In seinem 1987 veröffentlichten Werk „soziale Systeme“ widmet Niklas Luhmann dem Sinn ein gesamtes Kapitel. Hier die wichtigsten Eckpunkte:Max Weber begann mit dem Sinn im Handeln. Diese Auffassung von Sinn ordnet den Sinn einem Menschen zu der eine Handlung ausführt. Alfred Schütz verfeinerte dies in dem er vom Handlungsentwurf sprach der bereits vor der präsenten Handlung Sinn enthielt. Für Schütz wie Weber war die Sozialwissenschaft daher eine Handlungstheorie. Alles Soziale basierte auf Handlungen und ihrem Sinn. Luhmann übernahm die Ansicht das sich alles Soziale auf den Sinn beziehen läst. Allerdings entkoppelt er Sinn von Handlung und damit vom Bewußtsein des Menschen.
Luhmann beginnt das Kapitel über Sinn mit der Anmerkung, dass Sinn als „Thema, (…) psychische und soziale Systeme gemeinsam betrifft“. Beide Systemarten sind selbsreferentielle Sinnsysteme die einerseits auf Basis von Bewusstseinszusammenhängen andererseits auf Basis von Kommunikationszusammenhängen beruhen. Psychische und soziale Systeme sind in ihrer „Systemart (…) notwendige Bedingung der jeweils anderen“. (S. 92) Damit löst er den Sinn von der Handlung bzw. vom handelnden Menschen. Sinn ist für Luhmann, wie sich an späteren Textstellen zeigt, eine innerhalb des Systems konstituierende Angelegenheit. Auch wenn dieses System, als ein soziales, auf Kommunikation und damit nicht auf einer Gedankenkette beruht und so im alltagsweltlichen Sinne über kein Bewusstsein verfügt. Auf die Möglichkeiten der Erkenntnis hat dies große Auswirkungen. Da sich Sinn im jeweiligen System selbst, und nur dort, konstituiert – also nicht übertragbar ist. Sinn, wie in Weber einführte, bleibt in seiner Gestalt dem Beobachter unzugänglich. Sinn ist nach Luhmann eine höchstpersönliche Angelegenheit eines jeden Systems. „Sinn stattet das je aktuell vollzogene Erleben oder Handeln mit redundanten Möglichkeiten aus“. (S. 94) Sinn „bezieht nicht nur Wirkliches (…) sondern auch Mögliches (…) und Negatives“ ein. (S. 93) Sinn konstituiert sich also nicht nur aus dem tatsächlich präsentem Handeln, Erleben, Beobachten sondern schließt auch das prozessieren alternativer Möglichkeiten mit ein. Der Sinn spannt um jede Aktualität eine Virtualität. „Das Sinnprozessieren ist vielmehr ein ständiges Neuformieren der sinnkonstitutiven Differenz von Aktualität und Möglichkeit. Sinn ist laufendes Aktualisieren von Möglichkeiten. Da Sinn aber nur als Differenz von gerade Aktuellem und Möglichkeitshorizont Sinn sein kann, führt jede Aktualisierung immer auch zu einer Virtualisierung der daraufhin anschließbaren Möglichkeiten.“ (S. 100) Hieran kann man die Wichtigkeit des Hinzuziehens der Zeit ermessen, was Schütz bereits an Weber als fehlend kritisierte. Denn der auf den Möglichkeiten prozessierte Horizont der Virtualität ist abhängig von der Vergangenheit – den gemachten Erfahrungen und Erlebnissen. Alles Aktuelle hat nur im Horizont von Möglichkeitsanzeigen Sinn. (S. 100) Damit löst Luhmann die Erkenntnis von der Welt der Dinge. „Bis in die Neuzeit hinein war die Welt mit Hilfe eines Dingschemas beschrieben worden“ (S. 98) Nun wird die Welt allein anhand ihrer erfahrenen Aktualität und der dazugehörigen Virtualität ermessen. Wie wichtig die Einbeziehung der Virtualität ist zeigt sich in Luhmanns Text wenn er den Sachverhalt der Information beschreibt. Der Zustand eines Sinnsystems kann laut Luhmann von außen verändert werden. Jede Veränderung würde die Perspektive auf die Virtualität, also die Lage des Möglichkeitshorizontes, verändern. Diese Veränderung vollzieht sich nach Luhmann durch Information. Denn diese ist ein Ereignis das „den Systemzustand geändert“ (S. 102) hat und damit einen „Struktureffekt“ (S. 102) hinterlässt. Die Information tritt zwar als Ereignis einmalig und unwiederholbar auf, geht dem System aber nicht verloren. (S. 102) Sie steht damit dem Bewusstsein beim Prozessieren von Phänomenen zur Verfügung. Sie gehört, trotz eigener Inaktualität, zur Virtualität, also zum Phänomen aktueller Ereignisse.
