiner Uni in Bielefeld fällt wenn ein Soziologe gefragt ist - der sich dann auch immer recht gern zu dem ein oder anderen Thema äussert, war gestern der Bremer Soziologe Prof. Dr. Klaus Boehnke von der dortigen IUB dran. Thema waren die fahnenschwenkenden Deutschen zu denen er sich äusserte (Video in der Sidebar).

Herr Hurrelmann ist häufig nur ein Poser - doch Herr Böhnke hat mich enttäuscht… Er wurde wurde gefragt was er denn gegen das deutsche Verhalten habe:

Also ich würde garnicht mal das Argument bemühen das Deutschland ein schwieriges Vaterland ist, dem man sich nicht wirklich mit der Nationalfahne irgendwie präsentieren sollte.
Was mir als wichtiger erscheint ist, das diese nationale Symbolik ja etwas aus meiner Sicht völlig altmodisches ist. Nation und Pratriotismus und Schwarz, Rot, Gold ist etwas das kommt aus dem 19. Jahrhundert und hier wird einfach so getan als würde es taugen für das 21. Jahrhundert und in diesem Sinne wird Rückbesinnung verlangt. und das kann eigentlich nicht stimmen - wir können uns nicht auf etwas Rückbesinnen das im 19. Jahrhundert hervorgebracht wurde.

Die Sachlage ist aber tatsächlich so: Diese Brücke zwischen dem Patriotismus des 19. Jahrhunderts und der aktuellen Stimmungslage in Deutschland gibt es garnicht. Denn das wir zur Zeit alle Schwarz-Rot-Gold tragen liegt allein daran das es die Farben unserer Nationalmannschaft sind - die wir grade vollkommen begründet unterstützen. In Zeiten ohne WM vergräbt sich jede Bundesligastadt in ihren Vereinsfarben - in Zeiten einer WM, vor allem da sie gerade hier stattfindet, hüllen wir uns überall in Deutschland in die Farben die uns als einzige verbinden. Der einzige Grund warum wir diese Farben rausholen ist ein aktueller Gewinn unserer Mannschaft, und das wir sonst keine Symbole dafür haben.
Es wird auch nicht so getan “als ob” das zeigen unserer Fahne was taugen würde - Sie wird gezeigt weil es ein ehrlicher Ausbruch aktuellen Gefühls ist.

Ganz abgesehen davon - wieso kann man sich nicht auf alte Dinge zurückbesinnen - und was sollte daran nicht stimmen wenn man es tut?
Das alles ist meiner Ansicht nach weder eine “Rückbesinnung” noch wird soetwas auf irgendeine Art “verlangt“. Was zur Zeit stattfindet ist eine ganz besondere, einzigartige und absolut geniesbare Deutsche Aktualität und die einzige Geschichte die uns interessiert ist die WM Historie der letzten hundert Jahre.

…die Soziologie ist doch eine empirische Wissenschaft.

(ein bissl zusammeneditiert von mir am 23. Juni - 15 Uhr)

8 Kommentare zu “Die Professoren Kläuse aus den Städten mit dem B”

  1. Lisa Rosa Says:

    Endlich mal was Gescheites zum Thema Nationalfahnenschwenkerei:

    Klaus Hurrelmann, Bielefeld - oder war es nun Klaus Boehnke

  2. Lisa Rosa Says:

    hier war mein Kommentar beschnitten worden, also noch mal:
    Klaus Hurrelmann, Bielefeld - oder war es nun Klaus Boehnke, Bremen? - das ist etwas unklar, aber nicht so wichtig, dafür ist wichtig, daß die Einschätzung richtig:
    via amazemans journal (Rechtschreibung bereinigt):

    “Also ich würde garnicht mal das Argument bemühen, daß Deutschland ein schwieriges Vaterland ist, dem man sich nicht wirklich mit der Nationalfahne irgendwie präsentieren sollte.
    Was mir als wichtiger erscheint ist, daß diese nationale Symbolik ja etwas aus meiner Sicht völlig Altmodisches ist. Nation und Patriotismus und Schwarz, Rot, Gold ist etwas, das kommt aus dem 19. Jahrhundert, und hier wird einfach so getan, als würde es taugen für das 21. Jahrhundert, und in diesem Sinne wird Rückbesinnung verlangt. Und das kann eigentlich nicht stimmen - wir können uns nicht auf etwas rückbesinnen, das im 19. Jahrhundert hervorgebracht wurde.”

    Und hinzuzufügen wäre: Wir wollen und dürfen uns auch nicht auf etwas rückbeziehen, was wir im 21. Jahrhundert, in dem es mit der Bedeutung des Nationalstaats rasant zuende geht, nicht nur nicht mehr gebrauchen können, sondern uns auch am Erwerb von Zukunftsfähigkeit hindert.

    Und weiter geht’s noch da: http://lisarosa.twoday.net/stories/2235534

  3. amazeman Says:

    ja - aber dann hast du meinen beitrag ja garnicht gelesen - ich versteh denn sinn nicht die fussballhysterie mit nationalstolz zu vermengen - das ist der selbe schwachsinn wie aus sozialen problemen ethnische zu machen… find ich doof!

  4. amazeman Says:

    das zitat ist von boehnke!

  5. Lisa Rosa Says:

    Na klar, hab ich Deinen Beitrag gelesen! Aber ich sehe es etwas anders als Du: Guck mal in die Selbstauskünfte der Fahnenschwenker. Die fühlen zuweilen wirklich patriotisches, was auch immer außer Harndrang sie damit meinen, und denken darüber nach, wie “normal” oder wie “mutig” sie nun sind, daß sie sich trauen, soetwas zu fühlen. Diese Selbstauskünfte kannst Du doch nicht außer acht lassen, wenn Du empirische Soziologie zu diesem Phänomen betreiben willst - ;-) Die Debatte findet ja nicht nur in den offiziellen Mass.media statt, sondern auch in der Blogosphere - und wie!

  6. amazeman Says:

    selbstauskünfte hin oder her - also soziologe interessiert man sich nicht für meinungen der menschen - sondern für deren verhalten - warum tragen alle schwarz/rot/gold und singen ihre hymne? weils keine andere möglichkeit gibt die nationalmannschaft zu unterstützen… falls deutschalnd nciht weltmeister wird werden sich die leute wundern wie schnell sie sich affig vorkommen wenn sie im 20. juli noch immer mit nem fähnchen auf dem dach rumfahren…

  7. Lisa Rosa Says:

    OK. Da is was dran. Mal sehn, was mit den Fähnchen nach dem 20. Juli passiert. To prove the pudding, is eating the pudding. Ich schau nach dem 20. dann wieder hier vorbei. Und dann haben wir eine neue empirische Diskussionsbasis ;-)

  8. amazeman Says:

    genau - so funzt das mit der soziologie - gucken und warten ;-)

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