Tagewerke, Lebenswerke, Gotteswerke

Meine Tagewerke der letzten und der kommende Woche bestand darin jeweils 4h am Stück DHL Container per Hand leer zu räumen. Die sind so gross und so breit und so lang das man sich schon wundert warum es dafür noch keine geeignete Ausräummaschinerie gibt - wo doch die restliche DHL-Express Abfertigungshalle eher an NASA als an Postkutsche erinnert… Erschwerend zu den > 30 Kilo Prospektlieferpaketen des Deutschen Kreditwesens kommt noch die Tatsache das man einerseits für 7 Euro die Stunde arbeitet und andererseits die privilegierten weil festangestellten, mehrverdienenden, bequemer-arbeitenden Gabelstablerfahrer durchgehend glauben das sie mich Duzen und ohne ein höffliches “bitte” von Abfertigungsband zu Abfertigungsband schicken können nur weil sie auf ihrem Gabelstablerpodest meine Augenhöhe erreichen… Naja - ich mach das ja nur nebenbei und brauch das glücklicherweise nicht zum Lebensunterhalt sondern werde das Geld direkt in New York verprassen ;-)

Nuju - also die letzte Woche war anstrengend. Nebenbei ist mein Computer so kaputt das ich seit Wochen meine Playlist nicht nutzen konnte und zu allem überdruss wird unser Bad grad gebaut und so haben wir seit Donnerstag und noch bis Dienstag weder Toilette, Dusche noch Waschbecken in der Wohnung…

Aber - gestern lag ich ermattet in meinem Bett und zappte noch ein bissl durchs Programm und fand folgendes, himmlisches, atemberaubendes, bewegendes, bewusstseinerweiterndes und überhaupt göttliches Konzert von Ennio Morricone aus München 2004 auf BR3. Es ging zwar nur eine Stunde aber es war toll und errinnerte mich an früher als ich noch als unbekümmerte Schüler eine Hans Zimmer CD nach der anderen entdeckte und ihn im Interview sinngemäss sagen hört: Morricone ist der Grund warum ich Musik mache, ohne ihn wäre ich nie auf den Gedanken gekommen das Musik mein Leben sein könnte. Es ist schon ein bissl magisch. In der Stunde des Konzerts wurde auf den Applaus zwischen den Stücken verzichtet - dafür gabs Wortbeiträge von Morricone - und sie waren noch aussagekräftiger als dieses Interview.

Am Mittwoch gabs in der ARD eine Reportage übers menschliche Gehirn - dargestellt anhand Fehler die Menschen unendliche Leistungen ermöglichen - der eine rechnete 33^67 auf alle Stellen genau innerhalb von 1 Minute - wobei er bei der Ergebnisnennung 5 Stellen pro Sekunde nannte - der andere bekam vor 20 Jahren einen Ball an den Kopf und vergisst seit dem kein erlebtes Ereignis, kennt zu allen Kalenderdaten die Wetterlage und kann seinen Tagesablauf minutengenau aufsagen. Und der echte Rainman Kim Peek (dem Dustin Hoffman seinen Oskar widmete und dessen Verfilmung Hans Zimmers Filmmusikalischer Durchbruch 1988 war) speichert alles, alles, alles was er mit seinen Sinnen in seinem Leben wahr nahm abrufbereit ab. Er liest mit 2 Augen zwei Buchseiten in 8 Sekunden und lernte so bereits tausende Bücher auswenig - wer das verpasst hat, muss die Reportage nachholen - sie wird noch oft wiederholt bzw. hat noch 2 weitere Teile…

Was ich sagen wollte: in dieser Reportage erklärte der Bremer Professor Gerhard Roth das der Speicherplatz im Gehirn unendlich ist. Durch die hohe Synapsenanzahl sind die zum speichern nötigen Kombinationsmöglichkeiten, wissenschaftlich exakt gerundet, unendlich… Nächsten Mittwoch gehts um die Menschliche Kreativität und ich nehme mal an sie ist ebenso unendlich wie die Speicherkapazität.

Morricone meinte nachdenklicherweise nämlich auch (sinngemäss): Bei der Musik stehen jedem Menschen die selben Ressourcen zur Verfügung. Wer ein Haus baut hat entweder viele Steine oder wenige - kann so ein grosses Haus bauen oder ein kleines. Aber in der Musik ist absolute Chancengleichheit gegeben. Und dennoch gibt es solch grosse Ergebnissunterschiede. Beethoven lässt uns den Himmel ahnen und Mozart kommt von dort - heisst es - aber beide nutzten die selben Elementarteilchen (sehr zu empfehlen).

Schreibe einen Kommentar...