Die prozessierten Ereignisse konstituieren Sinn. Jedes Mal wenn Information als Ereignis auftritt wird eine neue Aktualität in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Dieser erfordert jedes Mal die Generierung einer dazugehörigen Virtualität. Dadurch entsteht eine geschlossene Kette von Verweisungen. Jedes Ereignis verweist auf ein vorheriges Ereignis. Jede Aktualität bezieht Erfahrung mit ein. „Die zirkuläre Geschlossenheit dieser Verweisung erscheint in ihrer Einheit als Letzthorizont alles Sinnes: als Welt.“ Mit der Einheit der Verweisungen als Letzthorizont bezieht sich Luhmann auf die Lebenswelt wie Husserl es in seine Arbeiten über Phänomenologie auf seine Weise tat. Luhmann übernimmt dabei das Konstrukt aus hereingetragener Erfahrung und hinzugenommenem Möglichkeitshorizont. Husserl sprach von einem individuellen und „unenthüllten Horizont“. (Husserl, 1977, S. 136) Luhmann übernimmt genau diese Begrifflichkeit und schreibt von der „Unausweichlichkeit und Unnegierbarkeit“ von Welt und Sinn. „Jeder Versuch, sie gedanklich zu überschreiten, weitet sie nur aus; er muss Sinn und Welt in Anspruch nehmen und somit das sein, was nicht zu sein er sich bemüht.“ (S. 105) Und weiter: „Sie (die Welt) ist momentan und überhaupt vorauszusetzende Geschlossenheit der Zirkularität sinnafter Selbstreferenz“ Luhmann sprach in dem Zusammenhang von einer ursprünglichen Differenz zwischen Gott und etwas anderem wie nur Gott sie tun erkennen kann. Er selbst ist die Differenz zur Welt selbst. Und schuf bei der Kreation der Welt sogleich die erste Differenz.4 Somit ist Luhmann an dieser Stelle an einer Unanzweifelbarkeit angekommen wie Husserl sie in der Cartesianischen Meditation für die Wissenschaft suchte. Um den grundlegenden Sinnbegriff abzuschließen und als Fazit darzustellen eignet sich diese Textstelle: „Wir gehen (…) davon aus, dass in aller Sinnerfahrung zunächst eine Differenz vorliegt, nämlich die Differenz von aktual Gegebenen und auf Grund dieser Gegebenheit Möglichem. Diese Grunddifferenz, die in allem Sinnerleben zwangsläufig reproduziert wird, gibt allem Erleben Informationswert.“ (S. 111)
Im fortlaufenden Kapitel beschreibt Luhmann unterschiedliche, ausdifferenzierte Sinndimensionen. Sachdimension, Zeitdimension und Sozialdimension sind notwendig. Jede dieser ausdifferenzierten Sinndimensionen besteht wiederum aus einer Differenz – den Horizonten des Möglichen. Dieser Horizont ist in jeder der Dimensionen mit dem der Welt gleichzusetzen. Die Dimensionen unterliegen also keiner Einschränkung innerhalb den Horizonten der gesamten Lebenswelt. (S. 112) Diese Dreiteilung des Sinnes war auch einer der Kritikpunkte den Schütz gegenüber Weber hatte – da er diese Ausdifferenzierung des Sinnes vermisste. (Eberle, 2000, S. 29)
Luhmann sieht diese Dreiteilung als ein methodisches Konstrukt. „Sachdimension, Zeitdimension und Sozialdimension können nicht isoliert auftreten, Sie stehen unter Kombinationszwang.“ (S. 127)
Wie Schütz unterstreicht Luhmann die Wichtigkeit dieser Aufteilung. So ist die „Zeit (…) für Sinnsysteme die Interpretation der Realität im Hinblick auf eine Differenz von Vergangenheit und Zukunft“ (S. 116) Sie ist demnach Grundlegend für das Prozessieren von Ereignissen. Vergangenheit oder Zukunft spielen dabei aber eine indirekte Rolle. Die Horizonte des Möglichen zwischen denen sich das Erleben abspielt sind aus der Perspektive des Erlebenden nicht veränderbar „weil sich mit dem voranschreiten in der Zeit die Zeithorizonte Verschieben. Zukünfte und Vergangenheiten können, und in dieser Hinsicht sind sie völlig gleich, nur intendiert bzw. thematisiert, nicht aber erlebt oder behandelt werden.“ (S. 117) Luhmann beschreibt den Zustand der Gegenwart anhand der Möglichkeit Ereignisse direkt zu Verändern. Wenn sie irreversibel werden liegen sie außerhalb der Gegenwart und man kann auf sie nicht mehr zugreifen. Das besondere an der Zeitdimension ist aber, dass man den Sinn von Vergangenheit oder Zukunft in die Gegenwart holen und nutzen kann. Die Freiheit auf vergangenen oder zukünftigen Sinn zuzugreifen ist Geschichte. (S. 118)
Die Sachdimension ist die im Großen und Ganzen bisher behandelte Sinndimension.
Die Sozialdimension ist für Luhmann ähnlich der Sachdimension. Sie dürfen dennoch nicht mit einander verwechselt oder vermengt werden. Die Sozialdimension spannt wie die anderen Sinndimensionen einen Möglichkeitshorizont auf. Dieser „wird in dem Maße relevant, als sich im Erleben und Handeln abzeichnet, dass die Auffassungsperspektiven, die ein System auf sich bezieht, von anderen nicht geteilt werden.“ (S. 120) Die Bezugspunkte der Sozialdimension sind allerdings nicht die Dingschemata sondern die der Moral. „Die Moral bezeichnet die Bedingungen, unter denen Personen einander und sich selbst achten bzw. missachten können.“ (S. 121) Damit löst sich die soziale Sinndimension ganz aus der beschriebenen Sozialpyhsik heraus. Luhmann spricht für die Sachdimension von „Realistik“ in der Sozialdimension spricht er von „Moralistik“. Beide konstituieren sich anhand der Verweisungsstruktur die sich im Erleben generiert. Luhmann macht dabei aber keine qualitativen Unterschiede. Im „Alltagsleben ist die Orientierung an Bedingungen für Achtung und Missachtung ebenso unentbehrlich wie die Orientierung an Dingen.“ (S. 122)
Luhmann orientiert sich mit seiner Auffassung von Sinn an Husserl, geht aber in der Analyse weiter. Er differenziert Sinn und Welt in dem er Sinn als den Unterschied zur Welt darstellt, wie Ordnung eine Differenz von Störung, Information von Rauschen ist. Die Welt wird dann zur sinnvollen Lebenswelt wenn es möglich ist, in ihr, Sinnhorizonte zu generieren. Der so entstandene Sinn lebt von der Welt (S. 123) und ermöglicht Operationen. Eine Operation muss innerhalb dieser Sinndimensionen und ihrer Horizonte verortet werden, ansonsten ist nach Luhmann keine Anschlussoperation möglich. Ein Sinnverweis der eine Kette von Sinnverweisen weiterführt muss schließlich thematisch zu der Kette passen. Der Sinnverweis darf nicht willkürlich angelegt sein. Er muss, um den Sinnbegriff Luhmanns gerecht zu werden, Aktuelles von Möglichem unterscheiden. Eine weitere Operation muss als Ereignis innerhalb des Möglichkeitskorridors verortet sein, in dem sich die Kette der Sinnverweise bis hierher verortete. Wenn eine Operation diese Bedingungen nicht erfüllt wird sie vom System als Rauschen in der Umwelt wahrgenommen.
Ein Ereignis das diese Bedingungen erfüllt, für das System also Sinn hat, kann nun nur noch in zwei Richtungen Ausprägungen leisten. Der jeweilige Horizont erlaubt nicht mehr. Luhmann spricht von einem „ausgeschlossenem Dritten“. (S. 123) Der Binärcode den Luhmann benutzt um die operative Geschlossenheit eines Systems zu beschreiben, was letztendlich das System selbst als Einheit in sich und Differenz zur Umwelt darstellt beruht auf dem Begriff des Sinnes.
Luhmann benutzt den Sinnbegriff auch um Handeln von Erleben zu unterscheiden. Ein soziales System muss eine Zurechnungsrichtung in Hinblick auf Ereignisse leisten. „Wird eine Sinnselektion der Umwelt zugerechnet, gilt die Charakterisierung Erleben (…). Wird dagegen Sinnselektion dem System selbst zugerechnet, dann gilt die Charakterisierung Handeln.“ (S. 124) Faktisch lassen sich beide Charakterisierungen aber genauso wenig trennen wie Systeme von ihrer Umwelt. Sie sind auf einander angewiesen. System gibt es nur als Differenz zur Umwelt, Erleben gibt es nur als Differenz zum Handeln. Denn ein System ist am Handeln erlebend beteiligt. Handeln wiederum ist nur durch Bezug auf die Umwelt möglich. (S. 124) Zusammenfassend schreibt Luhmann: „Erleben aktualisiert die Selbstreferenz von Sinn, Handeln aktualisiert die Selbstreferenz sozialer Systeme“. (S. 124) Und da soziale Systeme Sinnsysteme sind, sind Handeln und Erleben nur für analytische Zwecke trennbar.
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich viele Grundzüge der soziologischen Systemtheorie in den Grundlagen der Phänomenologie finden lassen. Die Phänomenologie dient als Methode um Fragen zu klären die Comte und Weber schon vor dem methodischen Schritt der Einbeziehung der Phänomenologie für die Soziologie beschrieben.
Im dem, dem „Sinn“ nachfolgenden Kapitel über „doppelte Kontingenz“ führt Luhmann seine Überlegungen weiter. Sinn ist, wie dargestellt, systemstiftend. Sinn gibt dem System die notwendige Grenze zwischen innen und außen, dem sinnvollem Gehalt und dem bloßen Rauschen. Jedes wahrgenommene Ereignis ruft Realität und Virtualität hervor und ergibt damit Sinn. Auf ein psychisches System bezogen ist das einfach nachzuvollziehen. Ein Mensch sieht einen Stein und realisiert ihn als Phänomen, das seine Bestandteile Aktualität und Virtualität auch anders hätte abwägen können. Das Phänomen im psychischen System, das der Stein verursacht hat, ist kontingent. „Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes (Erfahrenes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen.“ (S. 152) In diesem Zitat erkennt man das der Kontingenzbegriff das gesamte begriffliche Sinnkonstrukt, bestehend aus Aktualität, Virtualität, System und Umwelt, zusammenfassend darstellt. Der im Sinnkapitel von Luhmann ausführlich beschrieben Horizont, der Sinn bestimmt, liegt dem Kontingenzbegriff zu Grunde. Luhmann führt diese Kontingenzkonstruktionen im Sinne der phänomenologischen Tradition zurück bis auf den Ursprung der Unanzweifelbarkeit: Der Annahme das die Welt gegeben ist. „Die Realität dieser Welt ist also im Kontingenzbegriff als erste und unauswechselbare Bedingung des Möglichseins vorausgesetzt.“ (S. 152) Alles was in dieser Welt stattfindet ist kontingent. Luhmann zitiert Nicholas Rescher und beschreibt die Realität die auf der Welt beruht als „’possible worlds’ der einen realen Lebenswelt“. (S. 152) Auf diese Realität hat jedes beteiligte System eine eigene individuelle Perspektive.
Nun kommt es vor, dass ein psychisches System im Laufe seiner Existenz nicht nur auf Steine trifft, sondern auch auf andere psychische Systeme. Dieser Fall ist ein besonderer Fall. Denn hier treffen zwei Realitätsperspektiven aufeinander. Das psychische System steht nicht mehr nur einer Umwelt bzw. einzelner Ereignisse, die es individuell aus der Umwelt herausgreift gegenüber, sondern einem System. Nach Luhmann konstituieren sich Systeme allein an Hand ihrer Differenz zur Umwelt. Ihre zirkuläre Geschlossenheit, die sich durch Sinn konstituiert und so Horizontgrenzen liefert, ist der Unterschied der es aus der Welt heraushebt. Ein psychisches System muss in einem anderen System eine andersartige Differenz zu sich selbst spüren als zur restlichen, gewöhnlichen Umwelt. Ein psychisches System, das ein anderes System erkennt, erkennt also, dass es in einem gewissen Teil der Umwelt, dem anderen System, auch eine zirkulär geschlossene Sinnkonstitution gibt, also auch eine eigene, einzigartige Realitätperspektive. Das psychische System nimmt dadurch nicht nur die eigene Kontingenz wahr, sondern erkennt gleichwohl auch die Kontingenz des anderen beteiligten Systems. Im Falle des in Erscheinung Tretens des jeweils einen für das jeweils andere System, also den Fall das die Gebärden des einen Systems zum sinnstiftenden Ereignis des anderen Systems werden tritt für beide Systeme eine doppelte Kontingenz in Kraft. Denn beide beteiligten Systeme sind sich über die Kontingenz des jeweils anderen Systems bewusst und fügen dies in die Prozessierung der eigenen, individuellen Realität mit ein.
Dies ist für Luhmann auch der Schritt zur Bildung sozialer Systeme. „Soziale Systeme entstehen jedoch dadurch (und nur dadurch), dass beide Partner doppelte Kontingenz erfahren und dass die Unbestimmbarkeit einer solchen Situation für beide Partner jeder Aktivität, die dann stattfindet, strukturbildende Bedeutung gibt. Das ist mit dem Grundbegriff der Handlung nicht zu fassen.“ (S. 154) Alle Aktivität die stattfindet setzt dieses entstandene soziale System fort, solange sie innerhalb dieser Erfahrung von doppelter Kontingenz stattfindet. Dies geht deshalb über den Handlungsbegriff hinaus da „jede Aktivität“ auch z.B. bloßes Erleben beinhaltet (wie Luhmann es im Sinnkaptiel über den Unterschied von Handeln und Erleben beschrieben hat).
Luhmann handelt im Folgenden die Frage ab „wie weit die Beteiligten einander verstehen können müssen, um kommunizieren zu können“. (S. 155) Diese Frage erörtert er mittels unterschiedlicher Ausprägungen die soziale Systeme nehmen können. So gibt es engere Grenzen von Sinnhaftigkeit die mehr Fälle von Ereignissen für sich ausschließen.
Die beteiligten Systeme bleiben jedoch immer getrennt, also in ihren Operationen zirkulär geschlossen. „Sie bleiben getrennt, sie verschmelzen nicht, sie verstehen einander nicht besser als zuvor; sie konzentrieren sich auf das, was sie am anderen als System-in-einer-Umwelt, als Input und Output beobachten können, und lernen jeweils selbsreferentiell in ihrer je eigenen Beobachtungsperspektive.“ (S. 157)
Luhmann hat mit den Erläuterungen zur einfachen und doppelten Kontingenz und mit Hilfe der phänomenologischen Grundlagen über Sinn dargelegt wie eine Beziehung zwischen einen System und seiner Umwelt aussieht – und welchen Unterschied es macht wenn zwei Systeme in Beziehung treten. Auf Basis dieser Erklärungen versucht er auch den Gründen sozialer Ordnung näher zu kommen.
Dem letzten Zitat anschließend schreibt er, das Systeme das was sie beobachten durch Handeln beeinflussen können. An Hand des Feedbacks dieser Handlungen können sie lernen, ohne dass die notwenige Selbstreferenz verlassen wird. „Auf diese Weise kann eine emergente Ordnung zustande kommen, die bedingt ist durch die Komplexität der sie ermöglichenden Systeme, die aber nicht davon abhängt, dass diese Komplexität auch berechnet, auch kontrolliert werden kann. Wir nennen diese emergente Ordnung soziales System.“ (S. 157) Diese Aussage Luhmanns ist in erster Linie ein Widerspruch zu allen bisherigen Erklärungsversuchen von sozialer Ordnung die auf Vernunft, Verstand, Handlungen oder Gleichem bestanden. Denn Luhmann löst das soziale System von der Berechenbarkeit durch- und der Kontrolle des psychischen Systems und gibt ihm, seiner Definition von Systemen nach, eine eigene Realitätsperspektive, eigene Sinnhorizonte, eine eigene Lebenswelt und eigene Kontrolle. Systeme funktionieren, kontrollieren und nähren sich selbsreferentiell. Das trifft für alle, demnach auch soziale Systeme zu. Die Beziehung zwischen sozialen und psychischen oder generell zwischen Systemen, beruht auf den beschriebenen Prinzipien. Ein System konstituiert sich durch die Generierung von Sinn – und nutzt dafür den Einfluss aus der Umwelt der sich mittels Ereignissen darstellt.
In Luhmanns Worten wird doppelte Kontingenz im sozialen System „abgearbeitet“. (S. 179) Die Sinnhorizonte der Kontingenzen wirken im sozialen System „als Kommunikationserleichterung und als Kommunikationsbarriere zugleich“. “Die Festigkeiten solcher Grenzen erklärt sich daraus, dass Wiederzulassung völlig unbestimmter Kontingenzen zu den Unzumutbarkeiten gehört.“ (S. 179) Das aus den Kontingenzen emergierte soziale System hat seine eigenen Sinnhorizonte. Es entscheidet welche Kommunikationsbeiträge Anschlussfähig sind und welche nicht. Durch die doppelte Kontingenz „und der dadurch in Gang gebrachten Selektion entstehen ganz andere Grenzen. Sie trennen und verbinden nicht die Individuen, sondern sie konstituieren den Eigenbereich des sozialen Systems im Verhältnis zu dem, was für dieses Systeme dann Umwelt wird.“ (S. 178)
Die Existenz eines sozialen Systems wird neben vielen Phänomenen von einer wichtigen „Selektionsgeschichte“ (S. 185) geprägt. Das System spielt sich im laufe der Zeit (welche eine sehr wichtige Größe für alle Systeme ist) auf seine Sinnhorizonte ein und „verliert die Offenheit für Beliebiges und gewinnt Sensibilität für Bestimmtes. Dadurch differenzieren sich Umwelt und System“. (S. 185)
Das soziale System ist in der Systemtheorie Luhmanns ein System das, wie jedes, aus seiner Perspektive nur Umwelt kennt und sich allein auf seinen Sinn bezieht um die eigene Existenz zu erklären. Damit liegen sozialen Systemen dieselben phänomenologischen Grundzüge einer Lebenswelt und einer damit verbundenen speziellen Perspektive zu Grunde wie es für psychische Systeme zutrifft. Nur operieren sie nicht mit Gedanken sondern Kommunikationsbeiträgen.

April 26th, 2006 at 19:29
ihr lebt ja praktisch luhmann - habt ihr auch genug gegengewicht?
selbst wir haben grad luhmann - standort-theorie und erwartenserwartung… :-)
April 26th, 2006 at 20:49
ein gegengewicht zu luhmann - wie soll das denn aussehen… ;-) bisher hat doch noch keiner was gleichrangiges zusammengefasst … soviel luhmann machen wir aber eignetilch auch nich - zumindest nich jetzt - das hier war nur ein teil meiner aktuellen hausarbeit…